Humboldt Forum
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Gegen den Strom: Francis La Flesche und die „UMÓⁿHOⁿ“ (Omaha). Einblick in die Vorbereitungen einer der ersten Wechselausstellungen im Humboldt Forum

Pressemitteilung

Berlin, 4. Juni 2019

Im Humboldt Forum eröffnen Ende 2020 fünf Wechselausstellungen, darunter eine, die gemeinsam mit dem Nebraska Indian Community College (NICC) und Angehörigen der Umóⁿhoⁿ konzipiert wird. Die Umóⁿhoⁿ aus dem Nordosten Nebraskas und dem Westen Iowas gehören zu den 573 in den USA offiziell anerkannten indigenen Nationen. Vertretende des NICC und der Umonhon sind derzeit zum zweiten Arbeitsbesuch in Berlin. Ein Pressewerkstattgespräch mit ihnen gab heute Einblicke in das Prinzip der Wechselausstellungen sowie in deren konkrete Vorbereitung. Interessierte können mit Vertretenden des NICC und der Umóⁿhoⁿ am 6. Juni 2019 im Rahmen der Langen Nacht der Ideen persönlich ins Gespräch kommen.

Ausgangspunkt der ersten von der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss (SHF) verantworteten Wechselausstellungen sind Sammlungsbestände des Ethnologischen Museums der Staatlichen Museen zu Berlin (SMB). Diese werden im Kontext unterschiedlicher aktueller Fragestellungen, darunter auch die nach der Herkunft der Objekte, teilweise erstmals präsentiert. Die Ausstellungen erarbeiten die SHF und die SMB derzeit gemeinsam mit internationalen Kooperationspartnern in einem bewusst ergebnisoffenen Prozess.

Für den Generalintendanten des Humboldt Forums Hartmut Dorgerloh wird bei den Wechselausstellungen exemplarisch deutlich, „wie wir im Humboldt Forum arbeiten wollen. Nicht wir bestimmen das Narrativ, sondern wir entwickeln gemeinsam ein Konzept in enger Zusammenarbeit und in stetem Austausch mit Communities in Herkunftsländern. Entsprechend offen ist auch das Ergebnis und darauf freue ich mich.“

Einblick in einen solchen Prozess gab heute ein Werkstattgespräch mit dem Hauptkurator der Wechselausstellung Ilja Labischinski sowie mit Pierre Merrick, Wynema Morris und Glenna Slater (Umóⁿhoⁿ). In der Ausstellung werden rund 60 Objekte der nordamerikanischen, indigenen Nation der Umóⁿhoⁿ gezeigt. Der indigene Ethnologe Francis La Flesche stellte sie von 1894 bis 1898 im Auftrag des damaligen Berliner Museums für Völkerkunde, dem heutigen Ethnologischen Museum der SMB, als Objekte „seiner eigenen Kultur der Umóⁿhoⁿ“ zusammen. Es handelt sich um die früheste Selbstrepräsentation einer indigenen Kultur Nordamerikas. Heute ist sie das Bindeglied zwischen Vergangenheit und Gegenwart und der historische Ausgangspunkt für ein neues Kapitel der Beziehungen zwischen den Umóⁿhoⁿ und Berlin.

Lars-Christian Koch, Direktor der Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin im Humboldt Forum: „Die gemeinsame Arbeit mit dem Nebraska Indian Community College und Vertreterinnen und Vertretern der Umóⁿhoⁿ an diesem einzigartigen Sammlungsbestand zeigt exemplarisch, welche Bedeutung historische Sammlungen des Ethnologischen Museums heute noch haben und welches Potenzial in gemeinsam mit Herkunftsgesellschaften konzipierten Ausstellungen liegt. Solche Kooperationen sind seit vielen Jahren fester Bestandteil der Arbeit des Ethnologischen Museums und werden auch für das Humboldt Forum prägend sein.“

Bis heute bestimmt die Erfahrung von Rassismus und Gewalt die Geschichte und Gegenwart der Umóⁿhoⁿ. In diesem Kontext ist die Berliner Sammlung auch für die heutige Community der Umóⁿhoⁿ von besonderer Bedeutung, da sie vom Widerstand gegen die Kolonialisierung zeugt. Heute ermöglicht sie es den Menschen, sich mit ihren Vorfahren und Lebensweisen wieder zu verbinden, mit Stolz auf ihre eigene Geschichte zu blicken und diese zu präsentieren. Die Ausstellung im Humboldt Forum bietet die Möglichkeit für ihre zentrale Botschaft: „We are still here!“

Besucherinnen und Besucher werden Einblick in die Weltsichten der Umóⁿhoⁿ und in Themen ihrer Geschichte und Gegenwart erhalten. Dies wird sich auch in der Architektur und Gestaltung der Ausstellung widerspiegeln. Die Präsentation wird in den kommenden Monaten konkretisiert. Im Rahmen der Langen Nacht der Ideen sind Interessierte bereits jetzt herzlich eingeladen, in Filmbeiträgen Sprache und Kultur der Umóⁿhoⁿ kennenzulernen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Weitere Informationen unter humboldtforum.org/lndi2019.

Die Wechselausstellungen im Humboldt Forum eröffnen Ende 2020 im 2. und 3. Obergeschoss. Sie werden mit den angrenzenden Introräumen von der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss verantwortet. Die Flächen der Wechselausstellungen und der Introräume umfassen gemeinsam rund 3.500 m². Sie werden zwischen den rund 14.000 m² großen Flächen der vom Ethnologischen Museum sowie vom Museum für Asiatische Kunst der SMB verantworteten Dauerausstellung zu finden sein.

Das 1973 gegründete Nebraska Indian Community College bietet postsekundäre Bildung an drei Standorten: auf dem Umóⁿhoⁿ-Reservat, auf dem Santee-Sioux-Reservat und in South Sioux City, Nebraska. Seit 46 Jahren setzt sich das Nebraska Indian Community College zum Ziel, eine weiterführende Ausbildung durch einzigartige und kulturell relevante Bildungserfahrungen zu ermöglichen. Diese Erfahrungen richten sich an alle Umóⁿhoⁿ (Omaha), Isanti (Santee Dakota) und alle Lernenden, die auf einem unserer drei Campus Kurse belegen.

Das Ethnologische Museum der Staatlichen Museen zu Berlin wird m Humboldt Forum einen Epochen und Kontinente umspannenden Überblick über die Kulturen der Welt bieten, der neue Blicke auf die vergangenen und gegenwärtigen Kulturen Afrikas, Amerikas, Asiens, Australiens und Ozeanien eröffnet. Dabei wird sich das Ethnologische Museum auch mit dem Erbe und den Konsequenzen der Kolonialherrschaft und der Rolle Europas kritisch auseinandersetzen. Ziel ist es, das Interesse an Interaktion und interkultureller Begegnung zu wecken und ein globales Verständnis zu fördern.

Inspiriert von seinen Namensgebern Alexander und Wilhelm von Humboldt und deren Freude daran, die Welt mit offenen Augen zu erkunden und sie als ein verflochtenes System von Natur und Kultur zu verstehen, entsteht mit dem Humboldt Forum ein neuer Ort des Erlebens, des Lernens und der Begegnung. Akteure sind die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) mit dem Ethnologischen Museum und dem Museum für Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin (SMB), die Kulturprojekte Berlin und das Stadtmuseum Berlin, die Humboldt-Universität zu Berlin (HU) und federführend die Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss.

Lange Nacht der Ideen

We are still here. The Omaha Speaking

Datum Donnerstag, 6. Juni 2019
Zeit 18-23 Uhr
Einlass 17:30 Uhr
Ort Berliner Bauakademie, Schinkelplatz, 10117 Berlin, Zugang nicht barrierefrei
Sprache Englisch, Fragen können auf Deutsch gestellt werden, die Antworten sind auf Englisch.
Eintritt frei, keine Anmeldung erforderlich

Teilnehmende Michael Thomas Berger, Barbara Jo McKillip-Erixon, Pierre Merrick, Wynema Eleanor Morris, Vanessa Dawn Hamilton, Glenna Slater
Begrüßung Hartmut Dorgerloh

Veranstalter Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss

Die Veranstaltung findet im Rahmen der vierten Langen Nacht der Ideen des Auswärtigen Amtes statt.

Weitere Informationen humboldtforum.org/lndi2019

Gegen den Strom: Francis La Flesche und die „Umóⁿhoⁿ“ (Omaha)

Einblick in die Vorbereitungen einer der ersten Wechselausstellungen im Humboldt Forum

Wechselausstellung Gegen den Strom: Francis La Flesche und die „Umóⁿhoⁿ“ (Omaha)
Ort Humboldt Forum, 2. OG, Ostflügel Nordseite im Bereich Amerika
Fläche 214 m²
Eröffnung Ende 2020

Eine Ausstellung der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss in Kooperation mit den Staatlichen Museen zu Berlin, dem Nebraska Indian Community College und Angehörigen der Umonhon. Hauptkurator: Ilja Labischinski, Staatliche Museen zu Berlin.

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Pressekontakt

Michael Mathis
Pressesprecher
Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss
+49 151 1617 97 27 | michael.mathis@humboldtforum.org
humboldtforum.com

Partner

Veranstalter ist die Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss in Zusammenarbeit mit dem Ethnologischen Museum der Staatlichen Museen zu Berlin, dem Nebraska Indian Community College und Angehörigen der Nation der Omaha.
  • Nebraska Indian Community College
  • Ethnologisches Museum der Staatlichen Museen zu Berlin