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© Humboldt-Universität zu Berlin, Zoologische Lehrsammlung / Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, digitale Reproduktion: Jester Blank GbR
Gorilla

Gorilla

Im Jahr 1904 verkaufte der Leipziger Drogen- und Farbenhändler Erwin Olbricht diese Gorillahand an das Zoologische Institut der Königlichen Friedrich-Wilhelms-Universität (seit 1949 Humboldt-Universität) zu Berlin.

Man erkennt den Knochen, der aus dem Handstumpf ragt, die freigelegte Muskelpartie am Handrücken, die vielen Härchen und die dunklen Fingernägel. Bestens konserviert, steht die Hand in einem eckigen Glasbehälter in Alkohol. Was aus den übrigen Körperteilen des getöteten Tieres wurde, ist nicht bekannt. Wann und unter welchen Umständen der Gorilla erlegt wurde, ist ebenfalls nicht überliefert.

WARUM EINE GORILLAHAND?

Manche stößt das Objekt ab, andere sind fasziniert. Es erzeugt Bilder im Kopf – wir denken an Affen, die wir aus Filmen, von Zoobesuchen und Reisen kennen – und wirft Fragen auf: Warum eine Hand? Wo ist der Rest des Körpers? Unter welchen Bedingungen starb das Tier, dem diese Hand gehört hatte? Wie kam die Hand hierher? Vielleicht müssen wir bei ihrem Anblick an Schmerz denken, gerade weil sie uns an eine menschliche Hand erinnert.

Den Menschen im westlichen Afrika, wo diese Tiere ihren Lebensraum haben, war deren Existenz natürlich bekannt. Die erste wissenschaftliche Beschreibung der Gattung, in den USA vorgenommen anhand eines Schädels, stammt aber erst aus dem Jahr 1847. Seither lautet ihre Bezeichnung „Gorilla“. Veröffentlichungen über dieses Wesen, das häufig als „Ungetüm“ dargestellt wurde und unverkennbar dem Menschen ähnelte, zogen anschließend in den Gesellschaften Europas und Nordamerikas große öffentliche Aufmerksamkeit auf sich. Westliche Forscher, Abenteurer und Sammler reisten in die Lebensräume der Gorillas, um sie zu jagen, Präparate einzelner Körperteile oder gar ganzer Tiere wurden zu begehrten und teuren Sammelobjekten.

Charles Darwins 1859 veröffentlichte Studie On the Origin of Species („Über die Entstehung der Arten“) befeuerte eine Diskussion über mögliche verwandtschaftliche Beziehungen zwischen Menschen und Affen. Für den Bereich der vergleichenden Anatomie im Kontext eines Studiums der zoologischen Wissenschaft konnte die Gorillahand ein wichtiges Anschauungs- und Forschungsobjekt sein.

ERKENNTNISWILLE UND AUSBEUTUNG

Wissenschaft ist immer im Licht der Zeit zu sehen. In ihr spiegeln sich politische, weltanschauliche und technische Strömungen bis hin zu persönlichen Interessen. All das beeinflusst, was erforscht und was zu Forschungszwecken gesammelt wird. So ist die Hand ein Objekt, an dem sich Wissenschaftsgeschichte beispielhaft erzählen lässt.

Im Humboldt Forum steht die Gorillahand für eine Praxis des Sammelns und Forschens, die unter den Bedingungen des Kolonialismus stattfand und zur Ausbeutung von Menschen, Natur und Gesellschaften beitrug. In ihrem historischen Kontext betrachtet, lassen sich mit dieser Hand auch koloniale Machtverhältnisse thematisieren.

Aus der Humboldt-Universität zu Berlin, zukünftig in der Ausstellung im 1. OG im Humboldt Forum.

Herkunft des Objektes
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Die genaue Herkunft des Objekts ist aktuell Gegenstand der vertiefenden Erforschung. Bislang ist nur der Voreigentümer des Präparats bekannt. Laut Erwerbsakten wurde die Gorillahand 1904 von Erwin Olbricht für die Sammlung des Zoologischen Instituts der damaligen Friedrich-Wilhelms-Universität erworben (heute Humboldt-Universität zu Berlin). Olbricht war Drogen- und Farbenhändler aus Leipzig, Zeitzer Straße 21.

Laut Eingangsverzeichnis der Sammlung gehörten zum Ankaufskonvolut auch ein rechter Fuß eines Gorillas und eine Schlange aus der Boa-Familie. Zu einem späteren Zeitpunkt verkaufte Olbricht die rechte Hand eines Simia satyrus (Orang-Utan-Familie) an das Zoologische Institut. Die Kenntnis über Olbricht beschränkt sich einstweilen auf einen zeitgenössischen Eintrag im Leipziger Adressbuch.

Bei diesem Objekt erfolgen im Zuge der Ausstellungsvorbereitungen weitere Recherchen. Das Erwerbsjahr 1904, das in die Periode des deutschen Kolonialismus fällt, ebenso wie die ursprüngliche Herkunft des Objekts aus Westafrika legen gründliche Nachforschungen nahe. Die Humboldt-Universität ist bestrebt, die Provenienz des Objekts möglichst genau zu erforschen und einen adäquaten Umgang mit Objekten sensibler Herkunft zu finden.

Gorilla

Perspektiven auf die Gorillahand

Der Tagesspiegel eröffnet mit „Der Mensch stammt vom Affen ab?" neue Perspektiven auf die Gorillahand.

Veranstaltung (15. November 2018)
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Weshalb ziehen auch Elefanten, Gorillas und Bienen ins Humboldt Forum? Dieser Frage und vielen mehr widmeten sich internationale Expertinnen und Experten, Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sowie Beteiligte des Humboldt Forums am 15. November 2018 in der Veranstaltung „Elefant, Biene & Gorilla“.

Gespräch #2
Elefant, Biene & Gorilla
15. November 2018, 19:30 Uhr
Emil-Fischer-Hörsaal

Humboldt Forum Highlights
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Die ersten 15 Highlights des Humboldt Forums wurden in zwei Formaten von Oktober 2018 bis Mai 2019 vorgestellt – in einer Ausstellung sowie in Gesprächen an unterschiedlichen Orten in Berlin.

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