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© Kulturprojekte Berlin, Gestaltung: krafthaus Das Atelier von facts and fiction
Vergnügen

Vergnügen

Berlin ist nicht Las Vegas – keine einschlägige Vergnügungsmetropole. Doch welchen Stellenwert hat das Vergnügen in der Hauptstadt mit ihren über 50 Theaterbühnen, unzähligen Kneipen und Clubs, denen keine Sperrstunde Grenzen setzt? Und wie war das früher: in der Kaiserzeit oder in den 1920er Jahren? Wo beginnt Vergnügen eigentlich, wo endet es?

Seit über einhundert Jahren verbinden sich in Berlin unterschiedlichste Kulturen und Stile, die von hier aus wieder ihren Weg in die Welt finden. Berlin gibt sich gerne weltoffen und experimentierfreudig. Doch auch Ausgrenzung ist Teil der Vergnügungskultur. Im Rahmen der Ausstellung Berlin und die Welt wird das Vergnügen in einem eigenen, großflächigen Themenraum facettenreich beleuchtet.

Lampen aus dem Palast der Republik

Die Vergnügungsindustrie steht oft direkt im Scheinwerferlicht. Auf Jahrmärkten oder Varietébühnen, in Spielsalons oder Clubs flimmert es bunt und schillernd. Auch in dem Themenraum im 1. Obergeschoss des Humboldt Forums begegnet man Licht, Spiegelungen und Reflexionen. So werden etwa die Deckenleuchten aus den Originalelementen der berühmten Beleuchtung im Foyer des Palastes der Republik neu inszeniert. In übergroßen begehbaren verspiegelten Kugeln wird ihre runde Form wieder aufgegriffen. Der Verweis auf den Ort, der sich hier über Jahrzehnte befand, lässt auch die Doppeldeutigkeit des Palastes anklingen. Einerseits beherbergte der Palast der Republik die Volkskammer und war somit sichtbares Zeichen der DDR-Herrschaftsrepräsentation. Andererseits war er aber auch ein Ort des Vergnügens für das Volk mit Festivals, Konzerten und Auftritten westlicher Künstlerinnen und Künstler.

Swing, Techno und Oriental Hip-Hop

In dem Raum, der alle Sinne anspricht, lassen sich verschiedene Aspekte des Themas Vergnügen in Berlin erkunden. Zum Beispiel, wie der interkulturelle Austausch die Vergnügungskultur in Berlin schon seit dem 19. Jahrhundert belebt. Ob Tanz, Theater oder sonstige Performance – seit jeher beeinflussen internationale Impulse die verschiedenen Sparten des Vergnügens. Das scheint eine Konstante zu sein. Denn auch heute ist es fast egal, welche Musik wir hören, ob wir Tango oder Swing tanzen, zu arabischer Folklore oder Techno feiern – ohne Austausch gäbe es das Neue nicht. Die Sehnsucht nach dem Exotischen und Unbekannten wird befriedigt durch immer neue Stile, die in die Stadt kommen, wo sie mit bereits Vorhandenen verschmelzen. Unablässig produziert die Stadt neue Trends, die dann ebenfalls ihren Weg in die Welt finden.

Die Hip-Hop-Kultur ist da nur ein Beispiel. In dem Raum kann man nachvollziehen, wie sich diese globale Jugendkultur in Berlin weiterentwickelt hat. Waren es in der Geburtsstätte von Hip-Hop, in der New Yorker Bronx, afroamerikanische und hispanische Jugendliche, die neue Ausdrucksformen suchten, gab es nach der Wende in Berlin viele Jugendliche mit türkischen Wurzeln, die hier den sogenannten Oriental Hip-Hop begründeten. Von Berlin in die Türkei importiert, legte er dort wiederum den Grundstein für die dortige Hip-Hop-Szene. Der Raum macht erfahrbar, welche eigenen Akzente in Berlin gesetzt und welche Styles hier erfunden wurden.

Wer darf sich vergnügen?

Auch von den wirtschaftlichen Verflechtungen und finanziellen Interessen erzählt der Raum. Inwiefern hat das Vergnügen eine politische und eine soziale Dimension? Welche Freiheiten, welche Limitierungen erleben Kulturschaffenden, die sich im Exil befinden? Wer darf sich wo vergnügen und wer bleibt außen vor? Wer nach langem Warten vor einem Club schon mal vom Türsteher abgewiesen wurde, weiß, wie schmal der Grat zwischen dem Zugang zu Vergnügen und Ausgrenzung ist. Der Themenraum wirft jede Menge Fragen auf und erlaubt einen Blick auf die vielfältige Geschichte der Berliner Vergnügungskultur.

Zukünftig in der Berlin Ausstellung im 1. OG im Humboldt Forum.

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Humboldt Forum Highlights
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Die ersten 15 Highlights des Humboldt Forums wurden in zwei Formaten von Oktober 2018 bis Mai 2019 vorgestellt – in einer Ausstellung sowie in Gesprächen an unterschiedlichen Orten in Berlin.

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