{"id":97468,"date":"2023-08-29T17:33:06","date_gmt":"2023-08-29T15:33:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/?post_type=event&#038;p=97468"},"modified":"2023-09-27T01:00:49","modified_gmt":"2023-09-26T23:00:49","slug":"palaeste-fuer-das-volk","status":"publish","type":"event","link":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/programm\/termin\/film-video\/palaeste-fuer-das-volk-97468\/","title":{"rendered":"Dokumentation &#8211; Pal\u00e4ste f\u00fcr das Volk"},"content":{"rendered":"<section class=\"block block-copy block-no-margin\" >\n    <div class=\"container-fluid\">\n\t\t<div class=\"row margin-bottom-sixth\">\n            <div class=\"col-xs-12 col-md-offset-2 col-md-8\">\n                <div class=\"box\">\n                    <div class=\"copy\"><p>Boris Missirkov,\u00a0Georgi Bogdanov, D\/BG\/RO, 2017, FSK Infoprogramm, je 26 min., Deutsch<\/p>\n<p>Die Dokumentarfilme &#8222;Pal\u00e4ste f\u00fcr das Volk&#8220; erz\u00e4hlen die wechselvolle Geschichte von drei gigantischen sozialistischen Volkspal\u00e4sten.\u00a0<strong>Wir zeigen drei der vier Folgen, die jeweils circa 26min dauern, in Dauerschleife.\u00a0<\/strong>Kommen Sie einfach rein und lassen sich von den\u00a0\u00a0bisweilen bizarren Geschichten der gigantischen sozialistischen Volkspal\u00e4ste faszinieren. Erfahren Sie mehr \u00fcber die\u00a0 Menschen, die sie bauten. Der Palast Serbiens in Belgrad, der Kulturpalast in Sofia und der Parlamentspalast in Bukarest &#8211; erbaut als Pal\u00e4ste f\u00fcr das Volk,\u00a0 f\u00fcr eine revolution\u00e4re Ewigkeit, haben ihre Auftraggeber \u00fcberdauert.<\/p>\n<p>Die bisweilen bizarren Geschichten der gigantischen sozialistischen Volkspal\u00e4ste und die der Menschen, die sie bauten: der Palast Serbiens in Belgrad, der Kulturpalast in Sofia und der Parlamentspalast in Bukarest. Diese Pal\u00e4ste f\u00fcr das Volk, einst f\u00fcr eine revolution\u00e4re Ewigkeit gebaut, haben ihre Auftraggeber \u00fcberdauert.<\/p>\n<p>Der Palast der F\u00f6deration in Belgrad, seinerzeit von Marschall Tito in Auftrag gegeben, bleibt in seinem Modernismus unber\u00fchrt vom Einfluss des stalinistischen Barocks. Der Parlamentspalast in Bukarest ist der steingewordene Fiebertraum Ceausescus und kostete Bukarest gro\u00dfe Teile seiner Altstadt: ein Drittel des Stadtzentrums, sechs Synagogen und 22 Kirchen wurden dem Erdboden gleichgemacht. Der Nationale Kulturpalast in Sofia wurde als Festspielhaus f\u00fcr die Feierlichkeiten zum 1.300-j\u00e4hrigen Bestehen Bulgariens gebaut. Das gr\u00f6\u00dfte Kongresszentrum S\u00fcdosteuropas ist bis heute f\u00fcr jede Art von Veranstaltung viel zu gro\u00df.<\/p>\n<p>Kaum bekannte historische Aufnahmen von Bau, Er\u00f6ffnungen und Festivit\u00e4ten der opulenten Bauwerke verbinden sich mit hochkar\u00e4tigem aktuellen Bildmaterial zu einem gro\u00dfen Sehgenuss.<\/p>\n<\/div>\n                <\/div>\n            <\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<div class=\"row margin-bottom-sixth\">\n\t\t\t\t<div class=\"col-xs-12 col-md-offset-2 col-md-8\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"box\">\n\t\t\t\t\t\t<read-more inline-template>\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"copy margin-bottom-sixth\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t<div ref=\"body\" style=\"height:0;overflow: hidden;display: none;\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"margin-bottom-sixth\"><p>In den L\u00e4ndern des ehemaligen Ostblocks entstanden als steingewordene Propaganda f\u00fcr die herrschende Ideologie gigantische Pal\u00e4ste f\u00fcr das Volk. Sie alle sind die gr\u00f6\u00dften, die h\u00f6chsten, die modernsten ihrer Stadt, ihres Landes oder der Welt. Die Geb\u00e4ude stellten ihre Erbauer vor immense technische Herausforderungen, und doch sind die meisten heute, nach wenigen Jahrzehnten, schon hoffnungslos veraltet. Manche Palastbauten brachten die Wirtschaft ihrer L\u00e4nder an den Rand ihrer Leistungsf\u00e4higkeit. Die Bev\u00f6lkerung hungerte und fror, hat aber bis heute kaum Zutritt zu gro\u00dfen Teilen der meisten Geb\u00e4ude. Dennoch sind die Pal\u00e4ste zu kollektiven Referenzpunkten geworden, und Diskussionen um ihren Abriss stie\u00dfen stets auf gro\u00dfe Emp\u00f6rung.<br \/>\nDie Reihe n\u00e4hert sich mit vier Beispielen &#8211; von denen drei im Rahmen des Themenwochenendes gezeigt werden &#8211; diesen gewaltigen und faszinierenden Bauten: Dem \u201ePalast Serbiens\u201c in Belgrad, dem \u201eKulturpalast\u201c in Sofia und dem \u201eParlamentspalast\u201c in Bukarest.<br \/>\nDiese sozialistischen Pal\u00e4ste f\u00fcr das Volk, f\u00fcr eine revolution\u00e4re Ewigkeit gebaut, haben ihre totalit\u00e4ren Auftraggeber \u00fcberdauert und suchen nun nach neuer Bedeutung und Verwendung. Wir begegnen Menschen, die in diesen Pal\u00e4sten heute noch arbeiten oder ihnen biographisch eng verbunden sind: Sie erz\u00e4hlen von den Entstehungsgeschichten, lassen uns dem Gr\u00f6\u00dfenwahn ihrer Auftraggeber nachsp\u00fcren und den Bedeutungswandel der Pal\u00e4ste f\u00fcr die Menschen begreifen: vom verhassten Monument einer Diktatur zum Teil von Kultur, Identit\u00e4t und Erinnerung. Und manchmal auch zum nostalgischen Fixpunkt auf dem schwankenden Boden der Gegenwart.<\/p>\n<p>Der Bau des Palasts Serbiens in Belgrad geht auf einen Befehl von Marschall Tito zur\u00fcck, der ihn 1947 als \u201ePalast der F\u00f6deration\u201c f\u00fcr die jugoslawische Staatenvereinigung und als Manifestation seines \u201eeigenen sozialistischen Wegs\u201c anordnete. 1961 wurde das Geb\u00e4ude mit dem internationalen Gipfel der blockfreien Staaten er\u00f6ffnet, zu denen Jugoslawien z\u00e4hlte.<br \/>\nDer Wunsch nach politischer Unabh\u00e4ngigkeit von der UdSSR spiegelt sich in der Architektur des H-f\u00f6rmigen Geb\u00e4udes: In seinem Modernismus bleibt es unber\u00fchrt vom Einfluss des stalinistischen Barock. \u00dcberarbeitet und ausgef\u00fchrt wurden die Pl\u00e4ne von Mihajlo Jankovic, der vom Bauhaus beeinflusst war. So wirkt der mit wei\u00dfem Marmor verkleidete Bau in bester Lage \u00fcber dem Donaudelta auch heute noch zeitgem\u00e4\u00df, vor allem von au\u00dfen. Sein Inneres vermittelt durch die wertvollen Designerm\u00f6bel und die komplett erhaltene Ausstattung der 60er Jahre eine zeitlose Eleganz. Jeder der gro\u00dfen Salons repr\u00e4sentiert eine der ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken und weckt nostalgische Erinnerungen an die einstige sozialistische F\u00f6deration, die sich im Jahr 2006 endg\u00fcltig aufl\u00f6ste, als sich nach dem 15 Jahre andauernden stetigen Zerfall Jugoslawiens schlie\u00dflich auch noch Montenegro von Serbien abspaltete. Serbien gab sich damals eine neue Verfassung und distanzierte sich symbolisch von seiner jugoslawischen Vergangenheit. Der Palast war nun v\u00f6llig \u00fcberdimensioniert und viele der 744 B\u00fcror\u00e4ume stehen seitdem leer. F\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit ist das gr\u00f6\u00dfte Geb\u00e4ude Belgrads trotz seiner Museumsqualit\u00e4ten nicht zug\u00e4nglich.<\/p>\n<p>Der Kulturpalast in Sofia wirkt im Vergleich zum Gr\u00f6\u00dfenwahn in den anderen Pal\u00e4sten fast moderat. In nur vier Jahren wurde er aus dem Boden gestampft und 1981 zur Feier des 1300-j\u00e4hrigen Bestehens von Bulgarien er\u00f6ffnet. Die treibende Kraft hinter dem Projekt war die Tochter des Vorsitzenden der kommunistischen Partei Bulgariens, Todor Schiwkow, und damalige Kulturministerin Lyudmila Schiwkowa. Damals gl\u00e4nzte das pomp\u00f6se Kultur- und Kongresszentrum mit futuristischer Technik und beherbergte alle nur vorstellbaren Kunstgegenst\u00e4nde. Jeder Werkt\u00e4tige musste \u2013 ob er wollte oder nicht \u2013 einen Tageslohn spenden, um die immensen Baukosten abzufedern. Er wurde vom Gehalt abgezogen, wodurch fast 15% der Kosten zusammenkamen. Ein Werbefilm von 1980 pr\u00e4sentiert voller Stolz die moderne Technik: Kolossale Apparaturen mit blinkenden Lichtern, tausend Kn\u00f6pfchen und Tasten, W\u00e4nde mit quadratmetergro\u00dfen Schaltpl\u00e4nen, ganze Sitzreihen, die wie von Geisterhand gezogen in den W\u00e4nden verschwinden.<br \/>\nHeute scheint der Palast vor allem eine Heimstatt und ein Museum seiner eigenen Belegschaft zu sein. Wir begegnen Mitarbeitern, die hier nahezu ihr ganzes Leben verbracht und in der Abgeschiedenheit ihrer kaum aufzufindenden Arbeitsr\u00e4ume alle Systemwechsel und EU-Beitritte \u00fcberdauert haben. Die Sanierungskosten des schnell aus der Mode gekommenen Palastes werden derzeit durchgerechnet. Bulgarien \u00fcbernimmt 2019 die EU-Ratspr\u00e4sidentschaft \u2013 bis dahin m\u00fcssten die Renovierungsarbeiten abgeschlossen sein.<\/p>\n<p>Der heutige Parlamentspalast in Bukarest hie\u00df fr\u00fcher \u201eHaus des Volkes\u201c, wurde vom Volk selbst jedoch als \u201eHaus des Sieges \u00fcber das Volk\u201c bezeichnet. Verbaut wurden 700.000 Tonnen Stahl, 550.000 Tonnen Zement und 1 Million Kubikmeter Marmor. F\u00fcr den Bau des zweitgr\u00f6\u00dften Verwaltungsgeb\u00e4udes der Welt lie\u00df Ceausescu die Bev\u00f6lkerung buchst\u00e4blich hungern. Von 1983 bis 1989 nach seinen Vorstellungen errichtet, wurde der Palast erst 1997, sozusagen posthum, fertig gestellt. Etwa ein Drittel des Stadtzentrums, sechs Synagogen und 22 Kirchen wurden daf\u00fcr dem Erdboden gleich gemacht oder versetzt. 40.000 Wohnungen wurden zwangsger\u00e4umt. Geschichte wurde \u00fcberschrieben, Urbanisierung um jeden Preis vorangetrieben.<br \/>\nDas Geb\u00e4ude ist der steingewordene Gr\u00f6\u00dfenwahn eines ehemaligen Schusterjungen, der als Staatschef seine Allmachtsfantasien auslebte und per Handzeichen ganze Strassenz\u00fcge vernichten lassen konnte. Archivaufnahmen zeigen die gigantische Baustelle, wimmelnd von schwer schuftenden Bauarbeitern. Zwischen ihnen stolziert Ceausescu und begutachtet das Treiben.<br \/>\nDer Palast selbst ist so \u00fcberdimensioniert, dass der Mensch sich unweigerlich winzig f\u00fchlt. Noch heute ist das Stadtzentrum Bukarests von Ceausescus Palast wie durchschnitten und vernarbt. Dass die erste demokratisch gew\u00e4hlte Regierung Rum\u00e4niens nahtlos in das Herrschaftsgeb\u00e4ude des totalit\u00e4ren Ceausescu zog, ist nicht unumstritten. Doch trotz aller Erinnerungen an Unterdr\u00fcckung, Entbehrung und Vertreibung beim Bau dieses Palastes der Superlative will man ihn heute in Bukarest nicht mehr missen.<\/p>\n<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t<a ref=\"toggleButton\" class=\"Button\" @click=\"toggle\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<span v-if=\"!active\">mehr lesen<\/span>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<span v-else>weniger lesen<\/span>\n\t\t\t\t\t\t\t\t<\/a>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/read-mode>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t    <\/div>\n<\/section>\n\n<section class=\"block block-button\">\n    <div class=\"container-fluid\">\n\t\t<div class=\"row\">\n            <div class=\"col-xs-12 col-md-offset-2 col-md-8\">\n                <div class=\"box text-align-center\">\n                 \t\t<a href=\"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/programm\/termin\/diskurs\/socialism-goes-global-dualitaet-eines-versuchs-100032\/\" class=\"button-extern\" role=\"button\" target=\"_blank\">\n\t\t<span class=\"button-label\">Auch interessant in Bezug zum Belgrader Palast: Socialism Goes Global \u2013 Dualit\u00e4t eines Versuchs<\/span>\n\t<\/a>\n                <\/div>\n            <\/div>\n        <\/div>\n    <\/div>\n<\/section>\n\n<section class=\"block block-headline block-no-margin \" >\n\t<div class=\"container-fluid\">\n\t\t<div class=\"row\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"col-xs-12 col-md-offset-2 col-md-8\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"box\">\n\t\t\t\t\t\t<h2 class=\".h4\">Partner<\/h2>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/section>\n\n\n\n\n<section class=\"block block-logos\" >\n    <div class=\"container-fluid\">\n\t\t<div class=\"row\">\n\t\t\t<div class=\"col-xs-12 col-sm-8 col-sm-offset-2\">\n\t\t\t\t<div class=\"box\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"row  middle-xs\">\n\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"col-xs-4 col-sm-3 col-sm-2\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"box margin-sixth-top\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" alt=\"ARTE\" src=\"https:\/\/www.humboldtforum.org\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/SHF_eb00174932.jpg\" style=\"display: inline-block; 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