{"id":1264,"date":"2020-05-25T13:35:00","date_gmt":"2020-05-25T11:35:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/?post_type=magazine-article&#038;p=1264"},"modified":"2021-05-25T15:07:35","modified_gmt":"2021-05-25T13:07:35","slug":"mehrdeutigkeit-gehoert-zu-unserer-dna","status":"publish","type":"magazine-article","link":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/magazin\/artikel\/mehrdeutigkeit-gehoert-zu-unserer-dna\/","title":{"rendered":"&#8222;Mehrdeutigkeit ist unsere DNA&#8220;"},"content":{"rendered":"<section class=\"block block-html\">\n\t<aside class=\"container-fluid\">\n\t\t<div class=\"row\">\n\t\t\t<div class=\"col-xs-12 col-md-2 like-interactions\" aria-hidden=\"true\">\n\t\t\t\t<like :textbelow=\"true\"  nonce=\"b0eaf2839d\" postid= \"1264\" post-title=\"&#8222;Mehrdeutigkeit ist unsere DNA&#8220;\" count=\"13\"><\/like>\n\n\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<div class=\"col-xs-12 col-md-8\">\n\t\t\t\t<div class=\"copy\"><p itemprop=\"abstract\" class=\"intro\">Im Interview zeichnet Hartmut Dorgerloh, Generalintendant des Humboldt Forums, noch einmal die Geschichte der Debatte um das Kreuz auf der Kuppel nach und erkl\u00e4rt die offizielle Position aller Akteure.<\/p><\/copy><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/aside>\n<\/section>\n\n<section class=\"block block-copy\" >\n    <div class=\"container-fluid\">\n\t\t<div class=\"row \">\n            <div class=\"col-xs-12 col-md-offset-2 col-md-8\">\n                <div class=\"box\">\n                    <div class=\"copy\"><h6>Herr Dorgerloh, Ende Mai 2020 wird die Kuppel \u00fcber dem Portal in Richtung Unter den Linden mit der Errichtung der rekonstruierten Laterne und einem Kreuz vollendet. Was ist das Besondere an diesem Ereignis?<\/h6>\n<p><em>Hartmut Dorgerloh<\/em>: Zum einen sind Kuppel, Laterne und Kreuz die am weitesten sichtbaren baulichen Elemente der rekonstruierten Fassade sowie eine k\u00fcnstlerisch-handwerkliche Meisterleistung. Zum anderen haben eben jene Bauteile vor drei Jahren eine gro\u00dfe, \u00f6ffentliche Symbol-Debatte ausgel\u00f6st. Um diese zu erkl\u00e4ren, muss ich etwas weiter ausholen: Im Mai 2017 hat die Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss sich in einer Presseinformation f\u00fcr eine gro\u00dfz\u00fcgige Einzelspende bedankt, die ausschlie\u00dflich f\u00fcr die Rekonstruktion der Kuppel bestimmt war. Diese Mitteilung hat zu einer wochenlangen und sehr leidenschaftlichen, kontroversen Diskussion gef\u00fchrt, in deren Mittelpunkt die Frage stand, wie die Rekonstruktion des Kreuzes an diesem Ort einzuordnen sei. Es haben sich dazu viele Stimmen aus Kunst und Kultur, Politik und Wissenschaft, Architektur und Glaubensgemeinschaften sowie auch von zahlreichen Vertreter*innen der Zivilgesellschaft ge\u00e4u\u00dfert. Vereinfacht gesagt, fand die Diskussion innerhalb von zwei gegen\u00fcberstehenden Pole statt. Die einen sehen das Kreuz als exklusives Zeichen der Christ*innen und nicht von Menschen j\u00fcdischen, muslimischen oder anderen Glaubens, was dem Auftrag des Humboldt Forums als internationale Dialogplattform f\u00fcr globale kulturelle Fragen zuwiderlaufe. Dem entgegneten andere, dass das Kreuz Ausdruck eigener Geschichte und kultureller Herkunft sei, der man sich in der Gegenwart nicht verschlie\u00dfen k\u00f6nne.<\/p>\n<h6>Hat diese Diskussion in das Humboldt Forum hineingewirkt? Wie positionieren sich die Akteure heute hierzu?<\/h6>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich haben wir die \u00f6ffentliche Debatte auch intern offen und transparent weitergef\u00fchrt. Vor einem Jahr hat der Bereich Geschichte des Ortes eine anonyme Umfrage unter den Mitarbeitenden aller Akteure gemacht\u00a0\u2013 es haben 171 Kolleg*innen der Stiftung Preu\u00dfischer Kulturbesitz mit dem Ethnologischen Museum und dem Museum f\u00fcr Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin, der Kulturprojekte Berlin und der Stiftung Stadtmuseum Berlin sowie der Humboldt-Universita\u0308t zu Berlin und der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss teilgenommen. Welche pers\u00f6nliche Haltung gibt es zur Rekonstruktion? Wie wirkt sich die Architektur allgemein auf unsere Arbeit aus? Und wie wird insbesondere die Errichtung des Kreuzes auf der Kuppel bewertet? Als R\u00fccklauf haben wir ein kritisches, differenziertes Meinungsbild erhalten \u2013 das Spektrum reicht von Begeisterung \u00fcber die Rekonstruktion bis zu \u201eFight the Building\u201c. Eine gro\u00dfe Mehrheit aller Mitarbeitenden ist sich bewusst, dass die Rekonstruktion der Fassade mit ihren preu\u00dfisch-monarchischen Symbolen sowie christlichen Inschriften und Zeichen unsere inhaltliche und programmatische Arbeit beeinflusst.<\/p>\n<h6>Hat man aus diesem vielschichtigen Meinungsbild eine gemeinsame Haltung formulieren k\u00f6nnen?<\/h6>\n<p>Auf den ersten Blick erscheint das zwar \u2013 wegen so unterschiedlicher Perspektiven \u2013 schwer m\u00f6glich zu sein, jedoch haben die vier Akteure eben auf Grundlage dieser Umfrage und der Meinungsvielfalt in der \u00d6ffentlichkeit eine gemeinsame Position entwickelt. Dabei erinnern wir an den fraktions\u00fcbergreifenden Beschluss des Deutschen Bundestages aus dem Jahr 2002, in dem man sich f\u00fcr eine historische Rekonstruktion der Fassaden ausgesprochen hat, und dass der Architekturwettbewerb von 2008 in diesem Sinne die Kuppel vorsah. Zu dieser detailgenauen historischen Rekonstruktion geh\u00f6ren eben auch die Inschriften \u00fcber den Portalen und an der Kuppel sowie das gesamte ikonografische Programm mit Adlern, Wappen und Kronen. Zugleich betonen wir, dass das Humboldt Forum ein offener Ort f\u00fcr den weltweiten Austausch von Kultur und Wissenschaften ist \u2013 ein Ort der Diversit\u00e4t und der Diskussion, aber ebenso ein Ort mit einer ganz besonderen Geschichte. In diesem Kontext ist f\u00fcr uns auch die komplexe und nicht widerspruchsfreie Rekonstruktion des Hauses zu sehen \u2013 eine Rekonstruktion, die heute ausschlie\u00dflich st\u00e4dtebaulich und baukulturell begr\u00fcndet ist, und bei der es nie um ein Zeichen f\u00fcr die Wiedereinf\u00fchrung der Monarchie oder f\u00fcr die Dominanz und den Alleinvertretungsanspruch des Christentums ging. Alle Symbole verstehen wir als bauhistorische Zitate, mit denen wir keinerlei inhaltliche oder gar programmatische Aussage f\u00fcr unsere gemeinsame Arbeit im Humboldt Forum verbinden. Sie m\u00fcssen im Kontext ihrer jeweiligen historischen Entstehungssituation interpretiert werden.<\/p>\n<h6>Wie werden Sie in Zukunft mit diesen teils problematischen Zitaten umgehen?<\/h6>\n<p>Diese baulichen Elemente geh\u00f6ren in ihrer Mehrdeutigkeit und Entstehung quasi zur DNA des Humboldt Forums. Wichtig sind Transparenz, Kontextualisierung und Vermittlung. Wir als Bauherrin und die Nutzergemeinschaft des Geb\u00e4udes entwickeln derzeit geeignete Mittel und Ans\u00e4tze, um die historisch entstandenen Aussagen der Kuppel und der Fassade einzuordnen \u2013 mit Publikationen, digitalen Formaten und speziellen Angeboten zur Geschichte des Ortes. Dar\u00fcber hinaus werden wir die Ambiguit\u00e4t der Architektur nutzen, um nicht nur zu Diskussionen \u00fcber die Vielschichtigkeit unserer Welt anzuregen, sondern auch tempor\u00e4re k\u00fcnstlerische Interventionen und Auseinandersetzungen mit den Symbolen am Humboldt Forum zu erm\u00f6glichen. Weder jetzt noch nach der Er\u00f6ffnung des Humboldt Forums findet diese Mehrdeutigkeit ihren Endpunkt. Wir wollen ganz bewusst die Vielstimmigkeit der Positionen zulassen, einordnen und m\u00fcssen das bisweilen auch aushalten. Das ist unser Auftrag und Konzept \u2013 nicht nur in der Frage um Kuppel und Kreuz.<\/p>\n<p><em>Das Interview f\u00fchrte Ralf Hanselle.<\/em><\/p>\n<\/div>\n                <\/div>\n            <\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t    <\/div>\n<\/section>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Interview zeichnet Hartmut Dorgerloh, Generalintendant des Humboldt Forums, noch einmal die Geschichte der Debatte um das Kreuz auf der Kuppel nach und erkl\u00e4rt die offizielle Position aller Akteure.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":5741,"template":"","magazine-topic":[],"magazine-format":[5],"magazine-author":[18],"class_list":["post-1264","magazine-article","type-magazine-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","magazine-format-interview","magazine-author-hartmut-dorgerloh"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-article\/1264","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/magazine-article"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-article\/1264\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5741"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1264"}],"wp:term":[{"taxonomy":"magazine-topic","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-topic?post=1264"},{"taxonomy":"magazine-format","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-format?post=1264"},{"taxonomy":"magazine-author","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-author?post=1264"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}