{"id":1293,"date":"2020-05-25T14:22:00","date_gmt":"2020-05-25T12:22:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/?post_type=magazine-article&#038;p=1293"},"modified":"2021-05-25T14:44:59","modified_gmt":"2021-05-25T12:44:59","slug":"die-wahrheit-der-anderen","status":"publish","type":"magazine-article","link":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/magazin\/artikel\/die-wahrheit-der-anderen\/","title":{"rendered":"Die Wahrheit der Anderen"},"content":{"rendered":"<section class=\"block block-html\">\n\t<aside class=\"container-fluid\">\n\t\t<div class=\"row\">\n\t\t\t<div class=\"col-xs-12 col-md-2 like-interactions\" aria-hidden=\"true\">\n\t\t\t\t<like :textbelow=\"true\"  nonce=\"5477096e3f\" postid= \"1293\" post-title=\"Die Wahrheit der Anderen\" count=\"13\"><\/like>\n\n\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<div class=\"col-xs-12 col-md-8\">\n\t\t\t\t<div class=\"copy\"><p itemprop=\"abstract\" class=\"intro\">Esther Hirsch, theologische Referentin im House of One, \u00fcber Symbole f\u00fcr die globale Gegenwart. Das House of One entsteht in der unmittelbaren Nachbarschaft des Humboldt Forums als ein Haus f\u00fcr drei monotheistische Religionen. Hier wei\u00df man nur zu gut, dass religi\u00f6se Symbole einengen k\u00f6nnen und sucht gerade deshalb nach einem neuen Umgang mit den alten Zeichen.<\/p><\/copy><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/aside>\n<\/section>\n\n<section class=\"block block-copy\" >\n    <div class=\"container-fluid\">\n\t\t<div class=\"row \">\n            <div class=\"col-xs-12 col-md-offset-2 col-md-8\">\n                <div class=\"box\">\n                    <div class=\"copy\"><p>Davidstern, Kreuz, Halbmond \u2013 mit diesen drei Symbolen verbindet jeder etwas. Aber jeder etwas anderes. Mit diesen Zeichen werden die monotheistischen Religionen vermeintlich auf einen Nenner gebracht. Doch es ist ein unm\u00f6gliches Unterfangen, denn die Glaubensgemeinschaften sind nicht einmal innerhalb ihrer Gemeinden einer Meinung.<\/p>\n<p>Und eigentlich sind es auch nicht einmal origin\u00e4r religi\u00f6se Symbole. Der in sich verwobene Stern aus zwei Dreiecken wurde im Laufe der Jahrhunderte von vielen Kulturen belegt, bis die Nationalsozialisten ihn f\u00fcr ihre Zwecke missbrauchten und er sp\u00e4ter erstarkt seinen Platz auf der Flagge Israels fand \u2013 auch hier \u00fcbrigens nicht ohne heftige Diskussionen. Religi\u00f6s gesehen ist die Menora ein sehr viel eindeutiger zuzuordnendes Symbol des Judentums. Auch der Halbmond fand seine Verbreitung insbesondere auf der Flagge des Osmanischen Reiches \u2013 ein sunnitisch gef\u00fchrter Staat. In der islamischen Bildsprache dominiert dagegen die Kalligraphie.<\/p>\n<p>Es sind die Allianzen, die sich zwischen den Machthabern und der jeweiligen Religion schmieden, die diese Symbole verbreiten. Diente der Fisch noch als geheimes Erkennungszeichen unter Christen, stand das Kreuz f\u00fcr den theologischen Inhalt ihrer Religion. N\u00e4chstenliebe und Demut wird vielleicht ein gl\u00e4ubiger Christ sagen, das Sterben und das Leid von Jesus Christus; f\u00fcr viele Nicht- Christen verbindet sich mit diesem das Leid, das im Namen oder unter den Augen der Kirche geschehen ist. Aber es ist nicht nur der pers\u00f6nliche Bezug, den wir sofort herstellen, der r\u00e4umliche ist ein ebenso entscheidender. Der Davidstern in der Synagoge nimmt Bezug auf die j\u00fcdische Geschichte, im s\u00e4kularen Kontext steht er zumeist f\u00fcr den Staat Israel. Wir schlussfolgern vom Kontext des Symbols auf seine Bedeutung. Religi\u00f6se Symbole setzen Akzente. Sie erwecken eine Vorstellung von dem, was oder wer sich dort aufh\u00e4lt, wer erw\u00fcnscht ist. Wer seinen Horizont zu \u00f6ffnen bereit ist, wer in einen ebenb\u00fcrtigen, respektvollen Dialog mit den anderen treten m\u00f6chte, muss mit den Worten Navid Kermanis der Wahrheit des Anderen Raum geben.<\/p>\n<p>Das House of One ist ein solcher Raum. Es erm\u00f6glicht eine zwanglose Begegnung und bietet R\u00fcckzugssph\u00e4ren. Das Konzept beinhaltet einen in keiner Weise gepr\u00e4gten, die restlichen Bereiche verbindenden Begegnungsort, fern von jeglicher religi\u00f6ser Symbolik. So wie das Geb\u00e4ude auch in seiner \u00e4u\u00dferlichen Erscheinung keinen Einfluss auf die Werte des Ankommenden nimmt. Es ist der \u00f6ffentliche Raum &#8211; Pl\u00e4tze und Geb\u00e4ude &#8211; der uns M\u00f6glichkeiten bietet, zu denen jeder ungefragt Zutritt erh\u00e4lt, sich seiner Ebenb\u00fcrtigkeit sicher sein kann. Die Stadtarchitektur pr\u00e4gt unser Denken und Handeln, setzt Zeichen nach au\u00dfen. Sie legt das sichtbare Fundament zur Demokratie. Wer ist \u201ewir\u201c, wer sind \u201edie anderen\u201c \u2013 das soll ein offener, demokratischer Raum nicht belegen. Geb\u00e4ude, deren Zweck es ist, der Gesellschaft als Ganzes zu dienen, brauchen auch in ihrer Erscheinungsform die Offenheit, die religi\u00f6se Symbole widerlegen. Das House of One ist der Religion gewidmet. Aber nicht zum Selbstzweck. Es sucht den Dialog, oder besser: den Austausch. Die Wahrheit des Anderen. Wir selber bestimmen das \u201ewir\u201c, wor\u00fcber wir uns definieren. Wir sind eine pluralistische Gesellschaft, das ist um so viel spannender als Uniformit\u00e4t. Aber nur der, der sich auf den anderen einl\u00e4sst, wird ihn kennenlernen \u2013 und auch selbst wahrgenommen werden. Symbole werden von einer Gruppe gepr\u00e4gt und kennzeichnen unsere Zugeh\u00f6rigkeit. Jeder wei\u00df, ob er sich angesprochen f\u00fchlen kann. F\u00fcgte ich mehrere verschiedene Symbole zusammen, h\u00e4tte ich bestenfalls meine Gruppe vergr\u00f6\u00dfert. Eine Einladung an alle unter Respektierung ihrer Zugeh\u00f6rigkeit bliebe aus. Symbole engen uns ein. Das House of One ist ein Sakralbau. Eine M\u00f6glichkeit, verschiedene Perspektiven der Weltanschauungen kennenzulernen und dabei selbst in seiner eigenen wahrgenommen zu werden. Und verzichtet gerade deshalb auf religi\u00f6s gepr\u00e4gte Symbole.<\/p>\n<p>Von Neugier und Wissensdurst getriebene Menschen wie Humboldt haben es uns vorgemacht: Beobachten, Gedanken machen, Erkenntnisse sammeln \u2013 nicht aufh\u00f6ren, den eigenen Horizont zu erweitern, ohne sich auf den bereits vorhandenen Denkmustern auszuruhen. Da wir bereits als Kinder der Globalisierung jeden Winkel der Erde zu kennen glauben, k\u00f6nnen wir uns wieder der unmittelbaren Umgebung widmen. Wahrscheinlich finden wir hier das Unbekannte: die Menschen, mit denen wir leben. Sie geh\u00f6ren nicht einfach zu den Symbolen, die wir ihnen zuschreiben, Davidstern, Kreuz und Halbmond. Die Diversit\u00e4t innerhalb der Religionen ist unfassbar weit und sch\u00f6n. Wir lesen die Tora jedes Jahr von Neuem und werden niemals aufh\u00f6ren, f\u00fcr uns pers\u00f6nlich Neues zu entdecken. Wer fest in seiner Tradition steht, kann sich in die empathische Welt der anderen begeben. Er wird das Verbindende und das Trennende finden. Beides brauchen wir. In einem gemeinsamen Haus am Petriplatz wird das Licht jeden Raum erf\u00fcllen. Symbolisch kommt es von oben. Aber hier unten sind es wir, die letztendlich den Raum mit Leben f\u00fcllen.<\/p>\n<\/div>\n                <\/div>\n            <\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t    <\/div>\n<\/section>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Esther Hirsch, theologische Referentin im House of One, \u00fcber Symbole f\u00fcr die globale Gegenwart. Das House of One entsteht in der unmittelbaren Nachbarschaft des Humboldt Forums als ein Haus f\u00fcr drei monotheistische Religionen. 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