{"id":1730,"date":"2017-11-03T17:04:00","date_gmt":"2017-11-03T16:04:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/?post_type=magazine-article&#038;p=1730"},"modified":"2020-05-22T17:30:00","modified_gmt":"2020-05-22T15:30:00","slug":"humboldts-kosmos","status":"publish","type":"magazine-article","link":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/magazin\/artikel\/humboldts-kosmos\/","title":{"rendered":"Humboldts Kosmos \u2013 Unsere Welt"},"content":{"rendered":"\n<section class=\"block block-copy-quote\">\n\t<div class=\"container-fluid\">\n\t\t<div class=\"row center-xs\">\n\t\t\t\t\t\t<figure class=\"col-xs-10 col-md-6 quote-copy\">\n\t\t\t\t<div class=\"box\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"container-fluid\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"row\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"col-xs-10 col-xs-offset-1 col-padding-remove\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"box\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<span class=\"icon-zitat quote-copy-icon  no-image\"><\/span>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<blockquote class=\"quote-copy-headline Zitat\">Ideen k\u00f6nnen nur n\u00fctzen, wenn sie in vielen K\u00f6pfen lebendig werden.<\/blockquote>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<figcaption class=\"quote-copy-subline Copyright\">Alexander von Humboldt<\/figcaption>\n\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/figure>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/section>\n\n<section class=\"block block-copy\" >\n    <div class=\"container-fluid\">\n\t\t<div class=\"row \">\n            <div class=\"col-xs-12 col-md-offset-2 col-md-8\">\n                <div class=\"box\">\n                    <div class=\"copy\"><p>Dieser Gedanke Alexander von Humboldts wird ihn getragen haben, als er 1827 im tr\u00fcben Monat November in Berlin eintraf. F\u00fcr mehr als zwanzig Jahre hatte er der preu\u00dfischen Hauptstadt den R\u00fccken gekehrt und in Paris an der Ver\u00f6ffentlichung seiner Schriften gearbeitet. Im Gep\u00e4ck trug er die nahezu vollst\u00e4ndig f\u00fcr den Druck vorbereiteten Tageb\u00fccher und Aufzeichnungen der Amerika-Reise. Gedanklich besch\u00e4ftigten ihn jedoch nicht allein die noch immer lebendig gehaltenen Erinnerungen und Eindr\u00fccke seiner Entdeckungs- und Forschungsexpeditionen, sondern auch ein besonders ehrgeiziges Vorhaben: Er war fest entschlossen, seinen Bruder Wilhelm zu unterst\u00fctzen, um die preu\u00dfische Landeshauptstadt zu einem Wissenschaftszentrum gedeihen zu lassen; und er hatte ganz konkrete Vorstellungen, wie dies gelingen k\u00f6nnte. Zuallererst mussten die Berliner teilhaben an den neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Und um sie f\u00fcr diesen neuen Kosmos der Weltentdeckung begeistern zu k\u00f6nnen, brauchte es zuallererst eine interessierte \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n<p>So wurde die \u00f6ffentliche Vorlesung zum Resonanzraum Alexander von Humboldts \u2013 ein Format, das er ganz bewusst nutzte, um seine Erkenntnisse einem breiten Publikum popul\u00e4rwissenschaftlich verst\u00e4ndlich zu machen. In zwei parallel organisierten Vortragsreihen \u00fcber &#8222;physische Weltbeschreibung&#8220; versammelte er im Wintersemester 1827\/28 ein breites Publikum vor seinem Rednerpult. Ab dem 3. November 1827 bis zum 26. April 1828 hielt er insgesamt 61 Vortr\u00e4ge vor etwa 400 Studenten und Lehrenden in einem der H\u00f6rs\u00e4le der Berliner Universit\u00e4t. Parallel dazu sprach er in 16 Veranstaltungen vor jeweils 1.000 Zuh\u00f6rern in der gro\u00dfen Halle der benachbarten Singakademie \u2013 eine bisher unerreichte Zahl an Teilnehmern. Nicht nur Friedrich Wilhelm III. und sein Sohn, der sp\u00e4tere K\u00f6nig Friedrich Wilhelm IV., waren der Einladung Humboldts gefolgt \u2013 nein, halb Berlin lauschte dessen Vortr\u00e4gen, vom Arbeiter oder dem Handwerksmeister bis hin zum Stadtrat und zur Hofgesellschaft.<\/p>\n<p>Wissenschafts- und kulturgeschichtlich sind diese sogenannten &#8222;Kosmos-Vorlesungen&#8220; Meilensteine. Der Augenzeuge Alexander von Humboldt sprach frei, und er konnte packend erz\u00e4hlen, erstaunliche Zusammenh\u00e4nge herstellen und wissenschaftliche Inhalte poetisch begreiflich machen, wie seine Zeitgenossen best\u00e4tigen. Er verkn\u00fcpfte seine eigenen Forschungen, die Erfahrungen und Erlebnisse der f\u00fcnfj\u00e4hrigen Amerikareise und die neuesten Erkenntnisse der Naturwissenschaften zu einem gro\u00dfen Ganzen. So lie\u00df der Naturforscher Muschelverkalkungen und Sternschnuppen vom Ursprung der Welt berichten. Er sprach von schwarzen L\u00f6chern, fernen Kometen, der vielgesichtigen Sch\u00f6nheit der Natur, wie man sie in den Tropen finden kann, aber auch in den Weiten des Eismeeres. Vom allgemein beschreibenden Naturgem\u00e4lde \u00fcber die &#8222;fernsten Nebelflecken und kreisenden Doppelsterne des Weltraums&#8220; bis hin zu den &#8222;tellurischen Erscheinungen der Geographie der Organismen&#8220;, der &#8222;Pflanzen, Tiere und Menschen-Racen&#8220;, enthalten die mitrei\u00dfenden Forschungsberichte genau das, was Alexander von Humboldt als seine wichtigste und wesentlichste Erkenntnis formuliert hat: die innere Verkettung des Allgemeinen mit dem Besonderen, &#8222;die Natur als ein durch innere Kr\u00e4fte bewegtes und belebtes Ganzes aufzufassen&#8220; \u2013 Jede Lebensform ist Teil eines komplexen Netzwerks.<\/p>\n<p>Alexander von Humboldt war davon \u00fcberzeugt, dass diese tiefgreifende Erkenntnis allen Menschen zug\u00e4nglich ist, unabh\u00e4ngig von der Bildungsstufe. Und so lag ihm viel daran, kostenlosen Zugang zu seinen Lesungen und damit Bildung f\u00fcr alle zu erm\u00f6glichen, insbesondere auch den Frauen, die aus preu\u00dfischen Universit\u00e4ten bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ausgeschlossen waren. Die Miete f\u00fcr den Vorlesungssaal zahlte er aus eigener Tasche. Letztendlich ging der Plan Alexander von Humboldts auf: Seine universale Weltbeschreibung wurde zu einer Sensation; sie bildete den Kern seines letzten gro\u00dfen Werkes, des f\u00fcnfb\u00e4ndigen und unvollendet gebliebenen &#8222;Kosmos&#8220; (1845-62), das mit einer Auflage von \u00fcber 87.000 Exemplaren zum Standardwerk wird. Der Funke des Entdeckergeistes und der forschenden Neugier, &#8222;in vielen K\u00f6pfen lebendig&#8220;, sprang \u00fcber und pr\u00e4gt Berlin als Ort der Wissenschaft bis heute.<\/p>\n<\/div>\n                <\/div>\n            <\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t    <\/div>\n<\/section>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor fast 200 Jahren pilgerte ganz Berlin in die Vorlesungen Alexander von Humboldts \u2013 ein Vorbild f\u00fcr das Humboldt Forum<\/p>\n","protected":false},"featured_media":1962,"template":"","magazine-topic":[111],"magazine-format":[],"magazine-author":[15],"class_list":["post-1730","magazine-article","type-magazine-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","magazine-topic-humboldt-brueder","magazine-author-neil-macgregor"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-article\/1730","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/magazine-article"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-article\/1730\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1962"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1730"}],"wp:term":[{"taxonomy":"magazine-topic","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-topic?post=1730"},{"taxonomy":"magazine-format","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-format?post=1730"},{"taxonomy":"magazine-author","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-author?post=1730"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}