{"id":21205,"date":"2021-04-28T14:10:00","date_gmt":"2021-04-28T12:10:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/?post_type=magazine-article&#038;p=21205"},"modified":"2024-02-16T14:50:20","modified_gmt":"2024-02-16T13:50:20","slug":"editorial-eine-welt-in-der-kolonialitaet-nicht-mehr-moeglich-ist","status":"publish","type":"magazine-article","link":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/magazin\/artikel\/editorial-eine-welt-in-der-kolonialitaet-nicht-mehr-moeglich-ist\/","title":{"rendered":"Editorial"},"content":{"rendered":"<section class=\"block block-html\">\n\t<aside class=\"container-fluid\">\n\t\t<div class=\"row\">\n\t\t\t<div class=\"col-xs-12 col-md-2 like-interactions\" aria-hidden=\"true\">\n\t\t\t\t<like :textbelow=\"true\"  nonce=\"e89ca79ecc\" postid= \"21205\" post-title=\"Editorial\" count=\"22\"><\/like>\n\n\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<div class=\"col-xs-12 col-md-8\">\n\t\t\t\t<div class=\"copy\"><p itemprop=\"abstract\" class=\"intro\">Der Bau von Schl\u00f6ssern demonstriert Macht. Hinter der Teilrekonstruktion des historischen Berliner Schlosses stand laut ihren Initiator*innen auch die Macht zur Reparatur des Stadtraums und dessen historischer Zusammenh\u00e4nge. F\u00fcr viele Menschen heute steht die Architektur jedoch f\u00fcr eine Glorifizierung der imperialen Vergangenheit Berlins als Hauptstadt Preu\u00dfens und des Deutschen Reichs.<\/p><\/copy><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/aside>\n<\/section>\n\n<section class=\"block block-copy\" >\n    <div class=\"container-fluid\">\n\t\t<div class=\"row \">\n            <div class=\"col-xs-12 col-md-offset-2 col-md-8\">\n                <div class=\"box\">\n                    <div class=\"copy\"><p>In Zukunft werden in diesem neu entstandenen Raum im Herzen Berlins, dem Humboldt Forum, Menschen aufeinandertreffen, Debatten gef\u00fchrt und Bilder \u00f6ffentlichen Lebens entstehen. Dies wird auch unter dem Eindruck der Form und Symbolik des Geb\u00e4udes geschehen. Mit seiner Architektur, seiner Benennung nach den Br\u00fcdern Wilhelm und Alexander von Humboldt sowie den im Humboldt Forum k\u00fcnftig ausgestellten Objekten aus s\u00e4mtlichen Kontinenten treten verschiedene Geschichten miteinander in Beziehung: Geschichten von Macht und Wissen, Bildung und Kultur als Teil der Stadt und als Teil der Welt, der proklamierten Weltoffenheit seiner Namensgeber, Geschichten der Kulturen, die unter seinem Dach versammelt sind sowie die ihrer Zeugnisse und derer Wege dorthin. Diese Geschichten verbinden das Humboldt Forum auch mit Unrecht und Schmerz, die durch preu\u00dfische, deutsche und europ\u00e4ische Machtaus\u00fcbung Menschen weltweit \u00fcber Jahrhunderte hinweg zugef\u00fcgt wurden und die bis heute pr\u00e4sent sind. Das Humboldt Forum ist so nicht nur ein Symbol der Macht, es ist auch eines der Ohnmacht, eines des Verlusts der Hoheit \u00fcber den eigenen K\u00f6rper, das eigene Leben, die eigene Vergangenheit.<\/p>\n<\/div>\n                <\/div>\n            <\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t    <\/div>\n<\/section>\n\n<section class=\"block block-copy\" >\n    <div class=\"container-fluid\">\n\t\t<div class=\"row \">\n            <div class=\"col-xs-12 col-md-offset-2 col-md-8\">\n                <div class=\"box\">\n                    <div class=\"copy\"><h3>Kolonialismus und Kolonialit\u00e4t<\/h3>\n<p>Die rekonstruierten Fassaden der einstigen Hohenzollernresidenz stehen also nicht nur f\u00fcr eine architektonische und st\u00e4dtebauliche Leistung. Sie erinnern an die historischen Bedingungen des Reichtums, untrennbar verbunden mit einer seiner Quellen, der Ausbeutung von Kolonien und den in ihnen lebenden Menschen. Die Geschichte der ehemaligen Machthaber an diesem Ort ist auch die von kolonialer Herrschaft, von Genoziden wie dem an den Herero und Nama, dem Handel mit versklavten Schwarzen Menschen, auch die von global agierenden Handelsreisenden und bewaffneten Milizen, Missionar*innen des christlichen Glaubens, Forscher*innen und Kunstr\u00e4uber*innen.<\/p>\n<p>Die Sammlungen des Ethnologischen Museums und des Museums f\u00fcr Asiatische Kunst sowie die der Humboldt Universit\u00e4t haben Urspr\u00fcnge in kolonialer Zeit und beruhen auf kolonialen Praktiken des Sammelns und der Produktion und Verbreitung von Wissen. Die Objekte aus diesen Sammlungen, die in den Ausstellungen des Humboldt Forums pr\u00e4sentiert werden, sind nicht nur Zeugnisse von Kulturgeschichte in vielen Regionen der Welt, sondern auch Zeichen kolonialer Kontinuit\u00e4ten. Ein erheblicher Teil der Objekte wurde von europ\u00e4ischen Reisenden, Missionar*innen, Kolonialverwaltern und Milit\u00e4rs mit der Macht ihrer Autorit\u00e4t oder mit physischer Gewalt ihren Besitzenden entwendet, in ungleichen Handelsbeziehungen erworben, unter Missachtung ihrer sozialen Funktionen und ihrer gesellschaftlichen Bedeutung aus ihren urspr\u00fcnglichen Zusammenh\u00e4ngen entfernt, oder in Raubgrabungen aus der Erde geholt. Basierend auf kolonialen und rassistischen Denkmustern wurden sie mit Fremdzuschreibungen versehen, deren Macht auch heute noch die Vorstellungen von Leben und Kultur der Menschen pr\u00e4gt, denen die Objekte geh\u00f6rten. Diese Zeichen der Kolonialit\u00e4t wird das Humboldt Forum so leicht nicht loswerden.<\/p>\n<\/div>\n                <\/div>\n            <\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t    <\/div>\n<\/section>\n\n<section class=\"block block-copy\" >\n    <div class=\"container-fluid\">\n\t\t<div class=\"row \">\n            <div class=\"col-xs-12 col-md-offset-2 col-md-8\">\n                <div class=\"box\">\n                    <div class=\"copy\"><h3>Werden<\/h3>\n<p>Das Feature \u2026 eine Welt, in der Kolonialit\u00e4t nicht mehr m\u00f6glich ist.\u201c soll ein Bewusstsein schaffen f\u00fcr Strukturen der Kolonialit\u00e4t, die im Humboldt Forum und seinen gesellschaftlichen Bez\u00fcgen pr\u00e4sent sind, und Wege suchen, diese zu ver\u00e4ndern. Die kontinuierliche Erweiterung des Features ist als Prozess zu verstehen, in dem ein Augenmerk auf die fortdauernden Traumata und Verletzungen gerichtet wird, die der Kolonialismus in den Gesellschaften der Gegenwart verursacht. Dabei gilt es die Paradoxien anzunehmen, die das Humboldt Forum ausmachen: Etwa die, ein Ort zu sein, an dem die Welt pr\u00e4sent ist, und von dem sich viele Menschen nicht repr\u00e4sentiert sehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Utopie einer Welt, in der Kolonialit\u00e4t nicht mehr m\u00f6glich ist, erw\u00e4chst aus der gemeinsamen Verst\u00e4ndigung \u00fcber die Bedingungen der Gegenwart, in der die (Un)Abh\u00e4ngigkeiten der Sichtweisen und Strukturen sichtbar und eine Welt in Bewegung wahrnehmbar werden. F\u00fcr das Humboldt Forum leitet sich hieraus der Auftrag ab, in einem kontinuierlichen und zunehmend kollektiven Prozess zu einem Ort zu werden, der sich seiner eigenen Verwobenheit in globale Verflechtungen stellt. Ein Ort, der Raum f\u00fcr Auseinandersetzung mit den vielf\u00e4ltigen eigenen sowie den lokalen, nationalen und globalen Auspr\u00e4gungen von Kolonialit\u00e4t bietet. Ein Ort, der die in ihm gezeigten Objekte und die in ihm sprechenden Stimmen als Gegenerz\u00e4hlungen zu von Kolonialit\u00e4t gepr\u00e4gten Geschichten h\u00f6rbar macht.<br \/>\nEin Ort unter vielen Orten der Welt, an dem Wege f\u00fcr die Reparatur globaler Beziehungen und des Zusammenlebens gefunden werden. Im besten Fall nicht nur ein Schloss, sondern auch ein Schl\u00fcssel.<\/p>\n<\/div>\n                <\/div>\n            <\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t    <\/div>\n<\/section>\n\n<section class=\"block block-copy block-no-margin\" >\n    <div class=\"container-fluid\">\n\t\t<div class=\"row \">\n            <div class=\"col-xs-12 col-md-offset-2 col-md-8\">\n                <div class=\"box\">\n                    <div class=\"copy\"><h3>Die Redaktionsgruppe stellt sich vor<\/h3>\n<p>Das Redaktionsteam des Magazin-Features \u201eEine Welt, in der Kolonialit\u00e4t nicht mehr m\u00f6glich ist\u2026\u201c setzt sich zusammen aus Vertreter*innen aller Akteure des Humboldt Forums. Als eigenst\u00e4ndiges und unabh\u00e4ngiges Team verantworten wir die redaktionelle Ausrichtung. Dazu geh\u00f6rt die Wahl von zu behandelnden Fragen im Themenfeld Kolonialismus und Kolonialit\u00e4t mit oder auch ohne Bez\u00fcge zum Humboldt Forum, seinen Akteuren und der gesellschaftlichen Rolle der Institution. Als Redaktionsteam sehen wir unsere Aufgabe darin, im Rahmen des Features Inhalte und Formate vorzuschlagen und Anreize zur kritischen Reflexion zu schaffen. Wir freuen uns \u00fcber Beitr\u00e4ge, die diverse Positionen und Hintergr\u00fcnde reflektieren. Auch Mitarbeitende des Humboldt Forums und seiner Akteure sind als Beitragende willkommen. Beitr\u00e4ge mit rassistischen, sexistischen und anderweitig diskriminierenden Inhalten lehnen wir grunds\u00e4tzlich ab.<\/p>\n<p><strong>Personen im Redaktionsteam:<\/strong><\/p>\n<p>Andrea Scholz ist Kuratorin f\u00fcr transkulturelle Zusammenarbeit im Ethnologischen Museum und Museum f\u00fcr Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin.<\/p>\n<p>Brenda Spiesbach ist kuratorische Mitarbeiterin in der Stiftung Stadtmuseum Berlin und dort schwerpunktm\u00e4\u00dfig f\u00fcr BERLIN GLOBAL mitverantwortlich.<\/p>\n<p>David Blankenstein ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss im Bereich Ausstellungen.<\/p>\n<p>Irene Hilden ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Centre for Anthropological Research on Museums and Heritage (CARMAH) an der Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin. Von 2021 bis 2022 war sie Mitglied des Redaktionsteams.<\/p>\n<\/div>\n                <\/div>\n            <\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t    <\/div>\n<\/section>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Feature \u201e\u2026 eine Welt, in der Kolonialit\u00e4t nicht mehr m\u00f6glich ist.\u201c soll ein Bewusstsein schaffen f\u00fcr Strukturen der Kolonialit\u00e4t, die im Humboldt Forum und seinen gesellschaftlichen Bez\u00fcgen pr\u00e4sent sind, und Wege suchen, diese zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":123323,"template":"","magazine-topic":[],"magazine-format":[220],"magazine-author":[],"class_list":["post-21205","magazine-article","type-magazine-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","magazine-format-editorial"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-article\/21205","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/magazine-article"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-article\/21205\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":70104,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-article\/21205\/revisions\/70104"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/123323"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21205"}],"wp:term":[{"taxonomy":"magazine-topic","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-topic?post=21205"},{"taxonomy":"magazine-format","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-format?post=21205"},{"taxonomy":"magazine-author","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-author?post=21205"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}