{"id":3829,"date":"2020-05-25T13:25:00","date_gmt":"2020-05-25T11:25:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/?post_type=magazine-article&#038;p=3829"},"modified":"2021-05-25T15:34:52","modified_gmt":"2021-05-25T13:34:52","slug":"ein-zeichen-der-versoehnung","status":"publish","type":"magazine-article","link":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/magazin\/artikel\/ein-zeichen-der-versoehnung\/","title":{"rendered":"Ein Zeichen der Vers\u00f6hnung"},"content":{"rendered":"<section class=\"block block-html\">\n\t<aside class=\"container-fluid\">\n\t\t<div class=\"row\">\n\t\t\t<div class=\"col-xs-12 col-md-2 like-interactions\" aria-hidden=\"true\">\n\t\t\t\t<like :textbelow=\"true\"  nonce=\"54851fb55a\" postid= \"3829\" post-title=\"Ein Zeichen der Vers\u00f6hnung\" count=\"16\"><\/like>\n\n\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<div class=\"col-xs-12 col-md-8\">\n\t\t\t\t<div class=\"copy\"><p itemprop=\"abstract\" class=\"intro\">Wilhelm von Boddien, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des F\u00f6rdervereins f\u00fcr den Wiederaufbau des Berliner Schlosses, spricht im Interview \u00fcber Rekonstruktionen, Weglassungen und offene Finanzierungsfragen.<\/p><\/copy><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/aside>\n<\/section>\n\n<section class=\"block block-copy\" >\n    <div class=\"container-fluid\">\n\t\t<div class=\"row \">\n            <div class=\"col-xs-12 col-md-offset-2 col-md-8\">\n                <div class=\"box\">\n                    <div class=\"copy\"><h6>Herr von Boddien, im Mai 2020 wird ein Kreuz als eine der letzten gro\u00dfen Bauma\u00dfnahmen auf die Kuppel \u00fcber dem Portal III des Humboldt Forums im Berliner Schloss montiert werden. In der christlichen Ikonografie ist das Kreuz zun\u00e4chst vor allem Symbol von Tod und Auferstehung. In gewisser Weise ersteht mit diesem Kreuz ja auch die historische Schlossfassade endg\u00fcltig wieder auf. Sie selbst haben sich diesem Vorhaben seit gut 18 Jahre aktiv verschrieben. H\u00e4tten Sie am Anfang damit gerechnet, dass aus diesem Glauben einmal eine handfeste Realit\u00e4t werden w\u00fcrde?<\/h6>\n<p><em>Wilhelm von Boddien:<\/em>\u00a0Dem Schlossprojekt habe ich mich bereits im Jahr 1961 verschrieben. Aber damals baute die DDR gerade die Mauer. So blieb die Idee nur ein Traum \u2013 bis\u00ad 1989. Und seitdem, also eigentlich schon seit \u00fcber 30 Jahren, arbeiten meine Freunde und ich intensiv an der Verwirklichung unserer Idee. Das ist \u00fcber die Jahre tats\u00e4chlich vom Hobby zu einer Lebensaufgabe f\u00fcr mich geworden. So etwas sollte man nicht machen, wenn man nicht fest an den Erfolg glaubt, um dann mit viel Intuition Wege zu finden, diesen Traum auch zu realisieren.<\/p>\n<h6>Die Rekonstruktion der Fassade folgt in wesentlichen Teilen den historischen Vorgaben von Schl\u00fcter aus der Zeit des Barock. Warum hat man sich dann dazu durchgerungen, auch die Kuppel nebst Laterne und Kreuz aus dem sp\u00e4teren 19. Jahrhundert zu rekonstruieren? Man h\u00e4tte diese unter Friedrich-Wilhelm IV. hinzugef\u00fcgte Erg\u00e4nzung ja auch weglassen k\u00f6nnen.<\/h6>\n<p>Die Rekonstruktion eines verlorenen Baudenkmals muss sich am letzten Blick auf das Geb\u00e4ude orientieren. L\u00e4sst man etwas weg, kann man dies leicht als Zensur gegen unliebsame Attribute ansehen. So entz\u00fcndete sich der Streit vor zwei Jahren gerade auch daran: Viele wollten das Kreuz weglassen \u2013 dass aber geht nicht bei einem solchen Vorhaben. Man \u00f6ffnete dann sofort auch anderen Weglassungen T\u00fcr und Tor, und man wird leicht angreifbar. Hier gilt der Grundsatz: \u201eSchwanger oder nicht schwanger; ein bisschen schwanger geht nicht\u201c.<\/p>\n<h6>Die Schlosskapelle nebst Kreuz ist in den 1840er Jahren durch den Architekten Friedrich August St\u00fcler hinzugef\u00fcgt worden &#8211; ein Umstand, der in den zur\u00fcckliegenden Jahren eben auch zu der von Ihnen erw\u00e4hnten Kritik gef\u00fchrt hat; kann man diese sakrale Aufladung aus der Mitte des 19. Jahrhunderts doch auch als Kritik an der 1848er-Revolution und als bewusstes Symbolprogramm f\u00fcr das \u201eGottesgnadentum&#8220; der Preu\u00dfischen K\u00f6nige interpretieren. Wie wichtig sind solche historischen Einbettungen bei der Rekonstruktion von geschichtstr\u00e4chtigen Geb\u00e4uden?<\/h6>\n<p>Ich halte sie f\u00fcr herbeigesucht, um so die Rekonstruktion solcher symbolhaften Teile zu verhindern. Die Planung der Kuppel ist \u00e4lter als die Revolution. Die Kuppel war bereits im Bau, als die Unruhen 1848 in Berlin begannen. Das kann man auf zeitgen\u00f6ssischen Kupferstichen erkennen. Somit liegt der Beschluss auch f\u00fcr das Kreuz zeitlich vor der Revolution; es ging ja auch darum, unter der Kuppel eine gro\u00dfe christliche Schlosskappelle zu errichten. Auch die von ihnen genannten Deutungen spiegeln unsere Geschichte wider; und die bleibt, auch wenn man sie durch Weglassungen verdr\u00e4ngen wollte. Gerade bei einem der Weltkulturen gewidmeten Geb\u00e4ude wie dem Humboldt Forum besteht \u00fcber das Symbol des Kreuzes eine wunderbare Chance, dessen eigentlich urchristliche \u00a0Bedeutung wieder hervorzuheben. Das Kreuz steht f\u00fcr den Tod Jesu, der freiwillig die wohl brutalste Todesstrafe der Antike auf sich genommen hat. Zuvor hatte der selbe Mann in der Bergpredigt sein Verm\u00e4chtnis mit acht Seligpreisungen formuliert, die besser als alle anderen Botschaften die Liebe zu den Menschen, die Demut und die christlichen Verhei\u00dfungen formulieren. Mehr N\u00e4chstenliebe geht nicht! Meiner Meinung nach symbolisiert gerade das Kreuz auf der Kuppel diese Einstellung und ruft die Kulturen der Welt zur Vers\u00f6hnung auf.<\/p>\n<p>Aber ich verstehe auch, dass das Kreuz in seiner heutigen atheistischen Deutung f\u00fcr viele Menschen ein Symbol f\u00fcr Krieg und Machtmissbrauch ist. Seine Botschaft und seine Autorit\u00e4t ist von den Herrschenden missbraucht worden, die ihre eigenen Interessen damit verbunden haben. Nicht Jesus, sondern Herrscher, Diktatoren und sogar Demokraten haben Gottes Segen f\u00fcr Ihre \u201egerechten Kriege\u201c herbeigefleht. Mit dem Kreuzeszeichen wurden Kanonen gesegnet und dann Menschen in m\u00f6rderische Schlachten geschickt. So sollte das Kreuz auf der Kuppel des Humboldt Forums, wenn man es nicht nur aus denkmalgerechter Sicht betrachtet, auch als Ermahnung an alle V\u00f6lker zu mehr Frieden und N\u00e4chstenliebe verstanden werden. Es t\u00e4te gerade auch dem Westen gut, diese Mahnung im Umgang mit anderen V\u00f6lkern zu verstehen.<\/p>\n<h6>In die Kugel unter dem Kreuz sollen bei der Errichtung verschiedene Zeitdokumente eingebracht werden. K\u00f6nnen Sie verraten, um was f\u00fcr Dokumente es sich dabei handeln wird?<\/h6>\n<p>Nach meiner Kenntnis werden Baupl\u00e4ne, M\u00fcnzen, eine Tageszeitung sowie unser \u201eBerliner Extrablatt\u201c vom Sp\u00e4tsommer 2002 eingebracht werden. Dieses enthielt damals eine komprimierte Geschichte des Schlosses, den Bericht \u00fcber die entscheidende Bundestagsdebatte vom 4. Juli 2002 und einem Ausblick auf die Aufgaben des kommenden Humboldt Forums im Berliner Schloss.<\/p>\n<h6>Unz\u00e4hlige Elemente &#8211; so auch die Laterne und das Kreuz &#8211; sind einzig durch gro\u00dfz\u00fcgige Einzelspenden m\u00f6glich geworden. Gibt es noch immer Bauelemente oder Figuren, deren Rekonstruktion auf das Engagement von engagierten Spendern wartet?<\/h6>\n<p>Ja, es fehlen noch fast sechs Millionen Euro Restfinanzierung f\u00fcr die bereits fertig gebauten Fassaden und die Kuppel. Nun kommen noch weitere neun Millionen hinzu, die zuvor noch nicht eingeplant waren. Sie sind f\u00fcr die Kunstwerke, die nicht Bestandteil der Statik des Mauerwerks sind und die von daher auch nachtr\u00e4glich hinzugef\u00fcgt werden k\u00f6nnen. Dazu z\u00e4hlen die Balustradenfiguren auf den Schlossfassaden und der Kuppel, sowie der historisch getreue Ausbau der Portaldurchg\u00e4nge an der Lustgartenseite. Aber dar\u00fcber sollten wir nicht die einmalige Spendenbereitschaft der unz\u00e4hligen Menschen in Deutschland und im Ausland vergessen, die f\u00fcr das Schloss bereits ihren Beitrag geleistet haben. Ihnen geb\u00fchrt unser tiefster Dank und Respekt!<\/p>\n<\/div>\n                <\/div>\n            <\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t    <\/div>\n<\/section>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wilhelm von Boddien, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des F\u00f6rdervereins f\u00fcr den Wiederaufbau des Berliner Schlosses, spricht im Interview \u00fcber Rekonstruktionen, Weglassungen und offene Finanzierungsfragen.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":4170,"template":"","magazine-topic":[],"magazine-format":[20],"magazine-author":[174],"class_list":["post-3829","magazine-article","type-magazine-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","magazine-format-kommentar","magazine-author-wilhelm-von-boddien"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-article\/3829","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/magazine-article"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-article\/3829\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4170"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3829"}],"wp:term":[{"taxonomy":"magazine-topic","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-topic?post=3829"},{"taxonomy":"magazine-format","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-format?post=3829"},{"taxonomy":"magazine-author","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-author?post=3829"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}