{"id":556,"date":"2020-02-03T12:22:00","date_gmt":"2020-02-03T11:22:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/?post_type=magazine-article&#038;p=556"},"modified":"2021-05-26T06:33:13","modified_gmt":"2021-05-26T04:33:13","slug":"wir-mussen-schloss-und-palast-erklaren","status":"publish","type":"magazine-article","link":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/magazin\/artikel\/wir-mussen-schloss-und-palast-erklaren\/","title":{"rendered":"\u201eWir m\u00fcssen Schloss und Palast erkl\u00e4ren\u201c"},"content":{"rendered":"<section class=\"block block-html\">\n\t<aside class=\"container-fluid\">\n\t\t<div class=\"row\">\n\t\t\t<div class=\"col-xs-12 col-md-2 like-interactions\" aria-hidden=\"true\">\n\t\t\t\t<like :textbelow=\"true\"  nonce=\"9b3a31958c\" postid= \"556\" post-title=\"\u201eWir m\u00fcssen Schloss und Palast erkl\u00e4ren\u201c\" count=\"19\"><\/like>\n\n\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<div class=\"col-xs-12 col-md-8\">\n\t\t\t\t<div class=\"copy\"><p itemprop=\"abstract\" class=\"intro\">Das Humboldt Forum steht in der Nachfolge zweier ikonischer Bauten der Berliner Geschichte: Schloss und Palast der Republik. Jetzt ist der Neubau nahezu vollendet. Dort sollen viele Kulturen der Welt einen neuen Ort bekommen und zugleich die Geschichte des Ortes erlebbar sein. Hartmut Dorgerloh, Generalintendant des Humboldt Forums, spricht \u00fcber die komplexe Aufgabe.<\/p><\/copy><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/aside>\n<\/section>\n\n<section class=\"block block-copy\" >\n    <div class=\"container-fluid\">\n\t\t<div class=\"row \">\n            <div class=\"col-xs-12 col-md-offset-2 col-md-8\">\n                <div class=\"box\">\n                    <div class=\"copy\"><div class=\"_3ycPYXzeZR _1tqB__nJIV\">\n<h6>Berliner Zeitung: Herr Dorgerloh, Sie sind Ost-Berliner. Wie erinnern Sie sich an den Palast der Republik?<\/h6>\n<p>Hartmut Dorgerloh: Ich habe von 1982 bis 1987 an der Humboldt-Uni studiert und danach ganz in der N\u00e4he gearbeitet, im Institut f\u00fcr Denkmalpflege in der Br\u00fcderstra\u00dfe. In den Vorlesungspausen konnte man in die Bibliothek gehen, ins Museum oder in den Palast der Republik. Da war es warm, hell, die Telefonzellen funktionierten immer, und es gab einen gut sortierten Presseladen. Die gastronomischen Einrichtungen waren \u2013 gemessen am Stipendium \u2013 nicht so g\u00fcnstig. Bei meiner Immatrikulation im Gro\u00dfen Saal trug die \u00fcberwiegende Zahl der Studierenden Blauhemd, nur kleine Gr\u00fcppchen \u2013 von den Theologen, Kunstgeschichtlern und Theaterwissenschaftlern \u2013 trugen keins oder ganz versch\u00e4mt, sodass nur der Kragen rausguckte. Wir waren klar die Minderheit. Der Farbkontrast der blauen Masse in den gelben St\u00fchlen ist mir sehr in Erinnerung. Zu den gro\u00dfen Kulturveranstaltungen bin ich nie gegangen. Was mich interessierte, fand nicht in Mitte und schon gar nicht im Palast der Republik statt. F\u00fcr klassische Musik hatte ich ein Abo im Konzerthaus, und in der aktuellen Kunst und Musik hat mich mehr interessiert, was sich in der alternativen Szene tat \u2013 \u00fcbrigens auch w\u00e4hrend der Zwischennutzung in der asbestfreien Palastruine.<\/p>\n<h6>Inzwischen sind Sie verantwortlich f\u00fcr die Gestaltung dieses Ortes, und man wartet gespannt auf die Er\u00f6ffnung. Wann geht es endlich los?<\/h6>\n<p>Wir sind auf der Zielgeraden. Wir stimmen mit den verschiedenen Beteiligten gerade die Daten ab. Ein konkreter Termin steht noch nicht, aber wir gehen davon aus, dass die Er\u00f6ffnung ab September beginnen kann und in drei Etappen stattfinden wird. Zuerst \u00f6ffnen im Erdgeschoss das Foyer mit dem Veranstaltungsbereich, die Fl\u00e4chen f\u00fcr Sonderausstellungen und die Geschichte des Ortes, der Schl\u00fcterhof und die Passage sowie im ersten Obergeschoss die Berlin-Ausstellung und die Fl\u00e4chen der Humboldt-Universit\u00e4t. Mit Beginn der zweiten Etappe werden in den beiden oberen Etagen die ersten Bereiche mit den Sammlungen des Ethnologischen Museums und des Museums f\u00fcr Asiatische Kunst zug\u00e4nglich. Das wird im zweiten Quartal 2021 sein. Zum Finale, am Jahresende 2021, werden alle Bereiche dieser Sammlungen sowie diverse Wechselausstellungen und damit das ganze Haus zug\u00e4nglich sein.<\/p>\n<h6>Gibt es zum Start ein B\u00fcrgerfest?<\/h6>\n<p>Ja, uns ist ganz wichtig, dann endlich Besucherinnen und Besucher im Haus begr\u00fc\u00dfen zu d\u00fcrfen. Aber man muss klar sagen: Wir sind noch nicht fertig, wenn wir aufmachen. Doch wir wollen das Publikum mitnehmen \u2013 es entsteht ja wirklich ein neues Stadtquartier. Allein der Besuch des Schl\u00fcterhofs, der Eingangshalle und der Passagen! Im Au\u00dfenbereich wird es noch f\u00fcr ein bis zwei Jahre Baustellen geben. Der neue U-Bahnhof Museumsinsel soll 2021\/22 fertig sein.<\/p>\n<h6>Sind im Inneren noch heikle bauliche Probleme aufgetaucht?<\/h6>\n<p>In der finalen Phase gibt es bei so gro\u00dfen und komplexen Bauvorhaben immer etwas, wo es noch hakt. Und es gibt insgesamt im Baugewerbe aktuell Kapazit\u00e4tsprobleme. Es fehlen in vielen Gewerken Fachkr\u00e4fte, und die brauchen nicht nur wir, sondern auch andere. Aber ich bin weiterhin optimistisch.<\/p>\n<h6>Hat sich der Blick auf die ethnologische Sammlung hinsichtlich kolonialer Raubkunst ge\u00e4ndert?<\/h6>\n<p>Ich finde es gut, dass die Diskussion \u00fcber die Zukunft ethnologischer Sammlungen, deren Best\u00e4nde h\u00e4ufig aus kolonialen Kontexten kommen, eine gr\u00f6\u00dfere \u00d6ffentlichkeit erreicht hat. In Fachkreisen wird sie schon l\u00e4nger gef\u00fchrt. Aber es geht dar\u00fcber hinaus um die Frage, wie wir generell mit dem kolonialen Erbe umgehen, nicht nur in den Museen. Was bedeutet Dekolonialisierung f\u00fcr unsere Gesellschaft insgesamt? Das ist ein gro\u00dfes und wichtiges Thema, auch eine Folge der Globalisierung.<\/p>\n<h6>Ist mit R\u00fcckgaben von Objekten zu rechnen?<\/h6>\n<p>Die Berliner Staatlichen Museen haben in diesem Bereich ihre Provenienzforschung verst\u00e4rkt, und die Ergebnisse werden zu weiteren Restitutionen f\u00fchren. Aber es geht um mehr: um Prozesse, die mit allen Beteiligten partnerschaftlich anzugehen sind, zum Beispiel bei gemeinsamen Ausstellungsprojekten oder im Bereich Vermittlung. Wir wollen das Humboldt Forum zu einem Ort machen, an dem diese Prozesse sowie Diskussionen \u00fcber Restitution oder \u00fcber die Rolle von Objekten f\u00fcr die kulturelle Identit\u00e4t stattfinden \u2013 ein Haus der Vielstimmigkeit. So wird es in den entsprechenden Sammlungspr\u00e4sentationen Medienstationen geben, die eine gro\u00dfe Vielfalt aktueller Positionen aufzeigen, zum Beispiel zu den Benin-Bronzen.<\/p>\n<h6>Gibt es ein Objekt, von dem man sich bald verabschieden muss?<\/h6>\n<p>Diese Entscheidung liegt bei den Staatlichen Museen und der Stiftung Preu\u00dfischer Kulturbesitz als Eigent\u00fcmerin der Sammlungen. Und es wird mehr als ein Objekt sein.<\/p>\n<h6>Wie wird es rund um das Humboldt Forum aussehen? Gefallen Ihnen Einheitswippe und Badetreppe vor der Haust\u00fcr?<\/h6>\n<p>Das ist eine sehr sch\u00f6ne Idee, weil es mit etwas Wichtigem zusammenh\u00e4ngt: der besseren Wasserqualit\u00e4t der Spree. Und wir wollen, dass sich dort das einheimische und das touristische Publikum mischen. Ich bin auch sehr gespannt, wie die Diskussion \u00fcber die Gestaltung der anderen Seite der Spree weitergeht \u2013 Stichwort Marx-Engels-Forum. Es l\u00e4uft ein Wettbewerb zur Neugestaltung der Gr\u00fcnanlage, aber ich glaube nicht, dass dies das letzte Wort ist. Es wird sicherlich weitere Diskussionen \u00fcber die Fl\u00e4che geben.<\/p>\n<h6>\u2026 also \u00fcber Heiliggeist-Viertel, Marienviertel \u2026<\/h6>\n<p>Genau.<\/p>\n<h6>Bebauung \u2013 ja oder nein?<\/h6>\n<p>Das h\u00e4ngt von Funktion und Zweck der Stadtr\u00e4ume ab. F\u00fcr mich ist es wichtig, dass es kein rein kommerzieller Ort wird oder nur f\u00fcr Leute, die sich die Gegend finanziell leisten k\u00f6nnen. Ich halte es f\u00fcr notwendig, \u00fcber die st\u00e4dtischen R\u00e4ume zu streiten \u2013 im Sinne von etwas miteinander aushandeln, und nach langen Diskussionen demokratisch getroffene Entscheidungen auch zu akzeptieren und damit zu leben. Das betrifft auch die Umgebung des Humboldt-Forums, wozu auch die sogenannte Einheitswippe geh\u00f6rt.<\/p>\n<h6>Wird man die popul\u00e4re Gl\u00e4serne Blume aus dem Palast der Republik im neuen Haus wiederfinden?<\/h6>\n<p>Zur Frage, ob man die zeigen soll, haben die damals Verantwortlichen in unserer Stiftung ganz aufgeschlossen gesagt: \u201eDas w\u00e4re doch was, gucken wir mal, ob das geht.\u201c Es hat sich dann leider herausgestellt, dass eine Pr\u00e4sentation aus funktionalen, technischen und konzeptionellen Gr\u00fcnden nicht m\u00f6glich ist. Deshalb haben wir vor dreieinhalb Jahren mitgeteilt: Wir haben gepr\u00fcft, es l\u00e4sst sich nicht realisieren \u2013 zumindest nicht f\u00fcr eine dauerhafte Ausstellung.<\/p>\n<h6>Wie wird an den Palast erinnert?<\/h6>\n<p>Wir m\u00fcssen und wollen im Humboldt Forum erkl\u00e4ren, warum gegen\u00fcber im ehemaligen Staatsratsgeb\u00e4ude, auch noch ein St\u00fcck Schloss steckt. Und was es mit dem Palast der Republik auf sich hat. Insofern ist die Erinnerung an die Geschichte des Ortes eine zentrale Aufgabe mit dem Fokus auf das Schloss, den Palast der Republik und das Humboldt Forum selber. Denn in ein paar Jahren wird man erkl\u00e4ren m\u00fcssen, warum dieses so geworden ist, wie es geworden ist und was die Rahmenbedingungen waren. Im Haus wird man \u00fcberall Spuren aus der Geschichte des Ortes finden. Erinnern kann sich aber nicht auf symbolische Handlungen beschr\u00e4nken, also einfach ein St\u00fcck aus jedem Haus auszustellen. Das machen wir auch, aber es geht ebenso um die aktive Auseinandersetzung mit der Geschichte. So pr\u00e4sentieren wir auf einer riesigen Medienwand das ganze Spektrum der Geschichte des Ortes, vom Beginn im Mittelalter \u00fcber das Renaissanceschloss bis zum Bau und Abriss des Palastes der Republik \u2013 einschlie\u00dflich Schlosssprengung, Aufmarschplatz und kultureller Zwischennutzung nach der Schlie\u00dfung 1990.<br \/>\nZurzeit f\u00fchren wir Zeitzeugeninterviews, sammeln Daten, bauen ein Archiv und haben vom Bund Hunderte Einrichtungsgegenst\u00e4nde aus dem Palast \u00fcbernommen. In welcher Weise wir das Material nutzen, h\u00e4ngt auch vom \u00f6ffentlichen Interesse ab. Der Palast hatte ja verschiedene Facetten \u2013 politische und kulturelle.<\/p>\n<h6>Aber die Gl\u00e4serne Blume w\u00e4re doch ein zentrales Objekt, um genau den Facettenreichtum zu zeigen \u2026<\/h6>\n<p>Ich halte nichts davon zu sagen: Wenn ich Thronsessel und Gl\u00e4serne Blume ausstelle, ist das Thema erledigt. Es wird immer eine Auseinandersetzung damit brauchen, was an diesem Ort passiert ist, denn es ist der zentrale Ort dieser Stadt. Die Gl\u00e4serne Blume sollte man auch nicht \u00fcberbewerten, sie ist zwar ein wichtiges St\u00fcck, aber sie steht nicht f\u00fcr den ganzen Palast der Republik. Eine solche Reduzierung widerspr\u00e4che dessen Komplexit\u00e4t und Bedeutung, der wir gerecht werden m\u00fcssen. Wir hoffen daher auch, dass Besucherinnen und Besucher uns an ihren Erinnerungen an den Palast teilhaben lassen. Vielleicht hat der eine oder andere noch ein Objekt aus dem Palast. Auch in unserem Veranstaltungsprogramm wird er eine Rolle spielen.<\/p>\n<h6>Was wird aus dem Palast der Republik nun zu sehen sein?<\/h6>\n<p>Zw\u00f6lf Objekte, im ganzen Haus gut sichtbare \u201eSpuren\u201c, die besonders pr\u00e4sentiert und erkl\u00e4rt werden. Darunter sind gro\u00dfe, bekannte St\u00fccke, zum Beispiel ein Ausschnitt aus Jo Jastrams Bronzerelief \u201eLob des Kommunismus\u201c, Wolfgang Mattheuers Gem\u00e4lde \u201eGuten Tag\u201c, beide im zentralen Treppenhaus zu sehen. Oder ein florales Wandrelief aus Mei\u00dfener Porzellan, das im ehemaligen Palastrestaurant hing. Das wird wieder in einem Restaurant zu sehen sein. Aber auch eine \u00dcberwachungsanlage wird ausgestellt. Und es gibt neue, aktuelle Kunst, so von dem Berliner K\u00fcnstler Tim Tantenroth. Er setzt sich mit der sehr popul\u00e4ren, kupferspiegelnden Fassade auseinander und \u00fcbersetzt diese in ein Wandbild \u2013 ein Beispiel daf\u00fcr, dass sich K\u00fcnstler bis heute vom Palast der Republik inspirieren lassen. Und wir werden das j\u00fcngste St\u00fcck aus der Palast-Geschichte ausstellen, vom M\u00e4rz 1990, eine gl\u00e4serne Wahlurne. Die brauchte man erst nach den ersten freien Wahlen. Es ist gut, dass gerade sie ganz prominent zu sehen sein wird.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n                <\/div>\n            <\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t    <\/div>\n<\/section>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Humboldt Forum steht in der Nachfolge zweier ikonischer Bauten der Berliner Geschichte: Schloss und Palast der Republik. Jetzt ist der Neubau nahezu vollendet. Dort sollen viele Kulturen der Welt einen neuen Ort bekommen und zugleich die Geschichte des Ortes erlebbar sein. 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