{"id":59726,"date":"2022-11-02T14:34:25","date_gmt":"2022-11-02T13:34:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/?post_type=magazine-article&#038;p=59726"},"modified":"2022-11-23T15:57:22","modified_gmt":"2022-11-23T14:57:22","slug":"common-sense","status":"publish","type":"magazine-article","link":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/magazin\/artikel\/common-sense\/","title":{"rendered":"Common Sense"},"content":{"rendered":"<section class=\"block block-copy block-no-margin\" >\n    <div class=\"container-fluid\">\n\t\t<div class=\"row \">\n            <div class=\"col-xs-12 col-md-offset-2 col-md-8\">\n                <div class=\"box\">\n                    <div class=\"copy\"><p>Liebe Aki,<\/p>\n<p>das Visual ist total spannend! Aber ich muss dir sagen, dass die meisten Leute, die unsere Arbeit gesehen haben, sie einfach als ein s\u00fc\u00df-sauer Egal-Gericht auf der Speisekarte abtun. Aber ich m\u00f6chte, dass die Geschichte erz\u00e4hlt wird, dass sie weitergegeben wird, von Hand zu Hand, von Brieftr\u00e4ger zu Brieftr\u00e4gerin, von Post-Mann zu Post-Frau. Deshalb packe ich sie hier mal ins Postskriptum.<\/p>\n<p>xx<\/p>\n<p>p.s. Haar. Schnitt!<\/p>\n<p>Ein Nachmittag im Volkspark am Weinberg.<\/p>\n<p>Ich ging so im Park spazieren und eine entgegenkommende Frau lie\u00df mich nicht aus den Augen. Obwohl das nichts Ungew\u00f6hnliches ist, m\u00f6chte ich normalerweise nicht mit der entsprechenden Person in Kontakt treten. Diesmal kamen mir aber irgendwie doch ein paar Worte aus dem Mund.<\/p>\n<p>Kennen wir uns?<\/p>\n<p><em>Nein. Ich mag deinen Kurzhaarschnitt. Darum habe ich so geschaut.<\/em><\/p>\n<p>Wir mussten beide lachen. Ich erkl\u00e4rte ihr gern, wie meine Fris\u00f6rin das mit dem Schnitt gemacht hat. Sie, zufrieden, mit einem breiten, freundlichen L\u00e4cheln, als wir gerade auseinandergehen wollten: \u201e<em>Haha, wie die Welt sich ver\u00e4ndert hat! Damals haben die Asiaten doch unsere Ideen geklaut. Jetzt m\u00fcssen wir schon von euch klauen!\u201d<\/em><\/p>\n<p>p.p.s.<\/p>\n<p>Ihre beil\u00e4ufige Bemerkung klang in meinen Ohren wie \u201eErbs\u00fcnde\u201c \u2013 das Verbrechen der Urheberrechtsverletzung \u2013 der Wei\u00dfengott-verbotene Biss in die Frucht vom Baum der Erkenntnis. Obacht, Wissen! Was ich aus dem Gespr\u00e4ch mitnahm war die Wissensl\u00fccke zwischen der Neandertalerin in dieser Szene und mir. Diese L\u00fccke zwischen uns hat nichts damit zu tun, dass wir keine gemeinsame Sprache hatten, sondern eher mit Common Sense.<\/p>\n<p>p.p.p.s.<\/p>\n<p>\u201eKritik instrumentalisieren f\u00fcr die Gestaltung einer gerechteren Welt\u201c. Neben dem Call for Contributions des Magazins ist ein gelbes Shirt mit gro\u00dfem <strong><em>Decolonise<\/em><\/strong>\u2013Aufdruck abgebildet.<\/p>\n<p>Wenn wir uns aber die nach dem 2. Weltkrieg dekolonisierten Staaten anschauen, beispielsweise die ehemaligen britischen Kolonien in Asien, ist es nicht sehr \u00fcberzeugend, dass Dekolonialisierung just diesem Zweck gedient hat. Was ist beim Beseitigen des Unrechts schief gelaufen?<\/p>\n<p>Die Kolonisatoren hatten ihre Anwesenheit lange als Zivilisierungsma\u00dfnahme gerechtfertigt. Da Zivilisierung die Befreiung von Unwissenheit und die Abkehr von der Barbarei bedeutet, sind Vernunft und (wissenschaftliche) Rationalit\u00e4t zentrale Elemente des Projekts. Nach diesen Ma\u00dfst\u00e4ben ist das zivilisatorische Projekt noch nicht abgeschlossen.<\/p>\n<p>Im Zeitalter der Information ist selbstgew\u00e4hlte Unm\u00fcndigkeit v\u00f6llig ausgeschlossen. Es geht eher darum, den Mut zu haben, uns das, was wir zu denken glauben, zu eigen zu machen, anstatt dass wir unser Gehirn an Genealogie oder den traditionellen Glauben outsourcen. Wenn wir ein Werkzeug gebrauchen, um unser Umfeld zu gestalten, m\u00fcssen wir vorsichtig sein, dass es auch wirklich ein Werkzeug ist, nicht der Werkzeugkasten drum herum.<\/p>\n<\/div>\n                <\/div>\n            <\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t    <\/div>\n<\/section>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"featured_media":59729,"template":"","magazine-topic":[],"magazine-format":[],"magazine-author":[1573,1572],"class_list":["post-59726","magazine-article","type-magazine-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","magazine-author-agnes-tam","magazine-author-aki-makita"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-article\/59726","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/magazine-article"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-article\/59726\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":62007,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-article\/59726\/revisions\/62007"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/59729"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=59726"}],"wp:term":[{"taxonomy":"magazine-topic","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-topic?post=59726"},{"taxonomy":"magazine-format","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-format?post=59726"},{"taxonomy":"magazine-author","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-author?post=59726"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}