{"id":59851,"date":"2022-11-02T14:29:13","date_gmt":"2022-11-02T13:29:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/?post_type=magazine-article&#038;p=59851"},"modified":"2022-11-23T15:55:49","modified_gmt":"2022-11-23T14:55:49","slug":"the-palace-we-go-to-die-in-von-strafexpeditionen-zu-strafausstellungen","status":"publish","type":"magazine-article","link":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/magazin\/artikel\/the-palace-we-go-to-die-in-von-strafexpeditionen-zu-strafausstellungen\/","title":{"rendered":"The Palace We Go to Die In: von Strafexpeditionen zu Strafausstellungen"},"content":{"rendered":"<section class=\"block block-html\">\n\t<aside class=\"container-fluid\">\n\t\t<div class=\"row\">\n\t\t\t<div class=\"col-xs-12 col-md-2 like-interactions\" aria-hidden=\"true\">\n\t\t\t\t<like :textbelow=\"true\"  nonce=\"e82bed1d08\" postid= \"59851\" post-title=\"The Palace We Go to Die In: von Strafexpeditionen zu Strafausstellungen\" count=\"12\"><\/like>\n\n\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<div class=\"col-xs-12 col-md-8\">\n\t\t\t\t<div class=\"copy\"><p itemprop=\"abstract\" class=\"intro\">\u201eDie Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt aber darauf an, sie zu ver\u00e4ndern.\u201c Mit diesen Worten schloss Karl Marx einst seine 11. These. Mit denselben Worten m\u00f6chte ich hier ein Gespr\u00e4ch er\u00f6ffnen. Erlauben Sie mir aber zun\u00e4chst, ein paar \u00dcberlegungen dar\u00fcber anzustellen, warum ich diesen Text nicht schreiben werde.<\/p><\/copy><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/aside>\n<\/section>\n\n\n<section class=\"block block-audio\">\n\t<div class=\"container-fluid\">\n\t\t<div class=\"row\">\n\t\t\t<div class=\"col-xs-12 col-sm-6 col-md-6 col-md-offset-3\">\n\t\t\t\t<div class=\"box\">\n\t\t\t\t\t\n<audio-player-inline inline-template>\n\t<div>\n\t\t<figure class=\"audio-player\">\n\t\t\t<div class=\"audio-player-row audio-player-top\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t<div>\n\t\t\t\t\t<div class=\"subline audio-player-overline\">Beitrag anh\u00f6ren<\/div>\n\t\t\t\t\t<h5 class=\"audio-player-headline\"><\/h5>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<div class=\"audio-player-row audio-player-center\">\n\t\t\t\t<div ref=\"progress\" class=\"audio-player-progress\" @mousedown=\"dragStart\" @touchstart=\"dragStart\" aria-hidden=\"true\">\n\t\t\t\t\t<button ref=\"pointer\" class=\"audio-player-progress-pointer\" aria-hidden=\"true\"><div class=\"audio-player-progress-pointer-icon\"><\/div><\/button>\n\t\t\t\t\t<div ref=\"bar\" class=\"audio-player-progress-bar\" aria-hidden=\"true\"><\/div>\n\t\t\t\t\t<div class=\"audio-player-progress-bg\" aria-hidden=\"true\"><\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\n\t\t\t<div class=\"audio-player-row audio-player-end\">\n\t\t\t\t<div class=\"subline insignificant audio-player-timer-start\" v-html=\"this.$options.filters.secondsAsTime(time)\" aria-hidden=\"true\">00:00<\/div>\n\n\t\t\t\t<div class=\"audio-player-btns\" :class=\"{ playing: playing }\" @click=\"play\">\n\t\t\t\t\t<button class=\"round-media-button-icon-only audio-player-btns-play\" v-track=\"{category: 'Audio', label: 'https:\/\/www.humboldtforum.org\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Dossier_deutsch-cut-mastered-web.mp3', action: 'Play'}\" aria-label=\"Audio Abspielen\"><span class=\"button-icon icon-play\" aria-hidden=\"true\"><\/span><\/button>\n\t\t\t\t\t<button class=\"round-media-button-icon-only audio-player-btns-pause\" v-track=\"{category: 'Audio', label: 'https:\/\/www.humboldtforum.org\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Dossier_deutsch-cut-mastered-web.mp3', action: 'Pause'}\" aria-label=\"Audio pausieren\"><span class=\"button-icon icon-pause\" aria-hidden=\"true\"><\/span><\/button>\n\t\t\t\t<\/div>\n\n\t\t\t\t<div class=\"subline insignificant audio-player-timer-end\" v-html=\"this.$options.filters.secondsAsTime(end)\" aria-hidden=\"true\">00:00<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\n\t\t\t<audio controls ref=\"audio\">\n\t\t\t\t<source src=\"https:\/\/www.humboldtforum.org\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Dossier_deutsch-cut-mastered-web.mp3\" type=\"audio\/mpeg\">\n\t\t\t\tYour browser does not support the audio element.\t\t\t<\/audio>\n\t\t<\/figure>\n\t\t\t\t<figcaption class=\"\">\n\t\t\t<div class=\"lazy-media-info-body-content\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div>The Palace We Go to Die In: von Strafexpeditionen zu Strafausstellungen; Sprecherin: Jeanne-Ange Wagne <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/figcaption>\n\t\t\t<\/div>\n<\/audio-player-inline>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/section>\n\n<section class=\"block block-copy\" >\n    <div class=\"container-fluid\">\n\t\t<div class=\"row \">\n            <div class=\"col-xs-12 col-md-offset-2 col-md-8\">\n                <div class=\"box\">\n                    <div class=\"copy\"><p><em>Erstens \u2013 hierin liegt die Ironie<\/em> \u2013 ist es, weil das Humboldt Forum vielf\u00e4ltige Formen afrikanischer Geschichte bewahrt und von ihnen profitiert, afrikanische <em>Geschichte<\/em> aber auch auf sehr grundlegende Weise leugnet. Meine erste \u00dcberlegung, diesen Beitrag nicht zu schreiben, ist daher ironischerweise hegelianisch. Aus dramaturgischen Gr\u00fcnden sollte ich wahrscheinlich gar nicht erkl\u00e4ren, warum dies so ph\u00e4nomenal ironisch ist. Sondern ich sollte \u2013 im Interesse der Anschaulichkeit \u2013 warten, bis Sie \u2013 die Stirn in Ackerfurchenfalten gelegt, Verst\u00e4ndnis kultivierend, die Augen ins eigene Sch\u00e4delinnere gerichtet und mit der Hand \u00fcbers Kinn streichend, wie einem pl\u00f6tzlichen Juckreiz folgend \u2013 der Ironie hier gewahr werden. Ich sollte ebenfalls aus gutem Grund darauf eingehen, wie allein die Beschreibung der Position, von der ich annehme, dass Sie sie jetzt einnehmen, bereits eine andere Person ausschlie\u00dft, deren K\u00f6rper vielleicht nicht auf die gleiche Weise funktioniert wie der Ihre. Aus ebendiesem Grund, um niemanden durch vorgefasste Annahmen auszuschlie\u00dfen, werde ich jeden Grund f\u00fcr die Ironie hier gleich unterlaufen: Hegel glaubt[e]<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> nicht, dass Afrika bis zu seinem Kontakt mit Europa eine Geschichte hat[te]. Hier haben wir es, wie \u00fcberall in der Ausstellung des Humboldt Forums zu sehen sein wird, mit den Grenzen der Permanenz zu tun. Museen fu\u00dfen auf der Idee der Permanenz<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> (wie Aim\u00e9 C\u00e9saire bemerkt), um lebendige Kulturen in Form von stagnierenden, s\u00e4uberlich klassifizierten und etikettierten Objekten zu konservieren, die keinem anderen Zweck dienen als der Befriedigung primitivster Neugier, die dann doch nicht \u00fcber das Anschauen hinausgeht. Hier stehen wir angesichts unermesslicher Sch\u00f6nheit, einer in der Vergangenheit und Gegenwart imaginierten, herbei gehofften, viel besprochenen Sch\u00f6nheit, von unbarmherzigen H\u00e4nden gefangen, gefoltert und den Augen einer <em>blinden<\/em> Bewunderung entgegengereckt. Hier erleidet Kultur das schlimmste Unrecht, das man einer Kultur antun kann, n\u00e4mlich, dass man sie einfach nur sch\u00f6n findet, durch bei\u00dfende Chemikalien vergiftet, konserviert und von der Best\u00e4ndigkeit der Zeit in Fesseln gelegt, um allein mit einem: \u201e<em>Oh, wie interessant<\/em>\u201c aufgenommen zu werden. Hier werden Afrikanische Kulturen zu gewaltsam angeeigneten Souvenirs degradiert, in der Zeit eingefroren und unsicher an den endlosen, die Whiteness s\u00e4umenden W\u00e4nden befestigt. \u00dcber genau diesen ableistischen Charakter des Museums und seiner selbstinduzierten Demenz hinaus will dieser Text, den ich nach wie vor nicht schreibe, den kolonialen Charakter der Museen selbst zur Sprache bringen.<\/p>\n<p>Sollte ich ihn aber schreiben, bef\u00fcrchte ich, dass meine Ablehnung gegen\u00fcber der Haltung, das Humboldt Forum sei ein \u201eZentrum\u201c der kolonialen Untersuchung, durch mein Schreiben ungewollt zum Eingest\u00e4ndnis eben dieser Haltung wird, wenn nicht als <em>das,<\/em> dann zumindest als <em>ein<\/em> Zentrum. Hier m\u00f6chte ich \u00dcberlegungen anstellen, inwiefern es sich dabei um eine Kolonisierung des dekolonialen und antikolonialen Diskurses handelt, denn das Humboldt Forum, erbaut auf einem Fundament kolonialer Nostalgie und mit W\u00e4nden, die durch Kolonialit\u00e4t zusammengehalten werden, kann sich in keinster Weise mit Tugendhaftigkeit br\u00fcsten, und zwar weil es nicht nur in hohem Ma\u00dfe vom Kolonialismus profitiert hat, sondern ebenso von einem Diskurs gegen diesen Kolonialismus zu profitieren versucht, gleichzeitig aber die Stimmen, Gesichter und K\u00f6rper derjenigen ausbeutet, die diese Ungerechtigkeit erleiden. Doch in meiner Weigerung, diesen Beitrag zu schreiben, entdeckte ich einen Grund, es doch zu tun, und zwar nicht zuletzt deshalb, weil seine Behauptungen unhinterfragt bleiben, zumindest von mir, sondern auch, weil sich in mir eine weitere Motivation aufgetan hat: Wut. Oder sollte ich lieber Verzweiflung sagen? Und schon, in bester Manier der bestimmten Negation, habe ich einen Beitrag zu schreiben begonnen, indem ich ihn nicht schreibe.<\/p>\n<p>Jemand kritisierte, meine Kritik am Humboldt Forum sei zu emotional. Ich habe das als Erfolg gewertet und feiere diesen Punkt. Ich hoffe, dass mein Beitrag, wenn er \u00fcberhaupt etwas sein soll, immerhin emotional ist. Denn mein Interesse am Humboldt Forum ist nicht blo\u00df wissenschaftlicher Art, nein, es ist sogar ausschlie\u00dflich emotional, voller Emotionen, die ich wissenschaftlich als \u201e<em>intangible feelings of discomfort<\/em>\u201c, als nicht greifbares Unbehagen zu bezeichnen gelernt habe. Wenn \u00fcberhaupt, dann hoffe ich, wird mein Text aller Objektivit\u00e4t entsagen und sich ganz der Subjektivit\u00e4t verschreiben. Wiederum eine Herausforderung an das vom Humboldt Forum praktizierte Reduzieren von Kulturen und Geschichten auf Objekte, die man kaufen und verkaufen, sehen und anfassen kann, ein Reduzieren auf Kunst, das die Zeit anh\u00e4lt, bei dem eben jene Kulturen, von denen Hegel behauptete, sie h\u00e4tten keine Geschichte, gegenw\u00e4rtig sind und genau in diesem Moment aus nichts als Geschichte bestehen, bei dem meine eigene Kultur und die Objekte, aus denen ich Sinn gewinne, auf nichts als den Nachweis einer brutalen Geschichte einer bedauerlichen Begegnung reduziert werden.<\/p>\n<p>Durch also eben jene \u00dcberlegungen und Diskurse \u00fcber die Verbrechen des Humboldt Forums will es sich selbst im Zentrum und als Zentrum etablieren, als Richter seiner eigenen Verbrechen und derer, bei denen es behilflich war und die es herunterspielt. Durch genau jene \u00dcberlegungen, die eigentlich seinen Tod h\u00e4tten herbeif\u00fchren sollen, bezieht es sein Leben. Sogar George Orwell h\u00e4tte keine solche Dystopie schreiben k\u00f6nnen, dabei befinden wir uns weder im Jahr 1984 noch handelt es sich hier um eine Fiktion. Ich halte es nicht f\u00fcr m\u00f6glich, dass mein Beitrag das Humboldt Forum in irgendeiner Weise ersch\u00fcttern wird. Ich habe damit begonnen aufzuzeigen, warum ich ihn nicht schreiben sollte, denn eigentlich handelt es sich hier nicht um einen subversiven Beitrag, eher eine Beschreibung, aber in dieser Beschreibung wird er hoffentlich seine Kraft entfalten. Wenn \u00fcberhaupt, dann handelt es sich hierbei um einen unterw\u00fcrfigen Beitrag. Systeme wie das Humboldt Forum sind sehr wohl in der Lage, \u00fcber sich selbst zu lachen.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Ich schreibe diesen Beitrag also nicht in der Hoffnung, er wird etwas \u00e4ndern, sondern weil es hoffnungslos ist und ich in dieser Hoffnungslosigkeit Mut gefunden habe. Ich bek\u00e4mpfe die Macht mit dem Prekariat der Theorie, dem Elend der Worte und eben jener Hoffnungslosigkeit der \u201eHoffnung\u201c im Angesicht dieses standhaften Systems. Ich bek\u00e4mpfe seine Worte der Macht mit der Macht(losigkeit) der Worte, ein Kampf auf verlorenem Posten, aber im Gegensatz zu Marx habe ich keine Angst vor m\u00fc\u00dfigem Theoretisieren \u2013 tats\u00e4chlich ist es das Einzige, was ich gegen das Humboldt Forum in der Hand habe. Eine \u00dcberlegung f\u00fcr jene, die in dieser \u00f6den Steppe der subalternen Erfahrung leben und sich wie ich immer mal an Marx halten, ist, ob wir \u00fcberhaupt sprechen k\u00f6nnen, denn solange wir das nicht k\u00f6nnen, egal wie m\u00fc\u00dfig unsere Worte sind, k\u00f6nnen wir nichts ver\u00e4ndern. W\u00fcrde ein Sprechen aber nicht wiederum eine Ver\u00e4nderung der Welt bedeuten? W\u00fcrde es nicht eine Frage beantworten, die, wenn \u00fcberhaupt, dann nur rhetorisch geblieben w\u00e4re, und die sich gegen die Systeme erhebt, die das subalterne Denken zum Schweigen bringen?<\/p>\n<p>Das Humboldt Forum scheint sich aus eben jenen Gespr\u00e4chen zu n\u00e4hren, die es eigentlich zerst\u00f6ren sollten. Das mag auf den ersten Blick \u00fcberraschen, ein weiteres Kuriosum. Wenn man sich aber den Kolonialismus genau anschaut, wird man verstehen, dass das Humboldt Forum schon immer wie ein Aasgeier \u2013 verflucht oder gesegnet, je nachdem, auf welcher Seite des Zauns man gerade steht \u2013 sein Leben aus der gewaltigen Leichengrube gesch\u00f6pft hat, die die kolonialen Strafexpeditionen hinterlassen haben. Um <em>lebhafte<\/em> (in der ironischst-m\u00f6glichen Verwendung dieses Wortes) Ausstellungen bieten zu k\u00f6nnen, um im Zentrum der Metropole Berlin bestehen zu k\u00f6nnen und dieses vornehmste der \u201eEurop\u00e4ischen Museen\u201c f\u00fcr Kultur mit Tausenden Besucher*innen zu f\u00fcttern, musste das Humboldt Forum zun\u00e4chst einmal eine Sammlung zusammentragen, die sich auch lohnt. Der Prozess dieses Sammelns durch <em>Strafkriege<\/em>, den das Humboldt Forum als \u201eAmateur-Ethnografie\u201c adelt und damit Soldaten zu Ethnografen macht, brauchte den Tod und das T\u00f6ten von Menschen, um diese Sammlungen zu erzeugen. Tats\u00e4chlich handelt es sich bei einigen der Artefakte um \u201ehuman remains\u201c, menschliche \u00dcberreste. Vermutlich ist es das Gleiche, ein Messer in einen afrikanischen Kopf zu rammen, wie eine Schaufel in den Sand, oder wie sonst k\u00f6nnte eine sogenannte Strafexpedition mit T\u00f6tungen genozidalen Ausma\u00dfes als Amateur-Ethnografie bezeichnet werden? Zur Veranschaulichung dieses Punktes werde ich die unwahrscheinlichste aller Metaphern herbeibem\u00fchen, n\u00e4mlich ein Kartenspiel. Es gibt ein Kartenspiel mit dem treffenden Namen: \u201eMagic. The Gathering\u201c, das hier aufschlussreich sein k\u00f6nnte. Es handelt sich um ein Kartenspiel, bei dem die Spieler*innen in die Rolle von Zauberern und Zauberinnen schl\u00fcpfen, Zauberspr\u00fcche anwenden, Gesch\u00f6pfe heraufbeschw\u00f6ren und magische Artefakte einsetzen, um ihre Gegner*innen zu besiegen. Das Spiel, um das es hier geht, ist der Kolonialismus, die Zauberer sind die Kolonial- und Milit\u00e4rbeamten (die das Humboldt Forum als Amateur-Ethnografen bezeichnet). Und die Zauberspr\u00fcche? Strafexpeditionen (und hier ersetzen wir magisch durch heilig) und die hier erbeuteten \u201eObjekte\u201c, durch die das Humboldt Forum zu einem Ort f\u00fcr anhaltende koloniale Bestrafung wird.<\/p>\n<p>Dies ist jedoch nur eine sehr grundlegende \u00dcberlegung dar\u00fcber, inwiefern das Humboldt Forum aus dem Tod Leben sch\u00f6pft, die oberfl\u00e4chlichste, die man sich denken kann, und zwar trotz der Tatsache, dass der Zugang zu kolonialen Archiven stark eingeschr\u00e4nkt ist. Eine tiefergehende Auswertung bietet Aim\u00e9 C\u00e9saire. Lassen Sie uns also das Humboldt Forum mit ihm lesen: C\u00e9saires Kritik an Museen geht \u00fcber die problematische und gewaltvolle Herkunft einiger der \u201eArtefakte\u201c in ihren Sammlungen hinaus. Jenseits von Eigentumsfragen besch\u00e4ftigt er sich mit den Motiven, die der Gr\u00fcndung von Museen zugrunde liegen: Sind sie wirklich nur aus Neugierde entstanden? Um unseren banalen Eitelkeiten zu schmeicheln? Diese Museen sind seiner Ansicht nach Verk\u00f6rperung der \u201ewestlichen\u201c Hegemonie \u00fcber Geschichte, Ethnografie, Wissenschaft und andere Aspekte des Lebens und Wissens. Seine Kolonialismuskritik entlarvt sodann die Rolle der Museen als Standorte des eurozentrischen Monopols auf die \u00dcber-Repr\u00e4sentation menschlicher Existenz schlechthin. Er kommt zu dem Schluss, dass es besser w\u00e4re, h\u00e4tte es Museen nie gegeben. Der Bedarf an Museen entstand seiner Argumentation zufolge durch die Zerst\u00f6rung von Kulturen und Geschichte und wurde durch das koloniale Unternehmen eingeleitet und beschleunigt. Museen stehen f\u00fcr C\u00e9saire daher f\u00fcr das Versagen Europas, au\u00dfereurop\u00e4isches Denken zu tolerieren, und f\u00fcr die Zerschlagung bl\u00fchenden, dynamischen Lebens in verst\u00fcmmelte und (<em>falsch<\/em>) etikettierte, inventarisierte Teile: der \u201eGigantic Rape\u201c, die kolossale Sch\u00e4ndung des Heiligen. Europ\u00e4er*innen zerst\u00f6ren diese Zivilisationen und unterbinden die Entfaltung ihres wahren Potenzials, und haben im Gegenzug nichts geschaffen, nichts, was der Rede wert w\u00e4re, nichts au\u00dfer dem Befriedigen einer Eitelkeit. Im Lichte dieser Kritik werden Museen nutzlos, wenn sie nicht dazu beitragen k\u00f6nnen, die durch den Kolonialismus zerst\u00f6rten Kulturen wiederzubeleben und dynamische, antikoloniale Kulturen zu schaffen. Daher ist zu \u00fcberlegen: Gibt es wirklich Kulturen, die dazu geschaffen wurden, zu Museumsartefakten zu werden? Wenn ja, welche Kulturen sind f\u00fcr das Museum geschaffen und welche nicht? Selbst wenn wir uns auf ein paar Kulturen einigen k\u00f6nnten, die exklusiv f\u00fcr Museen geschaffen sind, wie sollten wir uns darauf einigen, welche Denkweisen, Arten von Gef\u00fchlen und Betragen, welche Beziehung, in der Menschen mit ihrer Umwelt stehen, damit gemeint sind? Welche Kulturen sollten und k\u00f6nnen Museen besitzen und betreiben? Und wenn es heute hei\u00dft, die Dekolonisierung des Museums habe Priorit\u00e4t, ebenso wie Afrika zu dekolonisieren Priorit\u00e4t habe, sollte man sich fragen: Wurde das Museum je kolonisiert?<\/p>\n<p>Wenn man der Spur des Blutes folgt, liegt daher die \u00dcberlegung nicht fern, dass Museen, w\u00e4hrend sie zwar die Eitelkeiten der europ\u00e4ischen Besucher*innen n\u00e4hren, die die Objekte nur wegen ihrer Sch\u00f6nheit und Exotik sch\u00e4tzen, obgleich deren Pr\u00e4senz im Museum im Zusammenhang mit Pl\u00fcnderung und T\u00f6tung steht, im Grunde ein Leichenschauhaus der Kulturen darstellen. Dieses Prachtschloss ist in Wirklichkeit ein Schloss des Grauens. Ein starkes St\u00fcck Leblosigkeit im Herzen des Handelsimperiums des Todes. Und es wird noch d\u00fcsterer, wenn man bedenkt, dass dieses Forum in mehr als einer Hinsicht nicht nur Leben aus dem Siechtod der Kulturen sch\u00f6pft, sondern diesen Tod auch an die \u00dcberlebenden dieser Seuche verkauft. An dieser Stelle verlieren auch all jene die Hoffnung, die sich noch daran geklammert haben. Und so muss es auch sein. Aber gerade in diesem Verlust der Hoffnung, oder in dem Mut, sie zu verlieren, findet sich Hoffnung. Es stellt sich also die Frage \u2013 und hier ziehe ich es vor, die Logik etwas zu strapazieren, statt sich in festgef\u00fcgten, theoretischen Beschr\u00e4nkungen zu bewegen: Wie lange k\u00f6nnen sie das noch durchhalten? Nicht: Wie k\u00f6nnen wir sie aufhalten?<\/p>\n<p>Ich habe das Humboldt Forum als standhaft und \u201e<em>nachhaltig<\/em>\u201c bezeichnet. Lassen Sie uns diese Pr\u00e4misse einen Moment lang infrage stellen. Um sich vom Leben zu n\u00e4hren und Fett anzulegen, muss Leben zuallererst im \u00dcberfluss vorhanden sein. Tats\u00e4chlich betreibt das Humboldt Forum aber eine Art Kannibalismus, um zu \u00fcberleben. Und wiederum m\u00fcssen wir sofort alle Hoffnung fahren lassen, was unsere Bem\u00fchungen betrifft, uns diesem System entgegenzustellen, denn das erhoffte Licht am Ende des Tunnels ist (wie \u017di\u017eek aufzeigt) das Licht eines uns entgegenrasenden Zuges. Und zwar weil wir in unseren Bem\u00fchungen, uns selbst zu retten, unbeabsichtigt auch unsere Schinder retten. Man f\u00fchre sich vor Augen, dass in europ\u00e4ischen Universit\u00e4ten ein guter Teil des wissenschaftlichen Treibens der letzten Jahre der Dekolonisierung gewidmet war (in diesem Zusammenhang schickte eine der Berliner Universit\u00e4ten ihren Studierenden einen Brief, der sie zu einer als \u201etopical\u201c, auf trendige Weise aktuell, bezeichneten Konferenz einlud). Dieses Interesse ist nicht nur dem Wohlwollen oder einer Demuthaltung Europas geschuldet. Es besteht darin, andere Kulturen wieder wachsen zu lassen und selbst eine Zeit lang zu hungern, um sie dann wieder zu fressen, wenn sie <em>reif<\/em> sind.<\/p>\n<p>Die gegenw\u00e4rtigen Diskurse stellen diese Strukturen, zum Beispiel Museen und Universit\u00e4ten, nicht infrage. Tats\u00e4chlich sind sie auf diese Strukturen f\u00fcr ihr eigenes \u00dcberleben angewiesen, und w\u00e4hrend sie auch an Zahl zugenommen haben, finden selbst die radikalsten Diskurse \u2013 auch das im Zeichen der Hoffnungslosigkeit \u2013, sodenn sie von Europ\u00e4er*innen \u201etoleriert\u201c werden, nur in den Vorratsspeichern statt, in denen Europa seine Nahrung bewahrt. Dekolonisierung und die neue Aufmerksamkeit daf\u00fcr ist ein aufschlussreiches Beispiel, wenn man es wagt, den Blick jenseits der Spree nach Frankreich zu richten, und zwar auf die Berufung einer Forschungskommission die zu einem Bericht zur Restitution von Museumsobjekten gef\u00fchrt hat<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a>. Es passt, wenn man es als das erkennt, was es ist: \u201e<em>eine<\/em> <em>dekoloniale Foie gras<\/em>\u201c. Nach dem Bericht, der \u00fcbrigens gut gemacht und gut geschrieben ist, hat Frankreich sich sofort ans Fressen gemacht. Mit der R\u00fcckgabe von 26 Objekten an Benin und einem historischen S\u00e4bel an den Senegal, was von B\u00e9n\u00e9dicte Savoy als \u201eFall der Berliner Mauer der Restitution\u201c bezeichnet wurde, haben sie ihren Ruf reingewaschen. Die R\u00fcckgabe eines Sandkorns aus der ganzen W\u00fcste der in Kellern versteckten und in Strafausstellungen aufbewahrten Raubobjekte hat europ\u00e4ische Institutionen zu Helden der Restitution gemacht, und nicht diejenigen, die sich ihr Leben lang und noch als Tote gegen die Pl\u00fcnderung Afrikas gewehrt haben. \u201eWestliche\u201c Regierungen haben auch Vorschl\u00e4ge f\u00fcr den Bau von Museen in Afrika gemacht, in die die (afrikanische Beute-)<em>Kunst<\/em> zur\u00fcckgegeben werden kann und deren Kredite die entsprechenden Regierungen viele Jahre lang abbezahlen. Wir haben es also mit einem gro\u00dfz\u00fcgigen Gef\u00e4ngnisw\u00e4rter zu tun, der anbietet, das Gef\u00e4ngnis auf dem Grundst\u00fcck der Gefangenen zu bauen, damit die Gefangenen in der N\u00e4he ihrer Heimat sein k\u00f6nnen. Das \u00e4ndert zwar nichts an der Tatsache, dass sie immer noch Gefangene sind, aber zumindest sind sie zu Hause.<\/p>\n<p>Was man sich hier fragen muss, ist: Habt Ihr die \u201eKunst\u201c aus Museen gestohlen? Das Wort \u201eReparation\u201c hat zwei Bedeutungen: eine f\u00fcr die Kolonisatoren und eine f\u00fcr die Kolonisierten. F\u00fcr Frankreich, Deutschland und andere europ\u00e4ische L\u00e4nder bedeutet dieses Wort den \u201eVorgang der Wiederherstellung von etwas\u201c, in diesem Fall ihres politischen Ansehens. In der Tat bietet das Humboldt Forum da ein gutes Beispiel, da das Schloss zwar neu erbaut wurde \u2013 und wir werden uns gleich mit seinem politischen Framing als das \u201eNeue-Alte\u201c, wie Steinmeier es formuliert, befassen \u2013, es in seinem Inneren aber eine koloniale Agenda und Seele birgt. Mit diesem reparierten, renovierten und neu eingef\u00e4rbten Ansehen, wie bei einem Cham\u00e4leon, das sich seiner Umgebung anpasst, kann der Raub weitergehen. Dass eine Schlange ihre Haut abwirft, macht sie nicht weniger zur Schlange, nur eben mit neuer Haut. Die zweite Bedeutung ist \u201e<em>die Wiedergutmachung von Unrecht, das in schlichtester Form begangen wurde.<\/em>\u201c Mwazulu Diyabanza verleiht dieser Definition<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> mehr Tiefgang, f\u00fcr ihn bedeutet sie \u201e<em>die Wiederherstellung der historischen Wahrheit, um deutlich zu machen, was wirklich geschehen ist \u2026 eine rechtliche Rehabilitierung \u2026 die Wiederherstellung von zerst\u00f6rten Communities und Kulturen \u2026 und das Zurverantwortungziehen der Schuldigen<\/em>\u201c. Lassen Sie uns den Vorschlag Frankreichs f\u00fcr den Bau von Museen oder die Entscheidung Deutschlands, Entwicklungshilfe f\u00fcr Namibia zu leisten, im Lichte dieser neuen Definition bewerten. Hast Du sie aus Museen gestohlen? Oder ging es darum, das Problem der Unterentwicklung zu l\u00f6sen? Der wei\u00dfe Retter, in seinem aus einem Bericht geschneiderten Cape, eilt mal wieder zur Rettung herbei und verteilt Euros, die er sp\u00e4ter zur\u00fcckbekommt.<\/p>\n<p>Verzeihen Sie mir, dass ich so d\u00fcster klinge, und lassen Sie uns einen Moment zu heitereren Dingen \u00fcbergehen. Nun, vielleicht nicht heiter, aber immerhin angenehm vertraut. \u201eDie Werkzeuge des Hausherrn k\u00f6nnen sein Haus nicht zerst\u00f6ren.\u201c Betrachten wir f\u00fcr einen Moment diese warnende Zeile von Audre Lorde, die man gar nicht genug hervorheben kann. In der Tat sind die Werkzeuge des Hausherrn nicht zu untersch\u00e4tzen. Mit dieser Sprache, die nicht meine eigene ist, in einer Publikation, \u00fcber die ich keine Kontrolle habe, und in einem Kolonialismusdiskurs, der nicht meinen eigenen W\u00fcnschen entsprungen ist: Wie kann ich mich da als K\u00fcnstler*in bezeichnen? Oder bin ich eher Handwerker*in? Die Unterscheidung ist hier sehr wichtig, denn K\u00fcnstler*innen d\u00fcrfen \u2013 und hier zitiere ich die zweite Definition, die ich auf Google gefunden habe: \u201e<em>Personen, die gewohnheitsm\u00e4\u00dfig bestimmte verwerfliche T\u00e4tigkeiten aus\u00fcben<\/em>\u201c \u2013 emotional und radikal sein. Die einzig erforderliche Qualifikation hierf\u00fcr ist, dass er oder sie ein Mensch ist. Diese \u00dcberlegung ist deshalb wichtig, weil man als K\u00fcnstler*in kreativ sein kann und Dinge tut, weil man will \u2013 oder muss.<\/p>\n<p>\u201ewenn es nicht aus dir herausbricht,<br \/>\nallem zum Trotz,<br \/>\nmach\u2018s nicht.<br \/>\nes sei denn, es kommt unaufgefordert aus deinem<br \/>\nHerz und deinem Geist und deinem Mund<br \/>\nund aus deinem Bauch,<br \/>\nmach\u2019s nicht.&#8220;<br \/>\n(Auszug aus <em>so you want to be a writer? von<\/em> Charles Bukowski)<\/p>\n<p>Obiges nennt also einen weiteren Grund, warum ich diesen Beitrag nicht schreiben werde. Wenn wir uns n\u00e4mlich einmal die Dekolonisierung anschauen, die mit der Kunst insofern in Verbindung steht, als dass sie \u201everwerflich\u201c ist und tief aus dem Bauch herausbricht, k\u00f6nnen zwei Zitate diesen Punkt vielleicht verdeutlichen: eins von einer Stra\u00dfendemonstration in Berlin und eins von Wissenschaftler*innen in ihrem akademischen Elfenbeinturm:<\/p>\n<p><em>\u201eWenn du nicht w\u00fctend bist, hast du wohl nicht aufgepasst\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eWut ist &#8230; sowohl legitim als auch notwendig, um die l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llige Aufgabe der Dekolonisierung zu vollenden.&#8220; Canham (2018)<\/em><\/p>\n<p>Beide sind \u2013 anders als ich: der*die Handwerker*in hier, der *die ich auf einen Call for Contributions reagiere \u2013 von dem menschlichsten aller Gef\u00fchle beseelt: Wut. Verliere ich hier also nicht meine Menschlichkeit, indem ich diesem Aufruf folge? Indem ich meine Wut z\u00fcgele? Oder handelt es sich hier um Balance, Ausgewogenheit?<\/p>\n<p>W\u00e4hrend K\u00fcnstler*innen zwar aus der Armut sch\u00f6pfen k\u00f6nnen, und tats\u00e4chlich ist die Not, wie Ng\u0169g\u0129 wa Thiong\u2019o (den ich nun mit Bukowski ins Gespr\u00e4ch bringen m\u00f6chte) in <em>Globalectics <\/em>schreibt, die Mutter der Erfindung. Hier wird die Armut also nicht zum Ziel, sondern zum Mittel auf dem Weg zum Reichtum. Doch wem gereicht dann also dieser Beitrag zum Reichtum? Und hier kommt die Verwerflichkeit in der Kunstdefinition oben ins Spiel: Das Humboldt Forum wird dadurch bereichert, aber auch ich werde bezahlt. Wenn Sie also diesen Beitrag in dem vom Humboldt Forum ver\u00f6ffentlichten Magazin lesen, habe ich mich verkauft. Der Punkt, auf den ich hier hinauswill, um noch einmal auf die Werkzeuge des Hausherrn zur\u00fcckzukommen: W\u00fcrde ein Hausherr Handwerker*innen bezahlen, sein eigenes Haus zu zerst\u00f6ren? Dar\u00fcber hinaus scheint es, dass die Repr\u00e4sentant*innen des Humboldt Forums nicht nur der Ansicht sind, dass man eine Auseinandersetzung mit dem Kolonialismus kaufen kann, sondern dass sie eine Diskussion instrumentalisieren und zur Ware machen k\u00f6nnen (das Werkzeug in der Hand der Handwerker*innen), eine Diskussion, die eigentlich die Instrumentalisierung von Kritik hinterfragen soll. Das Humboldt Forum wird hier also zum Handelsplatz, ein Umschlagplatz f\u00fcr den Kauf und Verkauf von Diskurs und Auseinandersetzung mit Kolonialismus. Auf die gleiche Weise, wie auch Frankreich die Restitutionsforschung zur Ware gemacht (gekauft und bezahlt) hat. Hier t\u00e4tigen koloniale kapitalistische Strukturen Investitionen und warten auf ihre Rendite.<\/p>\n<p>Das ist noch nicht mal das Traurigste an dem Modell f\u00fcr die Auseinandersetzung mit dem Kolonialismus, wie es das Humboldt Forum vorschl\u00e4gt. Denn die Subalternen \u2013 und hier k\u00f6nnen wir wiederum keine Hoffnung aufkeimen lassen und ich bitte nochmals darum, alle Hoffnung fahren zu lassen \u2013 werden in ebenjene Systeme eingespannt, die sie marginalisieren und ausbeuten. Indem ich zu dieser Publikation beitrage, verleihe ich dem Humboldt Forum die Bedeutung, die es braucht; ich biete ihm ein Bekenntnis auf eigene Kosten, eine Rechtfertigung f\u00fcr seine fortgesetzte Existenz. W\u00e4hrend also das Humboldt Forum weiterhin Ort fortw\u00e4hrender kolonialer Bestrafung ist, weiterhin Feuer legt, meine Heimat mit \u201eKulturbomben\u201c bewirft, wie Ng\u0169g\u0129 wa Thiong\u2019o es nennt, soll ich ihm noch daf\u00fcr danken. Also, liebes Humboldt Forum, ich bin Dir zu Dank verpflichtet f\u00fcr die M\u00f6glichkeit, hier zu ver\u00f6ffentlichen. Denn wenn Dir jemand im Schlaf das Haus anz\u00fcndet, dann dankst Du ihm nun mal daf\u00fcr, dass es jetzt fr\u00fcher hell wird, das hei\u00dft, falls Du \u00fcberlebst. Das Humboldt Forum wird erst dann ein legitimer Ort der Dekolonisierung sein, wenn es all die kolonialen Beutesch\u00e4tze in seinen Ausstellungen und Sammlungen restituiert und sich dann selbst in Brand gesteckt hat. Wenn dann alles niedergebrannt ist, k\u00f6nnen wir einen Grabstein errichten, auf dem geschrieben steht: Hier liegen die sterblichen \u00dcberreste der kolonialen Nostalgie. Aber das ist wieder wie in einem dunklen Tunnel einem rasenden Zug gegen\u00fcberzustehen, nur weil man Licht sieht.<\/p>\n<p>Das liegt daran, dass dasselbe kapitalistische Modell der Auseinandersetzung mit Kolonialismus die Kritik nicht nur zur Ware macht, sondern auch professionalisiert. Das zynisch Geniale an diesem Plan \u2013 ich wei\u00df es zu sch\u00e4tzen, wenn ich es mit Genialit\u00e4t zu tun habe, aber das tr\u00fcbt nicht mein moralisches Urteilen \u2013 ist, dass der Diskurs \u00fcber Kolonialismus auf strukturierte und professionelle Weise geordnet und nachhaltig ist. Hegels \u201ebestimmte Negation\u201c ist n\u00fctzlich, um dies zu verstehen, denn wir k\u00f6nnen nicht \u00fcber etwas sprechen, es sei denn, es existiert. Der vorgeschlagene Titel f\u00fcr dieses Magazin: \u201e&#8230; eine Welt, in der Kolonialit\u00e4t nicht mehr m\u00f6glich ist \u2026\u201d ist in dieser Hinsicht ein Oxymoron. Wenn wir eine so riesige, physische Struktur errichten wie das Humboldt Forum, das der Auseinandersetzung mit Kolonialismus gewidmet ist, wie k\u00f6nnten wir dann behaupten, er existiere nicht mehr? Die Schwierigkeit besteht aus diesem Grund also darin, dass das Humboldt Forum wie die meisten Unterdr\u00fcckerstrukturen, einschlie\u00dflich Regierungen und Hochschulen, der gr\u00f6\u00dfte Arbeitgeber f\u00fcr Kolonialismusforscher*innen und -aktivist*innen ist. Die einzige M\u00f6glichkeit, die Behauptung zu widerlegen, das Humboldt Forum sei ein Zentrum f\u00fcr Kolonialismusforschung, best\u00fcnde also darin, dass es aufh\u00f6rt zu existieren. Nehmen wir mal an, dies w\u00e4re m\u00f6glich \u2013 was passiert mit den Arbeitspl\u00e4tzen der dort Besch\u00e4ftigten? Ich bin Marxist*in, Sie kennen also die Antwort.<\/p>\n<p>Hier w\u00e4lzt das Humboldt Forum die Last, den Kolonialismus am Leben zu erhalten, auf uns ab. Es externalisiert sie und befreit sich von der Auseinandersetzung mit seiner eigenen Beteiligung am kolonialen Projekt, um stattdessen zu behaupten, Zentrum dieser Auseinandersetzung zu sein. F\u00fcr Subalterne verbinden sich also auch andere Erw\u00e4gungen, die n\u00e4mlich \u00fcber das Sprechen hinausgehen \u2013 wie Nahrung, Unterkunft und Sicherheit \u2013, mit den Strukturen, die sie zum Schweigen bringen. In der Tat ist es so, dass der*die Subalterne nicht sprechen kann, weil er*sie gerade isst. Es ist nicht nur Ausdruck schlechter Tischmanieren, mit vollem Mund zu sprechen, es ist wirklich schon anatomisch schwierig gleichzeitig zu essen und zu sprechen: \u201eDer Mund, der isst, spricht nicht.&#8220; Es ist also so, dass unsere finanzielle Sicherheit und Jobsicherheit (in einer kapitalistischen Welt, in der das Geld die Welt regiert) an das Fortbestehen von Systemen gebunden ist, die uns unterdr\u00fccken. Gestatten Sie mir, obwohl ich diesen Punkt bereits angesprochen habe, noch ein bisschen auf dieses tote Pferd einzupeitschen: \u201e\u2026eine Welt, in der Kolonialit\u00e4t nicht mehr m\u00f6glich ist\u2026\u201c ist eine Welt, in der das Humboldt Forum nicht existiert. Oder es ist eine Welt, in der Kolonialit\u00e4t nicht mehr m\u00f6glich ist, weil das Humboldt Forum jede sinnvolle Diskussion und Ma\u00dfnahme zu diesem Thema unterbunden hat. Eine Welt, in der Kolonialit\u00e4t nicht mehr m\u00f6glich ist, ist eigentlich eine Welt, in der das Humboldt Forum nicht existiert, denn bislang war Kolonialit\u00e4t haupts\u00e4chlich als eine Reihe von nicht greifbaren, aber realen Implikationen und Beziehungen in Erscheinung getreten. Nun ist da aber das Humboldt Forum, dieses prunkvolle Schloss, ein Haus, das f\u00fcr das grauhaarige P\u00e4rchen Kolonialit\u00e4t und Kapitalismus gebaut wurde und in dem sie nach wie vor f\u00fcr das Publikum die kolossale Sch\u00e4ndung Afrikas veranstalten.<\/p>\n<p>Hier stehe ich dieser Bestie gegen\u00fcber, mit seinen m\u00e4chtigen humanen Ressourcen, bestehend aus hochqualifizierten Kolonialist*innen und wettergegerbten, professionellen Opfern des Kolonialismus. Eine Bestie, die ihren strukturellen Rassismus durch die Individualisierung dieser strukturellen Probleme zu l\u00f6sen versucht, indem sie ihren Sicherheitsleuten ein paar Kurse anbietet. Wo die Antwort auf Kritik an der eurozentrischen Darstellung alles Menschlichen ein Text \u00fcber die wei\u00dfe Perspektive an der Wand ist, von dem es stolz hei\u00dft, er sei von einer \u201eSchwarzen Person\u201c geschrieben. Mein nicht sehr m\u00e4chtiger Text steht einem Text der Macht gegen\u00fcber, der Kritik zwar toleriert, sie aber nicht aufgreift und in dem die L\u00f6sung f\u00fcr Diversit\u00e4tsfragen \u201eInklusion\u201c hei\u00dft. Ich bin dieser Bestie hier v\u00f6llig ausgeliefert, vielleicht bin ich einfach insgeheim Masochist.<\/p>\n<p>Wir sehen uns hier dem altbekannten Erstgeborenen des grauhaarigen P\u00e4rchens gegen\u00fcber: dem Eurozentrismus. Das Problem mit dem Eurozentrismus ist nicht das Europ\u00e4ische, sondern dass er, als Ergebnis einer inzestu\u00f6sen Aff\u00e4re zwischen Kolonialismus und Hegemonie, eine hierarchische Unterscheidung zwischen einer Kategorie Mensch und dem \u201eanderen\u201c etabliert und davon profitiert (Rendite). Wenn er also dieses einzigartige Verst\u00e4ndnis unseres chaotischen und komplizierten menschlichen Daseins erzeugt, wie kann sich es hierbei um eine echte Auseinandersetzung mit Kolonialismus handeln? Forschung ist nicht unabh\u00e4ngig, sie dient den Interessen der Forscher*innen und den Interessen ihrer Geldgeber*innen. W\u00e4hrend sie ein Bed\u00fcrfnis nach Wissen stillt, best\u00e4tigt und rechtfertigt sie gleichzeitig bestimmte Weltanschauungen und Ma\u00dfnahmen. Ein Beispiel hierf\u00fcr ist die Tatsache, dass im Interesse der wei\u00dfen Vorherrschaft \u201ewissenschaftliche\u201c Forschungen \u00fcber die Hierarchie der Rassen durchgef\u00fchrt wurden, der Rest ist bekanntlich Geschichte. Ein aktuelles Beispiel f\u00fcr eine Forschung, die das Vorgehen des Geldgebers rechtfertigt, ist der oben angesprochene, von Frankreich in Auftrag gegebene Restitutionsbericht.<\/p>\n<p>Das Problem am Humboldt Forum ist also nicht, dass es einfach ein Revival und Triumph preu\u00dfischer Glorie ist. Hierbei ist es hilfreich, sich die Er\u00f6ffnungszeremonie vor Augen zu f\u00fchren und sich vorzustellen, man h\u00e4tte Frantz Fanon statt Chimamanda Ngozi Adichie eingeladen (und hier geht es mir nat\u00fcrlich um die Art der Auseinandersetzung mit Kolonialismus, nicht um die Person). Um dies zu tun, m\u00fcssen wir zun\u00e4chst bedenken, dass Forschung oder Diskussion nicht nur stattfinden, weil Menschen zuf\u00e4llig sprechen k\u00f6nnen. Wir m\u00fcssen uns also wiederum fragen: Zu welchem Zweck will das Humboldt Forum ein Ort der Auseinandersetzung mit Kolonialismus sein? In der Annahme es g\u00e4be keinerlei Zweifel (und angenommen, niemand h\u00e4tte Descartes in dieses Gespr\u00e4ch geholt) an seiner Legitimit\u00e4t und sie w\u00fcrde nicht angefochten.<\/p>\n<p>Sokrates hat einmal gesagt: \u201e<em>Ein ungepr\u00fcftes Leben ist nicht lebenswert<\/em>.\u201c Wenn wir uns also anschauen, was das Humboldt Forum hier versucht, werden wir sehen, dass sie Sokrates\u2018 Worte einfach \u00fcbersetzen in \u201e<em>Ein ungepr\u00fcfter Kolonialherr macht kein Geld mit Kolonialit\u00e4t.<\/em>\u201c Auch hier hilft ein Blick auf Frankreich, das nach dem bahnbrechenden Raubkunst-Bericht nun damit Geld verdienen will. Betrachten wir also das Humboldt Forum einmal als ein Krankenzimmer, in dem Kolonisierung und Kolonialit\u00e4t im Hemdchen vor uns liegen, eine Reihe von unbequemen Lichtern (Ihre und meine) auf ihre dreckigen, ekelerregenden Eingeweide gerichtet. Den Patientinnen ist klar, dass dieses \u00dcbel notwendig ist, damit die Untersuchenden die Eingeweide verstopfenden Fremdk\u00f6rper aufsp\u00fcren k\u00f6nnen, um sich anschlie\u00dfend wieder \u00fcber die Subalternen hermachen zu k\u00f6nnen. Dieses \u00dcbel hier ist auch unsers, das der Subalternen, die wir den Kolonialismus untersuchen, f\u00fcr den das Humboldt Forum niemals zahlen wird.<\/p>\n<p>Wie Emma Dabiri in <em>What White People Can Do Next<\/em> sagt: \u201eSprich nicht von Whiteness, es sei denn, um sie zu vernichten.\u201c (Das Humboldt Forum hat sich wohl f\u00fcr sein neues Projekt \u2013 nach dem Pl\u00fcndern afrikanischer Kulturen \u2013 diesen Buchtitel folgenderma\u00dfen \u00fcbersetzt: <em>What Can Black People Do For Whiteness Next<\/em>). Dieser Versuch des Humboldt Forums ist nicht nur eurozentrisch, sondern basiert auch auf dem Versuch der Anh\u00e4nger der wei\u00dfen Vorherrschaft, wei\u00dfe Menschen als \u201espirituelle\u201c (das Humboldt Forum behauptet, heilige Traditionen zu respektieren, w\u00e4hrend es gleichzeitig von einem System profitiert, das sie profanisiert) und intellektuelle Wesen darzustellen. Ziel ist es hier, ihre F\u00e4higkeit und Qualifikation zur Herrschaft \u00fcber die Kulturen der Welt und den kolonialen Diskurs zu rechtfertigen. Wir wissen ja, dass das Humboldt Forum nicht \u201e<em>Whiteness benennt, um sie zu vernichten<\/em>\u201d, sondern um sie zu reanimieren, um die Subalternen ein System wiederbeleben zu lassen, das im Interesse der <em>Schaffung des neuen Menschen<\/em>, zerst\u00f6rt werden sollte, um Fanon zu paraphrasieren. Wenn Frank-Walter Steinmeier also verk\u00fcndet, das Humboldt Forum sei das \u201eNeue-Alte\u201c, ist das definitiv keine Aussage, die auf einer Auseinandersetzung mit dem Kolonialismus basiert. Bedeutet die Dekolonisierung von Museen, dass wir dieser Schlange, die sich an Kulturen \u00fcberfressen hat, dabei helfen, sich zu h\u00e4uten?<\/p>\n<p>Steinmeiers Rede zur Er\u00f6ffnung des Humboldt Forums ist aufschlussreich, wenn es um die Stellung des Humboldt Forums in der Auseinandersetzung mit Kolonialismus geht. Die Vision des Humboldt Forums, basierend auf einer hegemonialen, eurozentrischen Vision eines Kosmopolitismus, der im Kolonialismus seinen Ursprung hat, ist, die koloniale Mission zu erf\u00fcllen und Zentrum der Weltkulturen zu sein. Dies beruht nat\u00fcrlich nicht darauf, dass andere \u201eZentren\u201c ignoriert werden, sondern darauf, dass diese Zentren zugleich anerkannt und verunglimpft werden. Man beraubt sie all dessen, was sch\u00f6n und ehrfurchtgebietend ist, was heilig und klug ist, wirft Kulturbomben ab.<\/p>\n<p>Wie Felwine Sarr in <em>Afrotopia<\/em> darlegt, geht der europ\u00e4ische Kolonialismus mit der Unterdr\u00fcckung der eigenen Barbarei einher, die auf dem afrikanischen Kontinent ihr Ventil findet. Was Aim\u00e9 C\u00e9saire die \u201e<em>chosification<\/em>\u201c, die Verdinglichung, nennt, die Europa als Zentrum erst erm\u00f6glichte, hat zur Folge, dass andere zu Peripherien degradiert werden. Europa muss \u2013 ganz hegelianisch \u2013 seine eigene Barbarei negieren und gleichzeitig affirmieren, wenn es die anderen seine Gewalt sp\u00fcren l\u00e4sst. Europ\u00e4er*innen sind auf diese bipolare Dialektik angewiesen, um zu \u00fcberleben: ihre eigene Menschlichkeit zu bewahren, indem die Menschlichkeit der anderen verworfen wird. Ihre eigene Kultur aufzubauen, indem die Kultur der anderen zur\u00fcckgewiesen wird. Nat\u00fcrlich k\u00f6nnen Europa und das Humboldt Forum sich mit Kolonialismus auseinandersetzen, sie k\u00f6nnen sich mit sich selbst auseinandersetzen, denn sie haben eine gespaltene Pers\u00f6nlichkeit, deren Teile sich vielleicht gegenseitig ablehnen, die aber um zu \u00fcberleben aufeinander angewiesen sind. Genau wie die Empfindung von W\u00e4rme ohne eine Empfindung von K\u00e4lte bedeutungslos ist. Was also das Humboldt Forum dazu bef\u00e4higt, sich mit Kolonialismus auseinanderzusetzen, ist gerade seine Kolonialit\u00e4t als Institution. So wie Ger\u00e4usch nur als Abwesenheit von Stille wahrgenommen werden kann, kann sich das Humboldt Forum mit Kolonialismus nur dank der Stille befassen, die es in anderen Teilen der Welt erzeugt hat.<\/p>\n<p>Mit der vorgeschlagenen Auseinandersetzung mit dem Kolonialismus stellt das Humboldt Forum alle Ma\u00dfnahmen, Pl\u00e4ne und Tr\u00e4ume von Dekolonisierung zur\u00fcck. Es hat sich dem Narrativ von Afrika als Zukunft angeschlossen, das in der Gegenwart noch nicht existiert, wie Sarr anmerkt. Hier erkennen wir den Triumph des Habens \u00fcber das Sein: Indem das Humboldt Forum behauptet, es k\u00f6nne sich mit Kolonialismus auseinandersetzen, nur weil es ein paar triviale Beutest\u00fccke aus der Kolonialzeit f\u00fcr sich beansprucht und deshalb meint, es k\u00f6nne die Diskussion f\u00fcr sich beanspruchen, und so das kollektive Wissen und Sein von Millionen von Menschen auf sch\u00f6n gemachte Kratzer in Holz und Bronze reduziert.<\/p>\n<p>Die Mitarbeiter*innen des Humboldt Forums, wenn sie darauf angesprochen werden, warum sie die \u201eObjekte\u201c, die ich als \u201eSubjekte\u201c bezeichnen m\u00f6chte, behalten, beschr\u00e4nken die Auseinandersetzung mit Kolonialismus auf die Korrektur von Namen, das Streichen von \u201eM\u00f6glicherweises\u201c in den Begleittexten und den Vorschlag, man k\u00f6nne Provenienzforschung betreiben. Das Problem mit der Provenienzforschung \u2013 meine Antwort auf Steinmeiers Verlautbarung der Ankunft der Kulturen der Welt \u2013 ist jedoch, dass diese Art der Forschung sich auf eine sehr begrenzte Sicht auf den Kolonialismus fokussiert. Sie bildet koloniale Kategorien von Opfern und T\u00e4tern nach und ignoriert dabei v\u00f6llig die Geschichte des antikolonialen Widerstands. Die Restitution, die von dieser Art von Forschung ausgeht, ist eine Restitution, die die koloniale Dynamik des wohlwollenden Europas und des besch\u00e4digten, hilfsbed\u00fcrftigen Afrikas wiederherstellt. Diesmal will Europa nicht einen christlichen Gott einf\u00fchren, der die Seele Afrikas vor den Afrikaner*innen selbst rettet.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Sondern es gibt vor, Afrikas Seele nach Afrika zur\u00fcckzubringen und Afrika vor Europa zu retten, w\u00e4hrend sie aber nur die Saat eines neuen Kolonialismus s\u00e4en, sich und ihr Selbstbild retten wollen. Bei einer echten Auseinandersetzung mit dem Kolonialismus geht es nicht darum, Widerstand und Kritik zu tolerieren, es geht darum, dass man kritisch ist und sich auf Kritik einl\u00e4sst. Wenn Afrikaner*innen also laut die R\u00fcckgabe ihres Selbst fordern, schlagen Europ\u00e4er*innen vor, dass sie dieses Selbst, wenn sie es denn gefunden haben, zum Verkauf stellen, damit sie es nochmals kaufen k\u00f6nnen, und zwar mit St\u00fccken Papier, die an nichts gebunden sind, die zu nichts gut sind au\u00dfer der Wiederherstellung eines eurozentrischen Weltverst\u00e4ndnisses.<\/p>\n<p>Woran es Afrika jedoch mangelt, ist nicht nur diese Art von Selbstvermarktung, wie Sarr feststellt, sondern dass seinen Bewohner*innen die F\u00e4higkeit genommen wurde, ihre eigenen Zukunftsmetaphern zu erschaffen. Der Standort des Humboldt Forums in Berlin Mitte, mit der museumseigenen Hausordnung, den Beschr\u00e4nkungen, Eintrittspreisen und dergleichen, ist nat\u00fcrlich nur eine physische Tatsache. Die Auseinandersetzung mit dem Kolonialismus ist, um Sarr zu zitieren, \u201e<em>eine kreative Schwangerschaft<\/em>\u201c. Dies ist die Phase, in der wir Metaphern f\u00fcr unsere Zukunft entwickeln, in der wir in dieser unvers\u00f6hnlichen Dystopie unsere eigenen Utopien gestalten. Bedeutet das Humboldt Forum, dieser unapologetische White Space, diese Leerstelle, nicht, dass wir erneut beraubt wurden? Dass die Dekolonisierung von Beginn an kolonisiert wurde? Wenn eine Auseinandersetzung mit dem Kolonialismus die Geburt der Dekolonisierung bedeutet, was f\u00fcr ein Kind soll aus dem Inzest zwischen Kolonialismus und Eurozentrismus entstehen, den das Humboldt Forum repr\u00e4sentiert?<\/p>\n<p>Gesellschaften begr\u00fcnden sich durch ihre Vorstellungswelten, und wenn die Vorstellungen Afrikas erbeutet und im Humboldt Forum ausgestellt werden, werden wir (Afrika) sterben. Denn dieses Forum ist auf die Tode Afrikas gebaut, nicht nur die imaginierten, sondern die tats\u00e4chlichen, es kann nur funktionieren, indem es dessen Vergangenheit ausbeutet, um Ausstellungen und Sammlungen zu gestalten. Es ist f\u00fcr sein eigenes \u00dcberleben und um in der Zukunft relevant zu sein darauf angewiesen, dass diese Vergangenheit in der Gegenwart anwesend ist. Das Afrika des Humboldt Forums ist ein untotes, unlebendiges, in der Vergangenheit gefangenes. Die Auseinandersetzung mit Kolonialismus, in der Hoffnung, ein neues Afrika zu schaffen, einen neuen Menschen \u00e0 la Fanon, wenn man so will, bedeutet, \u201e<em>sich selbst zu denken, zu repr\u00e4sentieren, zu projizieren<\/em>\u201c (Felwine Sarr, <em>Afrotopia<\/em>). Nicht: gedacht, repr\u00e4sentiert oder projiziert zu werden.<\/p>\n<p>Berlin ist der Ort, wo Grenzen, eher k\u00fcnstliche als reale, gezogen und die Einfluss- und Ausbeutungssph\u00e4ren festgelegt wurden. Nochmals: Das Humboldt Forum als das \u201eNeue-Alte\u201c zu bezeichnen, bedeutet, die Adresse der sogenannten Berliner Konferenz von der Wilhelmstra\u00dfe zum Schlossplatz zu verlegen. Wenn sich auch der Ort ge\u00e4ndert hat, drehen sich die Verhandlungen innerhalb dieses Schlosses noch immer um Einfluss und die Ausbeutung Afrikas. Architektonisch ist das, was Steinmeier einen Ort von nationaler Bedeutung nennt, das sch\u00f6ne, das pr\u00e4chtige Schloss, auch ein Gef\u00e4ngnis, ein Ort kolonialer Bestrafung. Er stellt in seiner Rede fest, dass das Geb\u00e4ude zwar fertiggestellt ist, aber dennoch unvollendet bleibt. Und das ist aufschlussreich, denn wenn man diesen Ort als Fortsetzung kolonialer Bestrafung sieht, dann steht uns noch Einiges bevor. Ich f\u00fcrchte, Fanon wird warten m\u00fcssen, bis sich alle Teile zusammengef\u00fcgt haben, bevor wir dieses Geisterschloss abrei\u00dfen und unseren eigenen Leviathan \u00e0 la Hobbes oder unser eigenes Monster wie das von Doktor Frankenstein errichten.<\/p>\n<p>In diesem neuen-alten Berliner Schloss kristallisiert sich jahrelange Nostalgie und Planung, erbaut gegen antikolonialen Widerstand. Seine W\u00e4nde isolieren, fangen und eignen sich die Stimmen derjenigen an, die sich gegen es ausgesprochen haben, woraufhin diese Aneignung zur Auseinandersetzung mit Kolonialismus gem\u00fcnzt wird. Das Haus repr\u00e4sentiert, wie Steinmeier feststellt, eine gewisse Verortung der deutschen Nation, aber auch einer kolonialen Nostalgie. Wenn er erkl\u00e4rt, dass in diesem Nabel Berlins, ja der Welt, \u201edie Weltkulturen angekommen sind\u201c, lautet die Frage, die ich ihm gern stellen w\u00fcrde: \u201e<em>Wie sind sie angekommen<\/em>?\u201c und \u201e<em>Was machen sie hier in Berlin?<\/em>\u201c Nat\u00fcrlich gibt es W\u00fcrdigungen, man verneigt sich vor dem Vorreiter dieses kolonialen Projekts, Alexander von Humboldt, f\u00fcr seine Beitr\u00e4ge zur damals \u201eunbekannten\u201c Welt. Mit diesem unreflektierten Lob der Kolonisierung best\u00e4tigt er Hegels Vermutung, dass die beiden amerikanischen Kontinente, wie auch Afrika, bis zum Kontakt mit Europa keine Geschichte hatten. Wenn er also sagt, dass die Weltkulturen angekommen sind, ist dies sowohl im lokalen Sinne als auch im Sinne einer eurozentrischen Geschichtsdarstellung zu verstehen. (Unbekannt f\u00fcr wen? Hier ist eine \u201ekoloniale Wissenslogik\u201c am Werk: Zu wissen ist f\u00fcr nicht Akt der Bewusstwerdung durch Beobachtung, sondern ein Akt, der Enteignung und Macht beinhaltet. Die Kolonisator*innen k\u00f6nnen nicht wissen, was sie nicht <em>besitzen <\/em>und unter Kontrolle haben, denn f\u00fcr sie bedeutet zu wissen, die Gr\u00f6\u00dfe zu messen. Zu wissen bedeutet, alles zu regeln, zu konservieren und dass alles immer gleich bleibt. Zu wissen bedeutet, etwas dauerhaft zu machen, es seiner F\u00e4higkeit zu berauben, zu leben, sich zu wandeln und zu wachsen.)<\/p>\n<p>Hier k\u00f6nnen wir also das Lob der Enteignung von wertvollen physischen und geistigen Subjekten erkennen. Aber dar\u00fcber hinaus gibt es noch eine andere Form der Enteignung. Selbst wenn das Humboldt Forum als ein Ort der Auseinandersetzung mit dem Kolonialismus pr\u00e4sentiert wird, <em>\u201cil demeure colonisant<\/em>\u201d, bleibt es der Agent des Kolonialismus. Selbst wenn es als Kulisse f\u00fcr die Auseinandersetzung mit Kolonialismus und Dekolonisierung pr\u00e4sentiert wird \u2013 das Wort Dekolonisierung kommt, wenig \u00fcberraschend, im Call for Papers nur einmal vor, und wir sollten darauf achten, wie oft es in nachfolgenden Calls auftaucht, um nachzuvollziehen, wie (und sogar ob) Kritik absorbiert wird \u2013, die Repr\u00e4sentant*innen des Forums sind noch immer Kolonisator*innen.<\/p>\n<p>Dieser Versuch, das Humboldt Forum als Zentrum f\u00fcr irgendetwas anderes als koloniale Nostalgie zu positionieren, bedeutet, die Dekolonisierung auf eine blo\u00dfe Auseinandersetzung mit Kolonialismus zu reduzieren, eine Metapher, die Kolonisierung der Idee und Umsetzung von Dekolonisierung. Es handelt sich hierbei nur um den Versuch, diese ach so revolution\u00e4re Auseinandersetzung in eine Sprachfigur zu verwandeln, um die bereits schal gewordene Kolonialliteratur aufzupeppen, mit der wir inzwischen nur allzu vertraut sind. Es strukturiert auch das Gespr\u00e4ch \u00fcber Dekolonisierung, regelt den Zugang und produziert ein Vakuum, in dem Dekolonisierung und revolution\u00e4re Ideen zum Erliegen kommen. Es versucht den Widerstand zu befrieden, w\u00e4hrend es tagt\u00e4glich, in b\u00f6ser Absicht und gnadenlos gegen Profit \u201eKulturbomben\u201c z\u00fcndet und sowohl aus epistemischer als auch k\u00f6rperlicher Gewalt Nutzen zieht. \u2026 Und ich mache ja mit \u2026 immerhin habe ich das <em>Kommunistische Manifest<\/em> auf Amazon gekauft.<\/p>\n<p>Ich hoffe, dass ich einige lose F\u00e4den hinterlassen habe, an die man ankn\u00fcpfen kann, und dass wir weiter im Gespr\u00e4ch bleiben, nicht mit der Aussicht auf einen Konsens, sondern weil diese Gespr\u00e4che, so unbequem sie auch sein m\u00f6gen, notwendig sind. Hoffentlich \u2013 denn in der Tat kann auch ich hoffnungsvoll sein \u2013 wird das Humboldt Forum abgerissen, so dass wir letztendlich dem Aufruf von Patricia Hill Collins folgen: \u201ePivot the center\u201c \u2013 das Zentrum muss umgew\u00e4lzt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Ich schreibe hier \u00fcber Hegel in der Vergangenheitsform, um die Schw\u00e4che des Publizierens hervorzuheben, die Grausamkeit dieser Philosophie der Best\u00e4ndigkeit. M\u00f6glicherweise h\u00e4tte er seine Meinung inzwischen ge\u00e4ndert, aber der Hegel, den ich kennengelernt habe, ist nun mal der aus den B\u00fcchern.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Siehe Alexander Crampton und Lotte Arndt. Crampton zeigt am bezeichnenden Beispiel der Zuni-Kriegsg\u00f6tter, wie Museen diese Objekte mit giftigen Chemikalien behandeln und so erschwert wird, dass sie nach der R\u00fcckgabe wieder in ihren kulturellen Kontext zur\u00fcckkehren. Man konserviert sie dauerhaft. Hier wird also das grundlegende Konzept von Bewahrung oder Nachhaltigkeit in Frage gestellt: Bedeutet es die F\u00e4higkeit, dass etwas sich im Laufe der Zeit nicht ver\u00e4ndert, oder die F\u00e4higkeit, sich im Laufe der Zeit dem jeweiligen Kontext anzupassen? Dieser Frage geht Lotte Arndt in ihrer Arbeit nach, indem sie Repr\u00e4sentation und \u201eLeben\u201c dieser Objekte nach ihrer R\u00fcckgabe in den Blick nimmt.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Einer der gro\u00dfen Philosophen unserer Zeit, der mich sehr inspiriert, Slavoj \u017di\u017eek, bietet eine interessante, aber recht pessimistische Betrachtung der Subversivit\u00e4t. Wenn man sich jedoch mit \u017di\u017eek auseinandergesetzt, lernt man, in der Hoffnungslosigkeit Mut zu finden. Seiner Meinung nach ist es nicht mehr subversiv, sich \u00fcber die Macht lustig zu machen. Systeme wie dieses machen sich \u00fcber sich selbst lustig. Sie machen sich zum Gesp\u00f6tt und verlieren dadurch nicht an Effizienz, sondern profitieren davon. W\u00e4hrend das Humboldt Forum also in vielerlei Hinsicht zur Kritik einl\u00e4dt, wie wir an der Einladung Chimamanda Ngozi Adichies zur Er\u00f6ffnung gesehen haben, die \u00fcbrigens eine gro\u00dfartige Rede gehalten hat, verlieren diese Kritiken (w\u00e4hrend Adichies Rede machten sich Demonstrierende drau\u00dfen in T\u00fcten gekleidet und singend \u00fcber das Forum lustig und entlockten Monika Gr\u00fctters und Steinmeier damit sogar ein Schmunzeln) ihre Relevanz, wie Satiriker.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Siehe Sarr, F., &amp; Savoy, B. (2018). <em>The Restitution of African Cultural Heritage: Toward a New Relational Ethics, trans. Drew S. Burk<\/em>. Paris: Minist\u00e8re de la culture.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/tv\/CV-2gYDolmx\/?utm_medium=copy_link\">https:\/\/www.instagram.com\/tv\/CV-2gYDolmx\/?utm_medium=copy_link<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Ein interessanter Punkt, wie ich finde: religi\u00f6ser Kosmopolitismus, der sich gegenw\u00e4rtig durch Restitution manifestiert. Uns d\u00e4mmert inzwischen, dass afrikanische Gottheiten in der Tat ebenfalls G\u00f6tter und G\u00f6ttinnen sind. Wie der Titel von \u017di\u017eeks j\u00fcngstem Buch andeutet, ist der Himmel durcheinandergeraten [<em>Heaven in Disorder<\/em>, Anm. d. \u00dc.]. Dieses Chaos ist der Grund, weswegen das Humboldt Forum (wo alle afrikanischen Gottheiten gestorben und auferstanden sind,) sich jetzt mit sich selbst auseinandersetzt. Soll der Himmel jetzt ein paar Gottheiten runterschicken und die Integrit\u00e4t Gottes als eines b\u00e4rtigen, wei\u00dfen Mannes infrage stellen oder seinen Zorn riskieren, oder den Zorn seiner Gl\u00e4ubigen riskieren? Der europ\u00e4ische Kolonialkult ist jetzt in Schwierigkeiten und schlimme Zeiten erfordern verzweifelte Ma\u00dfnahmen, selbst wenn dies bedeutet, dass man Gottheiten akzeptiert, die man bisher abgelehnt hat. Restitution ist das wahre Schlachtfeld der G\u00f6tter, wo Sterbliche Gottheiten vor anderen Gottheiten und Gottheiten die Sterblichen vor anderen Sterblichen retten.<\/p>\n<\/div>\n                <\/div>\n            <\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t    <\/div>\n<\/section>\n\n\n<section class=\"block block-accordion\">\n\t<div class=\"container-fluid\">\n\t\t<div class=\"row\">\n\t\t\t<div class=\"col-xs-12 col-md-offset-2 col-md-8\">\n\t\t\t\t<div class=\"box\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<block-accordion inline-template>\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"accordion\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<block-accordion-item inline-template item-headline=\"Auswahl der zitierten Arbeiten\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t<div ref=\"item\" data-id=\"AuswahlderzitiertenArbeiten\" class=\"block-accordion-item vue-initialize\" aria-expanded=\"false\" :aria-expanded=\"active ? 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Psychology Press.<\/p>\n<p>Crampton, A. (2015). Decolonizing social work \u2018best practices\u2019 through a philosophy of impermanence. <em>Journal of Indigenous Social Development<\/em>.<\/p>\n<p>Dabiri, E. (2021). <em>What White People Can Do Next<\/em>. Penguin UK.<\/p>\n<p>von Oswald, M., &amp; Rodatus, V. (2017). Decolonizing Research, Cosmo-optimistic Collaboration?, <em>5<\/em>(1). Retrieved February 18, 2022, from 10.3167\/armw.2017.050117<\/p>\n<p>Sarr, F. (2020). <em>Afrotopia<\/em>. U of Minnesota Press.<\/p>\n<p>Sarr, F., &amp; Savoy, B. (2018). <em>The Restitution of African Cultural Heritage: Toward a New Relational Ethics, trans. Drew S. Burk<\/em>. Paris: Minist\u00e8re de la culture.<\/p>\n<p>wa Thiong&#8217;o, N. (1992). <em>Decolonizing the mind<\/em>. East African Publishers.<\/p>\n<p>wa Thiong&#8217;o, N. (2014). <em>Globalectics: Theory and the politics of knowing<\/em>. Columbia University Press.<\/p>\n\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"row\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"col-xs-9 col-md-9\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"box\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t<\/block-accordion-item>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/block-accordion>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/section>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"featured_media":62396,"template":"","magazine-topic":[],"magazine-format":[],"magazine-author":[1576],"class_list":["post-59851","magazine-article","type-magazine-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","magazine-author-wan-wo-layir"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-article\/59851","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/magazine-article"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-article\/59851\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":62777,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-article\/59851\/revisions\/62777"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/62396"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=59851"}],"wp:term":[{"taxonomy":"magazine-topic","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-topic?post=59851"},{"taxonomy":"magazine-format","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-format?post=59851"},{"taxonomy":"magazine-author","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-author?post=59851"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}