{"id":83484,"date":"2023-05-24T15:06:48","date_gmt":"2023-05-24T13:06:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/?post_type=magazine-article&#038;p=83484"},"modified":"2023-05-24T16:44:54","modified_gmt":"2023-05-24T14:44:54","slug":"von-der-groesse-die-frage-nach-dem-deutschen-blick","status":"publish","type":"magazine-article","link":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/magazin\/artikel\/von-der-groesse-die-frage-nach-dem-deutschen-blick\/","title":{"rendered":"Von der Gr\u00f6\u00dfe. Die Frage nach dem deutschen Blick"},"content":{"rendered":"<section class=\"block block-html\">\n\t<aside class=\"container-fluid\">\n\t\t<div class=\"row\">\n\t\t\t<div class=\"col-xs-12 col-md-2 like-interactions\" aria-hidden=\"true\">\n\t\t\t\t<like :textbelow=\"true\"  nonce=\"760d600130\" postid= \"83484\" post-title=\"Von der Gr\u00f6\u00dfe. Die Frage nach dem deutschen Blick\" count=\"3\"><\/like>\n\n\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<div class=\"col-xs-12 col-md-8\">\n\t\t\t\t<div class=\"copy\"><p itemprop=\"abstract\" class=\"intro\">Diese \u00dcberlegungen entstanden nach einem Besuch der Afrika-R\u00e4ume im Humboldt Forum in Berlin. Ich hatte das Privileg, diese zu besichtigen, als sie sich noch in der Entstehung befanden und der \u00d6ffentlichkeit noch nicht zug\u00e4nglich waren. Gleichzeitig bin ich keine Deutschland-Expertin. Meine Kenntnisse \u00fcber dieses Land sind ausbauf\u00e4hig und -bed\u00fcrftig, doch sollte das den Inhalt meiner Ausf\u00fchrungen nicht wesentlich ber\u00fchren. Die Pr\u00e4sentation der afrikanischen Sammlungen im Humboldt Forum hat in mir die Frage aufgeworfen, mit welchem Blick eigentlich Afrodeutsche gesehen werden, die dieses Museum ja ebenfalls besuchen sollen. Die Gr\u00f6\u00dfe und das Ansehen des Landes, welches all diese Exponate besitzt, die so viele Menschen aus Subsahara-Afrika nie mit eigenen Augen sehen werden \u2013 strahlt all das auch auf jene Deutschen ab, die ihre Wurzeln in Afrika s\u00fcdlich der Sahara haben?  Kann es auf sie abstrahlen? Um diese einfache Frage zu beantworten, musste ich den folgenden Weg gehen.<\/p><\/copy><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/aside>\n<\/section>\n\n<section class=\"block block-copy\" >\n    <div class=\"container-fluid\">\n\t\t<div class=\"row \">\n            <div class=\"col-xs-12 col-md-offset-2 col-md-8\">\n                <div class=\"box\">\n                    <div class=\"copy\"><p><em>Den Text im Original (Franz\u00f6sisch) finden Sie <a href=\"https:\/\/www.humboldtforum.org\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/De-la-grandeur-La-question-du-regard_Leonora-Miano.pdf\">hier<\/a> als PDF.<\/em><\/p>\n<p>\u201eEs schickt sich hierzulande nicht, eine Person offen zu verleumden. Aber darauf l\u00e4sst sich auch leicht verzichten, da durch die hier g\u00fcltige Farbsymbolik eine Diffamierung der Schwarzen unterschwellig, und damit auch effektiver, geschieht. Das Schwarz-Wei\u00df-Raster in den K\u00f6pfen vorausgesetzt \u2013 und es ist vorauszusetzen \u2013 und die Wahrnehmung gen\u00fcgen, dass du auf die nichtwei\u00dfe Seite geh\u00f6rst, und du wirst als Auch-Mensch eingeordnet. Schwarze sind schlie\u00dflich auch Menschen.\u201c Diese Zeilen aus Ellen Wiedenroths Text \u201eWas macht mich so anders in den Augen der anderen?\u201c aus dem Buch \u201eFarbe bekennen, Afro-deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte\u201c[1] sind interessant, weil sie an die Anwesenheit von Menschen in Deutschland mit afrikanischen Vorfahren erinnern und an die Art der Beziehungen zwischen den <em>races<\/em> in diesem Land. Die englische \u00dcbersetzung dieses Buches erschien 1992 in den USA, der Originaltext wurde schon Mitte des vorangegangenen Jahrzehnts, 1986, in Deutschland ver\u00f6ffentlicht, dem Land, von welchem ausgehend es spricht und an das es sich haupts\u00e4chlich richtet.<\/p>\n<p>Welche Bedeutung hat dieses bahnbrechende Buch im Deutschland des 21. Jahrhunderts? Ist es ein zeitgen\u00f6ssischer Klassiker geworden, ein Instrument der Selbsterkenntnis und des Selbstverst\u00e4ndnisses f\u00fcr eine Gesellschaft, die es versteht, in den Spiegel zu schauen, den ihre marginalisierten Gruppen ihr vorhalten? Die Antwort l\u00e4sst sich zum Teil in der Tatsache finden, dass dieses Werk nicht ins Franz\u00f6sische \u00fcbersetzt und die amerikanische Ausgabe von einem Universit\u00e4tsverlag herausgegeben wurde. Auch wenn es geschrieben wurde, um das Schweigen zu brechen, wie der Titel andeutet, so ist \u201eFarbe bekennen\u201c ganz offenbar kein Buch f\u00fcr die breite \u00d6ffentlichkeit geworden und kein Text, auf den Menschen au\u00dferhalb akademischer Kreise zur\u00fcckgreifen. Das bedeutet, dass die im einleitenden Zitat erw\u00e4hnte \u201eunterschwellige Diffamierung\u201c wohl noch immer am Werk ist und dass die Ablehnung des Anderen, wie sie in fr\u00fcheren Darstellungen und diskursiven Praktiken verwurzelt ist, unbewusst, aber gewiss weiterlebt. Das bleibt nicht ohne Folgen f\u00fcr die Art und Weise, wie Menschen mit Abstammung aus L\u00e4ndern s\u00fcdlich der Sahara, die sch\u00e4digend rassifiziert und auf ihre \u00e4u\u00dferlichen Merkmale reduziert wurden, heute gesehen werden.<\/p>\n<p>\u201eIch muss mich in einer Gesellschaft behaupten, die neutral scheint, es aber nicht ist\u201d[2] sagt Abenaa Adomako, eine 23-j\u00e4hrige Afrodeutsche, die in diesem Buch von ihren Erfahrungen berichtet. Die Aussage zeigt, dass es eine tiefe Kluft zwischen Schein und Sein gibt, wobei Adomako die Schwierigkeiten betont, mit denen Deutsche afrikanischer Abstammung in einem Umfeld konfrontiert waren, das keinen Platz f\u00fcr sie vorgesehen hatte und sie folglich \u00fcberging und verschwieg. Doch die Pr\u00e4senz dieser vermeintlich verst\u00f6renden, obgleich damals wenig vorhandenen K\u00f6rper in der deutschen Landschaft, das Unbehagen, das sie ausl\u00f6sten, und die Unf\u00e4higkeit der Gesellschaft, sie aufzunehmen und zu einem Teil des nationalen Diskurses zu machen, all das erz\u00e4hlt etwas. Es erz\u00e4hlt von sp\u00e4ten und letztlich gescheiterten kolonialen Ambitionen, von einem unzureichend verarbeiteten Teil der Geschichte dieses Landes, der, weil er in der offiziellen Erz\u00e4hlung keinen Platz fand, zu einer andauernden Quelle von Schmerz und inzwischen von Peinlichkeit wurde.<\/p>\n<p>Jeder wei\u00df, dass die Aufteilung Afrikas unter den europ\u00e4ischen M\u00e4chten zwischen dem 15. November 1884 und dem 26. Februar 1885 in Berlin besiegelt wurde, das deutsche Kolonialreich jedoch war nur von kurzer Dauer. So kurz, dass \u201edie deutsche Bev\u00f6lkerung zwischen 1884 und 1918 keine Zeit hatte, sich an die Existenz ihres Kolonialreichs zu gew\u00f6hnen\u201c[3]. \u201eKontakte dorthin waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts selten, die Kolonien galten als wirtschaftlich wenig rentabel und im Gegensatz zu anderen M\u00e4chten hatte Deutschland keine Siedlungskolonien errichtet. Trotzdem war der Verlust dieses Reichs ein Schock und wurde als Dem\u00fctigung empfunden.\u201c[4] Tats\u00e4chlich wurden Menschen afrikanischer Abstammung im deutschen Raum deshalb lange Zeit verkannt, weil man wenig mit ihnen in Kontakt gekommen war, doch sie verk\u00f6rperten auch die eigene Niederlage und sogar den eigenen Verfall. Wie seine prominenten Mitstreiter und Konkurrenten aus England, Frankreich und Portugal hegte auch Deutschland koloniale Ambitionen \u2013 zun\u00e4chst auf eigenem europ\u00e4ischem Boden\u00a0 \u2013, das hei\u00dft einen Traum von Gr\u00f6\u00dfe, der es von Afrika bis nach Ozeanien f\u00fchrte. Um zu verstehen, wie dieses oft unerf\u00fcllte Begehren den Blick auf Bev\u00f6lkerungsgruppen nicht-europ\u00e4ischer Herkunft pr\u00e4gte, und um herauszufinden, wie dieser sich heutzutage manifestiert, muss man wohl ein Wort \u00fcber diese so erw\u00fcnschte Gr\u00f6\u00dfe verlieren.<\/p>\n<p>Der Begriff soll hier in seiner sozialen und politischen Bedeutung verstanden werden: als Ruhm, Macht und St\u00e4rke \u2013 die drei Begriffe, die am h\u00e4ufigsten als Synonyme f\u00fcr Gr\u00f6\u00dfe verwendet werden. Auf diesen Begriff greifen auch Staatsvertreter*innen zur\u00fcck, wenn sie einen Plan f\u00fcr ihr Land vorlegen und seitdem Nationen sich selbst ein politisches Schicksal schmieden. Wenn Regierende ein solches Ziel formulieren, dann nicht nur, weil sie von jener Machtgier besessen sind, die \u00fcber alle Zeiten und Kontinente hinweg blutige Eroberer hervorgebracht hat. Die Eliten sprechen auch deshalb von Gr\u00f6\u00dfe, weil das auf s\u00e4mtlichen Breitengraden den Nerv einer W\u00e4hlerschaft trifft, die dieses Wort noch immer zum Tr\u00e4umen bringt. Man will nicht zu den Ohnm\u00e4chtigen, den Verletzlichen, den Kolonisierbaren geh\u00f6ren. Dabei st\u00f6rt wenig, dass unter Gr\u00f6\u00dfe im politischen Sinne nie Gro\u00dfmut und W\u00fcrde verstanden wird. Oft ist sogar das Gegenteil der Fall, denn die F\u00e4higkeiten, die gefordert sind, um in den Kreis der \u201eGro\u00dfen\u201c aufgenommen zu werden, schlie\u00dfen verbrecherisches Handeln nicht aus. Man m\u00f6chte sich als B\u00fcrger*in eines m\u00e4chtigen Landes f\u00fchlen, das sich in als wichtig geltenden Bereichen wie beispielsweise Technik, R\u00fcstung oder Wirtschaft behauptet und beeindruckt.<\/p>\n<p>Zu den Machtvehikeln geh\u00f6rt auch die Kultur, und zwar in vielerlei Hinsicht. Ihre wichtigste Funktion besteht darin, Vorstellungen zu formen. In einem kolonialen Kontext muss man, nachdem man die K\u00f6rper unterworfen hat, sich des Geistes bem\u00e4chtigen, was bei jeder langfristig angelegten kolonialen Operation zu beobachten ist. Die intellektuelle und kulturelle Dominanz f\u00f6rdern die Zustimmung der Unterdr\u00fcckten zu vielen Aspekten des unterdr\u00fcckenden Systems, erschweren die Auflehnung gegen dieses und verlagern den Konflikt in die Psyche der Unterworfenen, was ihre M\u00f6glichkeiten verringert, sich davon zu befreien. Deshalb greifen Kolonialsysteme nicht nur auf physische Gewalt zur\u00fcck. Die symbolische Dimension ist weitaus wirksamer und weniger kostspielig. Sie bedient sich der \u201eunterschwelligen Diffamierung\u201c, von der Ellen Wiedenroth spricht. Gegenst\u00e4nde aus dem Kulturgut besiegter V\u00f6lker zu besitzen und zur Schau zu stellen, hei\u00dft niemals, diese V\u00f6lker zu w\u00fcrdigen, sondern die eigene Macht zu feiern. Auch Deutschland bildet da keine Ausnahme, wie wir sehen werden. Das geraubte oder im Rahmen ungleicher Tauschbeziehungen erworbene Kulturerbe, das zweckentfremdet und mit neuen Bedeutungen versehen wird, dient einer Erfindung des Anderen, die man f\u00fcr die eigene Aufwertung braucht. So beschr\u00e4nkt man sich zum Beispiel nicht darauf, eine Sprache aufzuzwingen, auch wenn damit angesichts der Tatsache, dass die Sprache Denken und Verstand strukturiert und damit Identit\u00e4ten ausbildet, schon viel erreicht ist. Die Sprache, die man in M\u00fcnder stopft, um in K\u00f6pfe zu dringen und ihre Weltsicht zu formen, dient auch dazu, oft frei erfundene Diskurse zu verbreiten, durch die Kolonisierte lernen, sich selbst mit fremdem Blick zu betrachten. Selbstbilder entstehen durch Erz\u00e4hlungen und Darstellungen, die stets mit einer \u2013 wenn auch knappen \u2013 Legende versehen sind. Schulb\u00fccher, die Kolonisierten vorgelegt werden, verbinden die verordnete Sprache mit einer Ikonografie, durch welche die Wirklichkeit selbst neu erfunden wird. Die Entfremdung, die aus einer solchen Unternehmung resultiert, ist durch eine abwertende Sicht auf die urspr\u00fcngliche Kultur gepr\u00e4gt. Bestenfalls erscheint diese als zur\u00fcckgeblieben und veraltet, was es rechtfertigt, sie hinter sich zu lassen. Schlimmstenfalls wird die bedrohte Kultur als verh\u00e4ngnisvoll angesehen, sodass sich Kolonisierte von ihren direkten Vorfahren selbst distanzieren und das, was ihnen vererbt wurde, verachten oder f\u00fcrchten. Sie m\u00fcssen sich davon l\u00f6sen, was aber nicht gelingt, weil die Welt sie weiter mit ihren Gro\u00dfeltern, die von der Geschichte mit F\u00fc\u00dfe getreten wurden, in Verbindung bringt oder gleichsetzt.<\/p>\n<p>Die Produktion solcher negativen Vorstellungen beschr\u00e4nkt sich dabei nicht auf die Kolonien. Sie ist auch in den L\u00e4ndern der Kolonialm\u00e4chte zu finden, wo sie den Blick auf Menschen aus eroberten Gebieten pr\u00e4gt. May Opitz zeigt das mit ihrer Untersuchung von Bildern, die man nach dem Zweiten Weltkrieg in deutschen Kinder- und Jugendb\u00fcchern fand.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a>\u00a0 Selbst in einem Deutschland, das seit Jahrzehnten keine Kolonien mehr besa\u00df, dessen Sprache weder verbreitet noch erhalten werden konnte und zudem durch die Nazi-Barbarei beschmutzt worden war, galt es als zwingend notwendig, der eigenen Kultur, der eigenen Identit\u00e4t und dem eigenen Image um jeden Preis Geltung zu verschaffen \u2013 und zwar auf Kosten der afrikanischen Kulturen. Mit diesen habe man es ja machen k\u00f6nnen, wenigstens das habe man sich nicht nehmen lassen.<\/p>\n<p>Damit eine bestehende Kultur sich entfalten und Einfluss gewinnen kann, reicht es nicht aus, dass sie beeindruckend und reich an Inhalten ist, die erheben, erbauen usw. Sie muss von politischer und wirtschaftlicher Kraft getragen werden. Sie muss \u00fcber ein Arsenal an Werkzeugen verf\u00fcgen, mit denen sie zahlreiche andere Kulturen in Schach halten kann. Es ist letztlich nicht nur ihr intrinsischer Wert, der eine Kultur zum Strahlen bringt. Es sind auch die wirtschaftlichen Mittel, \u00fcber die das Land verf\u00fcgt, aus dem sie hervorgeht, die Willenskraft, die es an den Tag legt, sein Streben nach der ber\u00fchmten <em>soft power<\/em>. Unter diesen Bedingungen hat der sogenannte Dialog der Kulturen manchmal den Charakter einer Vorlesung: Die einen erteilen Lektionen, die anderen sollen zuh\u00f6ren, die einen stellen sich als den Ma\u00dfstab dar, die anderen sollen ihn \u00fcbernehmen. Die Richtung wird dabei selten umgekehrt und nur die bereits dominierenden Kulturen scheinen mehr oder weniger gleichberechtigt im Gespr\u00e4ch zu sein. Doch im Grunde entstammen sie dem gleichen Ursprung, sie sind durch eine lange, kontinuierliche Geschichte miteinander verbunden, teilen gemeinsame Eigenschaften und \u00e4hnliche, wenn nicht gar gleiche Erfahrungen. Ihre Herkunftsl\u00e4nder haben sich in koloniale Eroberungsfeldz\u00fcge gest\u00fcrzt, welche die damalige Welt ver\u00e4ndert und die heutige hervorgebracht haben.<\/p>\n<p>Die westlichen Kulturen, von denen hier die Rede ist, dominieren noch immer. Sie haben die Welt und Wirklichkeit von heute geformt. Von Shanghai bis Singapur, von Pointe-Noire bis Nairobi arbeiten Banker*innen nach denselben Grunds\u00e4tzen, fahren in denselben, oft deutschen, Limousinen und kleiden sich bis zur Farbe des Anzugs im selben Stil. Nichts, was ihren beruflichen Alltag pr\u00e4gt \u2013 eine T\u00e4tigkeit, der sie den gr\u00f6\u00dften Teil ihrer Zeit widmen \u2013, stammt aus der Kultur ihrer Vorfahren. So ist es in allen oder fast allen Bereichen. Wir leben alle unter dem Regime einer Moderne, die in erster Linie eine Verwestlichung ist. Egal, wie k\u00fchn die Konkurrenten zum Westen auf wissenschaftlicher, milit\u00e4rischer oder wirtschaftlicher Ebene auch sein m\u00f6gen, es gibt nicht einen, dessen Denkweisen und Methoden per se als uneingeschr\u00e4nkt w\u00fcnschenswert gelten. Entscheidet man sich als junge*r Europ\u00e4er*in nordafrikanischer Abstammung zum Beispiel dazu, nach Dubai zu ziehen, dann deshalb, weil man in einem muslimischen Land leben will, das von Wolkenkratzern bedeckt ist, zwischen denen ordentlich asphaltierte Autobahnen verlaufen. In einer Beduinensiedlung mitten in der W\u00fcste w\u00fcrde man sich nicht niederlassen. Der Triumph des westlichen Modells hinsichtlich des materiellen Lebens der V\u00f6lker dieser Welt ist unbestreitbar.<\/p>\n<p>Was die proklamierten Werte des westlichen Systems angeht, scheinen die Dinge allerdings weniger eindeutig zu sein. Das Versagen des Westens, seine Ansichten zu bestimmten gesellschaftlichen und politischen Themen durchzusetzen, ist weniger auf den erbitterten Widerstand derjenigen zur\u00fcckzuf\u00fchren, die seine auf allen Ebenen beanspruchte Vormachtstellung ablehnen, sondern hat auch damit zu tun, wie der Westen seine eigenen Prinzipien immer wieder unterl\u00e4uft. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit werden sie verraten, vor allem in den Beziehungen zu anderen V\u00f6lkern. Zugleich ist es kaum \u00fcblich, dass westliche Regierungen vor internationale Gerichte gestellt werden, egal, welche Verantwortung sie in gro\u00dfen Konflikten oder sogar bei der Zerst\u00f6rung von Staaten tragen. Territoriale Anspr\u00fcche werden selten zu ihren Ungunsten entschieden und sie werden nicht bestraft, wenn sie gegen internationales Recht versto\u00dfen, wie man am Streit zwischen Frankreich und Madagaskar um die \u00celes \u00c9parses sehen kann. Die Demokratie, die man in den westlichen L\u00e4ndern beschw\u00f6rt, verhindert nicht, dass man mit autokratischen Regimes Handel treibt, unter unethischen Bedingungen hergestellte Waren importiert und ausgemachte Diktaturen unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Und der Krieg, der alle so in Panik versetzen sollte, dass er per se aus den Beziehungen zwischen den V\u00f6lkern verbannt werden m\u00fcsste, ist eine fast banale Angelegenheit, die man, wie jede andere, Gesetzen unterstellt, auch denen des Marktes. Tats\u00e4chlich ist das Fortbestehen bewaffneter Konflikte f\u00fcr Waffenh\u00e4ndler ja auch lukrativ und notwendig. Und unter diesen sind nat\u00fcrlich die historisch gewachsenen Hierarchien am Werk. Denn Gr\u00f6\u00dfe h\u00e4ngt vorwiegend von milit\u00e4rischer St\u00e4rke ab, aber auch von der F\u00e4higkeit, die wirksamsten Waffen zu entwickeln und zu vermarkten. In der Regel waren und sind die Gr\u00f6\u00dften und M\u00e4chtigsten diejenigen, die andere ausl\u00f6schen k\u00f6nnen. Weil das so ist, braucht man sich nicht wundern, dass das Imagin\u00e4re von Gesellschaften weltweit immer noch von Figuren besetzt ist, die sich der Vernichtung von V\u00f6lkern, Kulturen, Erinnerungen und Wissen gewidmet haben. Die Verbindung gro\u00dfer Teile der Erde durch die europ\u00e4ische Kolonialisierung hat nicht zu einer gleichberechtigten Verbreitung von Narrativen gef\u00fchrt, im Gegenteil: Sie hat Hierarchien verfestigt, die eine Wertsch\u00e4tzung dessen verhindern, was ein*e jede*r auf dieser Welt zur Erfahrung des Menschseins beizutragen hat.<\/p>\n<p>Nicht zuletzt aus diesem Grund werden in den heutigen westlichen Gesellschaften, die mit ihrer Kolonialgeschichte ein multiethnisches Schicksal gew\u00e4hlt haben, durch Minderheitengruppen Denkm\u00e4ler attackiert, die zu Ehren der Eroberer errichtet wurden. Die Forderungen dieser Gruppen nach Erinnerungsgerechtigkeit, nach gemeinsamer Gestaltung des \u00f6ffentlichen Raums und nach Ethik im Allgemeinen fanden nach der Ermordung von George Floyd gro\u00dfe Beachtung, doch sie sind nicht neu. Die Fragen, die diese Gruppen an die Gesellschaften richten, deren Teil sie sind, lauten: Wie treu steht man zu den selbst proklamierten Werten wie der Ablehnung von Diskriminierung und Rassismus, wie Gleichberechtigung usw.? Wie werden diese Werte im Alltag von L\u00e4ndern umgesetzt, die sich noch immer vor allem mit Erobererfiguren zu identifizieren scheinen? Und ist Solidarisierung \u00fcberhaupt m\u00f6glich, wenn man auf entgegengesetzten Seiten derselben Geschichte steht?<\/p>\n<p>Am lautesten und aufsehenerregendsten werden diese Fragen in L\u00e4ndern wie Gro\u00dfbritannien und Frankreich gestellt, da diese \u00fcber einen langen Zeitraum Kolonialm\u00e4chte gro\u00dfer Reichweite waren. Diese Vergangenheit hat in den Demos jener alten Nationen eine ethnische Vielfalt eingebracht, die Gebieten entstammt, welche einst unterjocht wurden. Und in vielen L\u00e4ndern, in denen Englisch oder Franz\u00f6sisch Amtssprache ist, ist die Bedeutung des britischen und franz\u00f6sischen Kolonialreichs noch immer sp\u00fcrbar. Die beiden ehemaligen Kolonialreiche stellen sich diesen Themen auf unterschiedliche Weise, wobei Gro\u00dfbritannien in vielerlei Hinsicht einen erkennbaren Vorsprung hat, ohne dass die Probleme deswegen aufh\u00f6rten zu existieren. In Wirklichkeit wird ganz Westeuropa in diesem teils lautstark gef\u00fchrten Gespr\u00e4ch angesprochen, zu dem es von seinen B\u00fcrger*innen nicht-europ\u00e4ischer Abstammung, die oft aus kolonisierten L\u00e4ndern stammen, aufgefordert wird.<\/p>\n<p>Der Fall Deutschland ist dabei recht singul\u00e4r. In den ehemaligen Kolonien wird zum Beispiel kaum noch Deutsch gesprochen, und wenn, dann handelt es sich meist nicht um die Reste fr\u00fcherer Einflussnahmen, sondern um Kenntnisse, die im Rahmen des Schulunterrichts heute erworben wurden. Sprache und Kultur werden vom heutigen Deutschland offenbar nicht als wirksames Mittel f\u00fcr seine internationale Positionierung in Betracht gezogen. Deutschland bem\u00fcht sich zwar weiterhin darum, als attraktiv zu gelten, doch tut es das nicht mit jenen Verf\u00fchrungsmitteln, mit denen L\u00e4nder wie Frankreich oder die USA operieren. Die deutsche <em>soft power<\/em> st\u00fctzt sich in erster Linie auf politische Stabilit\u00e4t und wirtschaftliche St\u00e4rke. Unter Angela Merkel nimmt das Land zwischen 2015 und 2017 fast eine Million Fl\u00fcchtlinge auf und setzt sich damit im Kampf um die Verteidigung der Menschenrechte an die Spitze. Mehr noch, die so ruhige wie resolute Entscheidung der Kanzlerin zu dieser Zeit zeichnet ein Bild von Deutschland, das die Schatten seiner Vergangenheit ein f\u00fcr alle Mal hinter sich gelassen zu haben scheint, damit die Welt in ein Zeitalter der Solidarit\u00e4t aufbrechen kann. Tats\u00e4chlich kommen die aufgenommenen Fl\u00fcchtlinge aus weit entfernten L\u00e4ndern und bringen unterschiedliche Kulturen mit. Ihnen die T\u00fcr so weit zu \u00f6ffnen, zeugt vom Vertrauen in die F\u00e4higkeit der Gesellschaft, sie aufzunehmen. Sie ern\u00e4hren, unterbringen, medizinisch versorgen und ausbilden, aber auch, sie integrieren und ein gelingendes Zusammenleben verschiedener Identit\u00e4ten erm\u00f6glichen zu k\u00f6nnen. Offenheit f\u00fcr die*den Andere*n und wirtschaftlicher Wohlstand werden so zu Konturen einer neuen Form von Gr\u00f6\u00dfe, die nicht von <em>hard power <\/em>abh\u00e4ngt, einer milit\u00e4rischen St\u00e4rke, die Deutschland nicht besitzt. Doch zeigt sich dieser erkl\u00e4rte Wille, sich mit den Schw\u00e4chsten zu solidarisieren, auch im Mut, sich beispielsweise der Geschichte und Pr\u00e4senz von Afrodeutschen im Land anzunehmen?<\/p>\n<p>Da Deutschland, das schon fr\u00fch seine Kolonien verlor, noch immer von der Trag\u00f6die des Nationalsozialismus gepr\u00e4gt ist, sind dem Ausland die Folgen von Deutschlands Kolonialgeschichte, seine Beziehungen zu ehemals beherrschten Gebieten und die Situation von afrikanischst\u00e4mmigen B\u00fcrger*innen im Land kaum bekannt. Zwar h\u00f6rt man gelegentlich vom V\u00f6lkermord<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> an den Herero und Nama, aber h\u00e4ufig nur, um ihn in die Menge der Verbrechen einzureihen, welche die Westeurop\u00e4er insgesamt in den von ihnen in Besitz genommenen L\u00e4ndern begangen haben. \u00dcber Afrikaner*innen, die in Konzentrationslager gesteckt wurden, spricht man nur selten, obwohl der Rassismus des Naziregimes gegen\u00fcber Menschen afrikanischer Herkunft Spuren hinterlassen hat. Wir erinnern uns an Adolf Hitlers Reaktion auf den triumphierenden Jesse Owens bei den Olympischen Spielen 1936. Man wei\u00df, wie die franz\u00f6sische Armee verachtet wurde, weil sie auch afrikanische Truppen zu den ihren z\u00e4hlte, was die Nazis als eine Form von selbstgewolltem Abstieg betrachteten. Zudem empfanden sie es als Beleidigung, wenn Europ\u00e4er ihnen Soldaten aus kolonisierten L\u00e4ndern gegen\u00fcberstellten und sie so dazu zwangen, gegen Kontrahenten zu k\u00e4mpfen, die sie als Untermenschen ansahen.<\/p>\n<p>Die deutschen Massaker an von der franz\u00f6sischen Armee rekrutierten Afrikanern erfolgten dementsprechend im Modus der Jagd. \u201eDie deutschen Soldaten, ob sie nun der Wehrmacht oder der Waffen-SS angeh\u00f6rten, verhielten sich wie J\u00e4ger, die die Infanteristen mit Beute gleichsetzten.\u201c[7] Die Verbannung der Afrikaner aus der menschlichen Spezies ging so weit, dass ihnen sogar die Bestattung verweigert wurde. W\u00e4hrend des Frankreichfeldzugs (Mai 1940 &#8211; August 1940) wurde die Beisetzung sterblicher \u00dcberreste von Afrikanern h\u00e4ufig von den Nazi-Besatzern verboten. Es wurde angeordnet, diesen nicht die letzte Ehre zu erweisen, obwohl das f\u00fcr franz\u00f6sische Soldaten europ\u00e4ischer Herkunft \u00fcblich war.[8] Doch auch wenn der Nationalsozialismus den Rassismus gegen\u00fcber Menschen aus Subsahara-Afrika versch\u00e4rfte, war er dennoch nicht dessen Ursprung. Vielmehr traf er auf den fruchtbaren Boden, den die deutsche, von Rassentrennung gepr\u00e4gte Kolonialpolitik schon bereitet hatte. Da \u201edie Assimilation und juristische Gleichbehandlung der \u201aIndigenen\u2018 nie in Betracht gezogen wurde\u201c[9], betrachtete man Afrikaner*innen und Deutsche grunds\u00e4tzlich als zu zwei verschiedenen menschlichen Kategorien geh\u00f6rig. Gleichwohl zeigten sich in diesem Denksystem durch die Umst\u00e4nde auch Widerspr\u00fcche, wie die Verbindungen zwischen deutschen M\u00e4nnern und afrikanischen Frauen beweisen.<\/p>\n<p>Da in den Kolonien selten deutsche Frauen zugegen waren, gingen die M\u00e4nner Beziehungen zu Afrikanerinnen ein, die sie in den meisten F\u00e4llen allerdings nicht heirateten. Einige taten es aber doch, denn ihre Ehefrauen und Kinder erlangten so gem\u00e4\u00df den Bestimmungen des Deutschen Indigenatsgesetzes von 1870 die deutsche Staatsangeh\u00f6rigkeit. Weil aus diesen Ehen jedoch immer mehr Kinder hervorgingen, wurden Ehen dieser Art ab 1905 verboten und zwei Jahre sp\u00e4ter alle vor diesem Datum geschlossenen Ehen f\u00fcr ung\u00fcltig erkl\u00e4rt.[10] Die Beziehungen zwischen Deutschen und Afrikaner*innen waren also von Anfang an vertrackt. Und nat\u00fcrlich handelte es sich, wie in jeder kolonial gepr\u00e4gten Situation, um ein zwangsl\u00e4ufig ungleiches Verh\u00e4ltnis. Wenn einer seine eigene Gr\u00f6\u00dfe aus der Erniedrigung anderer Menschen ableitet, ist es schwierig, gesunde Beziehungen zu ihm zu unterhalten. Deutschland war in dieser Hinsicht allerdings nicht schlimmer als andere Kolonialm\u00e4chte. Ihre Politik war \u00fcberall von jenem Schwanken zwischen Vertrautheit und Ablehnung gepr\u00e4gt, und \u00fcberall war Rassismus die Regel.<\/p>\n<p>Um auf die zu Textbeginn beschriebene Situation zur\u00fcckzukommen: Was hier aufgezeigt werden soll, ist die historische Entwicklung, die zu einer verzerrten Wahrnehmung der Beziehung Deutschlands zu Afrika und damit auch zur Pr\u00e4senz von Afrodeutschen im Land gef\u00fchrt hat. Was zu vermessen ist, ist die komplexe Geschichte, die ein koloniales Unbewusstes produziert hat, denn dieses gilt es in Deutschland und anderswo zu untersuchen. Auch wenn die Welt der Kolonie weit entfernt war, so wirkte sie doch immer wieder in den Alltag des kolonisierenden Landes hinein und erzeugte dort spannungsreiche Situationen. Unter der Herrschaft von Wilhelm II. (1888-1918) etwa hatten einige der wenigen afrikanischen Einwanderer in Deutschland die M\u00f6glichkeit, sich einb\u00fcrgern zu lassen. Wenn sie jedoch deutsche Frauen heirateten, so war ihnen die R\u00fcckkehr in ihr Heimatland f\u00fcr immer verwehrt, denn dort blieben solche Verbindungen weiterhin verboten. Und wie man sich denken kann, wurden die Dinge unter dem nationalsozialistischen Regime nicht einfacher.<\/p>\n<p>In der Nazizeit von 1933 bis 1945 gibt es Tausende von Afrodeutschen im Land. Nach und nach werden ihnen sexuelle Beziehungen zu Wei\u00dfen untersagt. Kommt es dennoch dazu, werden sie von den Nationalsozialisten als Vergewaltigung oder Prostitution gebrandmarkt.[11]\u00a0 Afrodeutsche werden h\u00e4ufig aus dem Schulsystem ausgeschlossen und d\u00fcrfen bestimmte Berufe nicht aus\u00fcben.[12]\u00a0 Ihre grausame Diskriminierung tr\u00e4gt dazu bei, dass ihre Gegenwart ausradiert und verschwiegen wird. Ihr Verschwinden ist trotz der Deportationen in Konzentrationslager dennoch kein rein physisches. Wie in anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern erfahren Afrodeutsche ihre Andersartigkeit in der Einsamkeit, in den negativen Bildern in ihren Kinderb\u00fcchern, in abwertenden Liedern \u00fcber Schwarze usw. Sie erfahren nicht die Unterst\u00fctzung durch eine Gemeinschaft und wachsen ohne positive Bezugsfiguren auf.<\/p>\n<p>Selbst wenn man sich ausschlie\u00dflich diesem Thema widmen w\u00fcrde, w\u00e4re es unm\u00f6glich, die wichtigsten Ereignisse der afrodeutschen Geschichte in einem einzigen Artikel zu behandeln. Eine afrodeutsche Erfahrung existiert, das muss betont werden, und sie ist reicher und komplexer als es den Anschein hat, denn sie schlie\u00dft auch Menschen mit afroamerikanischen Eltern ein sowie Einwanderer und Einwanderinnen aus L\u00e4ndern, die nicht von Deutschland kolonisiert wurden. Die Frage ist jedoch, wie sich diese \u2013 die seit den 1980er Jahren mit Figuren wie May Opitz, K\u00fcnstlername May Ayim, oder ihrer \u00e4lteren Schwester Ika H\u00fcgel-Marshall aktiv auf sich aufmerksam zu machen versucht \u2013 auf die Konstruktion eines postkolonialen Narrativs der vielfachen <em>races<\/em> im Land auswirkt, wobei <em>race<\/em> im sozialen Sinn zu verstehen ist. Beschr\u00e4nkt sich die Suche Deutschlands nach einer nicht-milit\u00e4rischen Form der Gr\u00f6\u00dfe auf seine Wirtschaftsleistung? Z\u00e4hlt die gesamtgesellschaftliche Ausrichtung und insbesondere die Behandlung negativ rassifizierter Gruppen ebenso, um sich ein solidarisches und friedliches Gesicht zu geben?<\/p>\n<p>Deutschland wird von den anderen L\u00e4ndern der Europ\u00e4ischen Union immer noch als dominantes Land wahrgenommen. Bei der kleinsten Meinungsverschiedenheit mit Deutschland f\u00e4llt der Name Bismarck oder gar Hitler. In einer Zeit, in der die neuen Kommunikationstechnologien Informationen blitzschnell verbreiten, wird eine solche Kritik an Berlin auch in jenen Teilen von Subsahara-Afrika vernommen, wo Deutschland ebenfalls eine Rolle spielen oder diese festigen m\u00f6chte. Wie viele seiner europ\u00e4ischen Mitstreiter verzichtet Deutschland, obwohl es seine Kolonien verloren und seine milit\u00e4rische Macht auf ein Minimum beschr\u00e4nkt hat, nicht auf symbolische Gewalt. Auch wenn der Versailler Vertrag (1919) von Deutschland als Dem\u00fctigung empfunden wurde, zwang dieser es nicht dazu, die Objekte aus Subsahara-Afrika herzugeben, die lange Zeit die ethnografischen Sammlungen seiner Museen bereicherten und nun im Humboldt Forum unklar definierte Funktionen erf\u00fcllen sollen. \u201eWeil das Projekt des Berliner Humboldt Forums die Verlagerung der afrikanischen Sammlungen ins Zentrum der deutschen Hauptstadt vorsieht, hat es die heikle Frage des schweren kolonialen Erbes Preu\u00dfens in den Mittelpunkt der \u00f6ffentlichen Debatte ger\u00fcckt. Tats\u00e4chlich hat dieses ehrgeizige Projekt das Ziel, den europ\u00e4ischen Sammlungen auf der Museumsinsel die afrikanischen, aber auch die asiatischen, amerikanischen und ozeanischen Sammlungen gegen\u00fcberzustellen, die bisher im Randbezirk Dahlem untergebracht waren, und dieses neue Museum zu einem Zentrum f\u00fcr die Strahlkraft au\u00dfereurop\u00e4ischer Kulturen zu machen.\u201c[13]<\/p>\n<p>Auff\u00e4llig ist dabei, dass die Kulturen der Welt nicht die von Europa einschlie\u00dfen und dass sich die Neigung, sich au\u00dferhalb des gemeinsamen Raums zu positionieren, fortsetzt. Die Welt, zu der Europa nicht geh\u00f6rt, ist un\u00fcbersehbar jene, in die es einst eindrang und die es misshandelte. Allein die Nennung der betreffenden Gebiete kn\u00fcpft bereits an das Bild der niedergeworfenen V\u00f6lker in Afrika, Asien, Nord- und S\u00fcdamerika und Ozeanien an. Einige von ihnen existieren nicht mehr. Bemerkenswert ist auch, dass \u00c4gypten, um nur ein Land zu nennen, nicht zu dem geh\u00f6rt, was Afrika repr\u00e4sentieren soll, einen Kontinent, auf dem es sich doch ohne jeden Zweifel seit Jahrtausenden befindet. Auch an dieser Aussparung ist ein Diskurs abzulesen. Weil Europa das alte \u00c4gypten bewunderte und sich oft an seiner Quelle labte, platziert man es nicht in demselben Raum, der den subalternen Kulturen Afrikas gewidmet ist, wie sie von kolonialen Vorstellungswelten konstruiert wurden. Dass wir uns inzwischen im 21. Jahrhundert befinden, \u00e4ndert daran wenig.<\/p>\n<p>Die Art und Weise, wie die meisten Exponate aus Subsahara-Afrika im Humboldt Forum ausgestellt sind, l\u00e4sst die V\u00f6lker, die sie geschaffen haben, als minderwertig erscheinen. Und so werden sie auch heute noch wahrgenommen, denn das, was sie hervorgebracht haben, wird nicht mit dem Ziel pr\u00e4sentiert, die V\u00f6lker n\u00e4herzubringen. Mit jeder Vitrine wird nur der Sammler der Ausstellungsst\u00fccke gew\u00fcrdigt, seine Interessen und seine mehr oder weniger zahlreichen Reisen ins Herz der Finsternis. Je nachdem, was der einzelne Sammler aus verschiedenen Kulturen zusammentragen konnte, findet man sich vor einem Sammelsurium von Objekten wieder, die nicht miteinander in Verbindung gebracht werden k\u00f6nnen. Es gibt viele davon, und einige davon sind von au\u00dfergew\u00f6hnlichem Wert, doch Afrika fehlt an diesem Ort. Was man stattdessen antrifft, ist Verwirrung: eine Art innere Unordnung, von der diese Nation mit ihrer besonderen Geschichte offenbar immer noch verfolgt ist, weil sie im Grunde nicht wei\u00df, wie sie auf andere zugehen soll.<\/p>\n<p>Sich anderen anzun\u00e4hern, wenn diese Afrikaner*innen sind und man selbst ein westeurop\u00e4isches Land ist \u2013 eines von denen, die einen Kontinent unter sich aufgeteilt haben, ohne seine Bewohner*innen zu fragen \u2013, hei\u00dft zun\u00e4chst, diese im eigenen Inneren aufzusuchen: dort, wo eine zum Schweigen gebrachte Geschichte sie abgestellt hat. W\u00e4re den Verantwortlichen des Humboldt Forums auch nur einmal in den Sinn gekommen, dass ihre afrikanischen Sammlungen auch von Deutschen mit Wurzeln s\u00fcdlich der Sahara gesehen werden w\u00fcrden, h\u00e4tten sie vielleicht anders \u00fcber die Gestaltung der R\u00e4ume nachgedacht. Sicher h\u00e4tten sie die Bedeutung des Diskurses erkannt, der solche Objekte begleiten muss, des Lichts, das Worte auf sie werfen. Junge Afrodeutsche werden mit ihren Eltern und Schulkamerad*innen in diese R\u00e4ume kommen. Manche Jugendliche oder junge Erwachsene werden sie allein besuchen. Sie werden nichts \u00fcber Afrika erfahren, sondern h\u00f6ren, wie Deutschland sich selbst eine Geschichte erz\u00e4hlt, die im Jahr 2021 unm\u00f6glich zu verstehen ist. Sie werden nicht Afrika sehen, sondern einen Blick auf Afrika, der auch sie beleidigt. Die Tatsache, dass man hin und wieder zeitgen\u00f6ssische afrikanische K\u00fcnstler*innen einl\u00e4dt, um ihre Werke zu pr\u00e4sentieren, l\u00f6st das Problem nicht, sondern macht es nur umso deutlicher. Die Gelegenheit, die ihnen geboten wird und die sie angesichts der Schwierigkeiten bei der Aus\u00fcbung ihres Berufs in Afrika meist nicht ablehnen k\u00f6nnen, zeugt von der Asymmetrie, die unter den durch die Kolonialisierung verbundenen Weltgegenden immer noch vorherrscht.<\/p>\n<p>Wie andere europ\u00e4ische L\u00e4nder mit demselben Problem f\u00fchlt sich auch Deutschland nicht immer besonders wohl, wenn es um die brennende Frage nach der R\u00fcckgabe von Kulturg\u00fctern geht. Dieses Thema, daran zu erinnern, ist wichtig und reicht weit \u00fcber den Fall von Subsahara-Afrika hinaus. Auch von allen anderen menschlichen Gemeinschaften, die im Humboldt Forum zu finden sind, auch in all den anderen Welten werden diesbez\u00fcglich Forderungen erhoben, ob es sich nun um Objekte oder menschliche \u00dcberreste handelt. Westeuropa hat eben massenweise gepl\u00fcndert, gedem\u00fctigt und gesch\u00e4ndet&#8230; Was den Fall von Subsahara-Afrika in dieser Hinsicht besonders macht, ist das Ausma\u00df des Raubs. Westliche Institutionen, die im Besitz seines Kulturerbes sind, suchen nach unterschiedlichsten Tricks, um den wenigen Forderungen nach einer R\u00fcckgabe nicht nachkommen zu m\u00fcssen \u2013 denn Anspr\u00fcche werden l\u00e4ngst nicht auf alle St\u00fccke erhoben. Mal h\u00e4lt man es nicht f\u00fcr sinnvoll, darauf einzugehen, mal laviert man herum, mal stimmt man einer Ausleihe oder Weitergabe zu&#8230; Offenbar bietet dieses Erbe aus Subsahara-Afrika \u2013 das nicht einmal in G\u00e4nze gezeigt werden kann, so gro\u00df ist der Besitz an Werken \u2013 den Europ\u00e4ern, die es an sich gerissen haben, eine Materialisierung ihrer Gr\u00f6\u00dfe, auf die sie nicht mehr verzichten k\u00f6nnen. Das eigene Spiegelbild, zu dem das geschundene Afrika ihnen verhilft, ist f\u00fcr L\u00e4nder, die ihre Gr\u00f6\u00dfe aus der Unterwerfung anderer ableiten, unverzichtbar geworden.<\/p>\n<p>Im Hinblick auf die Afrop\u00e4er*innen, in diesem Fall die Afrodeutschen, wird nicht bemerkt, dass dieser ver\u00e4chtliche Blick, diese abwertende Erz\u00e4hlung pathologische Identit\u00e4tskonstruktionen hervorbringt, die f\u00fcr das ganze Land sch\u00e4dlich sind. Misshandelt man den afrikanischen Teil der eigenen Bev\u00f6lkerung weiter so brutal, dann gef\u00e4hrdet man auch dessen Beziehung zu diesem Land. Schwarze sind schlie\u00dflich \u201eauch\u201c Menschen, sagt Ellen Wiedenroth. Doch was man zudem betonen muss: Afrodeutsche sind auch und manchmal sogar in erster Linie Deutsche. Die Geschichtsschreibung ihres Landes kann seine kolonialen Eskapaden nicht ausblenden. Da die afrikanischen Sammlungen im Humboldt Forum und in anderen europ\u00e4ischen Museen bislang nur von der Gr\u00f6\u00dfe derjenigen singen, die all diese Objekte in ihren Besitz gebracht haben, m\u00fcssen nun die afrop\u00e4ischen Strophen komponiert und angestimmt werden. Es muss daran erinnert werden, dass zu den westeurop\u00e4ischen Nationen Menschengruppen geh\u00f6ren, die aus der Gewalt gegen Afrika hervorgegangen sind und deren Alltag immer noch durch die negative Rassifizierung von Subsahara-Afrikaner*innen und ihren Nachkommen auf der ganzen Welt gepr\u00e4gt ist. Wie wird das Prestige, das man aus dem Besitz afrikanischer Kunstgegenst\u00e4nde zieht, auf Europ\u00e4er*innen mit afrikanischen Wurzeln \u00fcbertragen? Diese Frage sollte die Gem\u00fcter besch\u00e4ftigen. Wenn es so weit ist, wird Gr\u00f6\u00dfe nicht mehr dasselbe Gesicht haben k\u00f6nnen. Vielleicht werden seine neuen Z\u00fcge etwas mit Gro\u00dfmut zu tun haben.<\/p>\n<p><strong>L\u00e9onora Miano<\/strong><\/p>\n<p><em>Lom\u00e9, am 12. September 2021<\/em><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><\/a><\/p>\n<\/div>\n                <\/div>\n            <\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t    <\/div>\n<\/section>\n\n\n<section class=\"block block-accordion\">\n\t<div class=\"container-fluid\">\n\t\t<div class=\"row\">\n\t\t\t<div class=\"col-xs-12 col-md-offset-2 col-md-8\">\n\t\t\t\t<div class=\"box\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<block-accordion inline-template>\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"accordion\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<block-accordion-item inline-template item-headline=\"Fu\u00dfnoten\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t<div ref=\"item\" data-id=\"Funoten\" class=\"block-accordion-item vue-initialize\" aria-expanded=\"false\" :aria-expanded=\"active ? 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In: <em>Outre-mers<\/em>, Bd. 394-395, Nr. 1, 2017, S. 269-301.<\/p>\n<p>[4] a.a.O.<\/p>\n<p>[5] May Ayim\/Opitz: <em>Rassismus hier und heute. Allt\u00e4glicher Rassismus in Kinder- und Jugendb\u00fcchern<\/em>. In: <em>Farbe bekennen<\/em>, a.a.O., S. 128-133.<\/p>\n<p>[6] Diese Bezeichnung wird zuweilen infragegestellt, da manche sie nur f\u00fcr den Mord an den europ\u00e4ischen Juden benutzt wissen wollen. Doch auch im Fall der Herero war die Absicht am Werk, eine Bev\u00f6lkerung in G\u00e4nze oder in Teilen nur f\u00fcr das, was sie ist, auszul\u00f6schen \u2013 und juristisch ist damit ein V\u00f6lkermord bezeichnet.<\/p>\n<p>[7] Julien Fargettas: \u201eSind Schwarze da?\u201c <em>La chasse aux tirailleurs s\u00e9n\u00e9galais. Aspects cyn\u00e9g\u00e9tiques de violences de guerre et de violences raciales durant la campagne de France, mai 1940 \u2013 ao\u00fbt 1940<\/em>, in: <em>Revue historique des arm\u00e9es<\/em>, Nr. 271, 2013, S. 42-50.<\/p>\n<p>[8] Julien Fargettas, a.a.O.<\/p>\n<p>[9] Martina Nebel: <em>Les Africains noirs en Allemagne eet en France au miroir de l\u2019histoire<\/em>, in: <em>Hommes et migrations<\/em> Nr. 1221, 1999, S.93-102<\/p>\n<p>[10] Martina Nebel, a.a.O.<\/p>\n<p>[11] May Opitz\/Katharina Oguntoye\/Dagmar Schultz (Hrsg.): a.a.O., S. 41.<\/p>\n<p>[12] Damian Zane: <em>\u00catre noir dans l\u2019Allemagne nazie<\/em>, in: BBC News Afrique vom 27. Mai 2019.<\/p>\n<p>[13] H\u00e9l\u00e8ne Ivanoff: <em>Allemagne-Afrique: de l\u2019art spoli\u00e9 \u00e0 l\u2019h\u00e9ritage colonial partag\u00e9?<\/em>, in: <em>Allemagne d\u2019aujourd\u2019hui<\/em>, Bd. 217, Nr. 3, 2016, S. 198-207<\/p>\n\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"row\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"col-xs-9 col-md-9\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"box\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t<\/block-accordion-item>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/block-accordion>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/section>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"featured_media":83468,"template":"","magazine-topic":[],"magazine-format":[123],"magazine-author":[],"class_list":["post-83484","magazine-article","type-magazine-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","magazine-format-artikel"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-article\/83484","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/magazine-article"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-article\/83484\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":83547,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-article\/83484\/revisions\/83547"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/83468"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=83484"}],"wp:term":[{"taxonomy":"magazine-topic","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-topic?post=83484"},{"taxonomy":"magazine-format","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-format?post=83484"},{"taxonomy":"magazine-author","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-author?post=83484"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}