{"id":169833,"date":"2026-08-07T15:21:28","date_gmt":"2026-08-07T13:21:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/?post_type=magazine-article&#038;p=169833"},"modified":"2026-08-07T15:21:30","modified_gmt":"2026-08-07T13:21:30","slug":"funf-jahre-offen","status":"publish","type":"magazine-article","link":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/en\/magazine\/article\/funf-jahre-offen\/","title":{"rendered":"F\u00fcnf Jahre offen"},"content":{"rendered":"<section class=\"block block-copy block-no-margin\" >\n    <div class=\"container-fluid\">\n\t\t<div class=\"row \">\n            <div class=\"col-xs-12 col-md-offset-2 col-md-8\">\n                <div class=\"box\">\n                    <div class=\"copy\"><\/div>\n                <\/div>\n            <\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t    <\/div>\n<\/section>\n\n<section class=\"block block-html\">\n\t<aside class=\"container-fluid\">\n\t\t<div class=\"row\">\n\t\t\t<div class=\"col-xs-12 col-md-2 like-interactions\" aria-hidden=\"true\">\n\t\t\t\t<like :textbelow=\"true\"  nonce=\"0de495a508\" postid= \"169833\" post-title=\"F\u00fcnf Jahre offen\" count=\"0\"><\/like>\n\n\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<div class=\"col-xs-12 col-md-8\">\n\t\t\t\t<div class=\"copy\"><p itemprop=\"abstract\" class=\"intro\">F\u00fcnf Jahre nach der Er\u00f6ffnung hat sich das Humboldt Forum als Ort f\u00fcr Kultur, Wissenschaft und gesellschaftlichen Austausch etabliert. Hartmut Dorgerloh, Marion Ackermann, Julia von Blumenthal und Sophie Plagemann blicken auf Erfolge, Herausforderungen und neue Formen der Zusammenarbeit zur\u00fcck. Gleichzeitig sprechen sie \u00fcber die Zukunft des Hauses und dar\u00fcber, wie das Humboldt Forum auch weiterhin Dialog, Teilhabe und internationale Perspektiven st\u00e4rken will.<\/p><\/copy><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/aside>\n<\/section>\n\n<section class=\"block block-copy block-no-margin\" >\n    <div class=\"container-fluid\">\n\t\t<div class=\"row \">\n            <div class=\"col-xs-12 col-md-offset-2 col-md-8\">\n                <div class=\"box\">\n                    <div class=\"copy\"><h6>Herr Dorgerloh, wir feiern f\u00fcnf Jahre Humboldt Forum. Was ist f\u00fcr Sie pers\u00f6nlich die wichtigste Erkenntnis aus diesem bisher einmaligen Projekt? Was hat sich als schwieriger erwiesen als gedacht, was als einfacher?<\/h6>\n<p><strong>Hartmut Dorgerloh:<\/strong> Die wichtigste Erkenntnis lautet: Es funktioniert. Nach den vielen kontroversen Debatten um Konzept, Inhalte und Architektur ist es alles andere als selbstverst\u00e4ndlich, dass sich das Humboldt Forum so erfolgreich etabliert hat. Mit rund 3,3 Millionen Besucher*innen pro Jahr ist das Humboldt Forum heute ein fester Bestandteil der Berliner Kulturlandschaft.<\/p>\n<p>Besonders beeindruckt mich, wie vielf\u00e4ltig das Publikum das Haus nutzt und wie stark sich die Marke Humboldt Forum national und international entwickelt hat. Von Kita-Gruppen, f\u00fcr die wir bereits vor der regul\u00e4ren \u00d6ffnungszeit \u00f6ffnen, \u00fcber viele junge Besucher*innen bis hin zu einem hohen Anteil an Wiederkehrenden: Die Menschen haben sich diesen Ort auf ganz unterschiedliche Weise angeeignet. Dass dies so schnell gelingen w\u00fcrde, h\u00e4tte ich nicht erwartet.<\/p>\n<p>Gleichzeitig haben sich einige Herausforderungen erst im laufenden Betrieb gezeigt. Das Haus wurde zu gro\u00dfen Teilen am gr\u00fcnen Tisch geplant, und nicht alle Annahmen haben sich in der Praxis bew\u00e4hrt. So war urspr\u00fcnglich vorgesehen, dass die meisten Besucher*innen den Eingang unter der Kuppel nutzen. Tats\u00e4chlich kommen nur etwa f\u00fcnf Prozent auf diesem Weg ins Haus. Die gro\u00dfe Mehrheit betritt das Humboldt Forum durch die Portale, was Auswirkungen auf die Besucherf\u00fchrung hat.<\/p>\n<p>Auch die gro\u00dfe Beliebtheit der Dachterrasse war in diesem Ausma\u00df nicht absehbar. Da sie erst sp\u00e4t in die Planung aufgenommen wurde, waren die Aufz\u00fcge bereits festgelegt. Deshalb kommt es dort bis heute h\u00e4ufig zu Wartezeiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h6>Sie betonen immer, dass das Humboldt Forum \u201emehr als ein Museum\u201c sei. Was ist f\u00fcr Sie dieses \u201eMehr\u201c?<\/h6>\n<p><strong>Hartmut Dorgerloh:<\/strong> Das Humboldt Forum ist weit mehr als ein Museum. Es vereint nicht nur die Angebote verschiedener kultureller Partner*innen unter einem Dach, sondern versteht sich auch als internationales Programmhaus und Ort mit hoher Aufenthaltsqualit\u00e4t.<\/p>\n<p>Menschen kommen aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden hierher: von G\u00e4sten, die den \u201eOrt der W\u00e4rme\u201c nutzen, den wir regelm\u00e4\u00dfig im Winter anbieten, bis hin zu Tourist*innen, die die Dachterrasse besuchen m\u00f6chten. Andere kommen zu Konzerten, zu Veranstaltungen oder zum Wintermarkt. Diese Vielfalt macht das Haus besonders.<\/p>\n<p>Unsere St\u00e4rke liegt darin, f\u00fcr sehr unterschiedliche Besucher*innen einen gemeinsamen Ort zu schaffen. Das Humboldt Forum soll Menschen mit verschiedenen Hintergr\u00fcnden, Perspektiven und Interessen zusammenbringen und den Austausch f\u00f6rdern. Es versteht sich als Raum der Begegnung, der Gemeinsinn und gesellschaftlichen Zusammenhalt st\u00e4rkt.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist genau das das Besondere am Humboldt Forum: Hier kommen unterschiedliche Menschen miteinander ins Gespr\u00e4ch. Solche Orte sind heute wichtiger denn je.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h6>Frau Ackermann, mehr als ein Museum, aber eben auch ein Museum: Das sind von der SPK das Ethnologische Museum und das Museum f\u00fcr Asiatische Kunst als Akteure des Humboldt Forums. Was m\u00fcssen diese Museen heute leisten, um mehr als ein klassisches Museum zu sein?<\/h6>\n<p><strong>Marion Ackermann:<\/strong> Grunds\u00e4tzlich sollte heute jedes Museum mehr sein als ein Museum. Es sollte sich als Netzwerk verstehen, als Ort des Austauschs, der Zusammenarbeit und der gesellschaftlichen Auseinandersetzung.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Ethnologische Museum und das Museum f\u00fcr Asiatische Kunst bedeutete der Umzug von Dahlem ins Humboldt Forum in vielerlei Hinsicht einen Neuanfang. Die Sammlungen wurden in neue Zusammenh\u00e4nge gestellt, viele Kooperationen sind entstanden und haben andere Perspektiven er\u00f6ffnet. Trotz der schwierigen Bedingungen w\u00e4hrend der Pandemie war das eine gro\u00dfe Chance.<\/p>\n<p>Zugleich hat sich das Verst\u00e4ndnis von Museen weltweit ver\u00e4ndert. Gerade die Zusammenarbeit mit internationalen Partner*innen, insbesondere in afrikanischen L\u00e4ndern, hat dazu beigetragen, traditionelle, europ\u00e4isch gepr\u00e4gte Sichtweisen zu hinterfragen und neue Formen des Austauschs zu entwickeln. Daraus haben die Museen zahlreiche Projekte und Formate entwickelt, die auf Zusammenarbeit und offene Prozesse setzen. Dazu geh\u00f6ren auch Formate wie die Global Cultural Assembly oder das Projekt \u201eCoMuse: Das Kollaborative Museum\u201c.<\/p>\n<p>Das Humboldt Forum ist deshalb weit mehr als die Summe seiner Museen. Gemeinsam mit den anderen Akteuren im Haus entsteht ein Ort, an dem unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen und miteinander ins Gespr\u00e4ch treten. Meine Kollegin Henrietta Lidchi, seit Mai 2026 Direktorin des Ethnologischen Museums und des Museums f\u00fcr Asiatische Kunst, spricht in diesem Zusammenhang von einer \u201egemeinsamen Menschlichkeit\u201c, die in den Mittelpunkt unserer Arbeit r\u00fccken sollte.<\/p>\n<p>Letztlich geht es darum, Verbindungen zwischen Menschen herzustellen. Museen haben heute nicht nur die Aufgabe, Wissen zu bewahren und zu vermitteln, sondern auch R\u00e4ume f\u00fcr Begegnung und Verst\u00e4ndigung zu schaffen. Genau darin liegt ein wesentlicher Auftrag des Humboldt Forums.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h6>Frau von Blumenthal, die Humboldt-Universit\u00e4t bringt in besonderem Ma\u00dfe die wissenschaftliche Perspektive in das Haus ein. Welchen Mehrwert hat die Zusammenarbeit f\u00fcr das Humboldt Forum und f\u00fcr die Humboldt-Universit\u00e4t?<\/h6>\n<p><strong>Julia von Blumenthal:<\/strong> Der besondere Beitrag der Humboldt-Universit\u00e4t liegt in der direkten Verbindung von Forschung und gesellschaftlichem Dialog. Zu den Themen, die im Humboldt Forum verhandelt werden, k\u00f6nnen wir Perspektiven aus den Sozial-, Kultur-, Lebens- und Naturwissenschaften einbringen und aktuelle Debatten wissenschaftlich begleiten.<\/p>\n<p>Gerade in einer Zeit, in der Wissenschaftsfreiheit zunehmend unter Druck ger\u00e4t, halten wir es f\u00fcr wichtig, Wissenschaft st\u00e4rker in die \u00d6ffentlichkeit zu transportieren. Das Humboldt Forum ist daf\u00fcr ein idealer Ort. Mit dem Humboldt Labor betreiben wir hier einen Experimentierraum f\u00fcr Wissenschaftskommunikation, in dem Forschende neue Formate erproben und so verschiedene Zielgruppen erreichen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ein Beispiel daf\u00fcr sind Projekte, die Wissenschaft auf unerwartete und niedrigschwellige Weise vermitteln, wie etwa bei \u201eMeet the Scientist\u201c, kreativen Workshops oder dem Kinder-Kiez-Slam unserer Professorin f\u00fcr Deutschdidaktik. Solche Formate er\u00f6ffnen neue Zug\u00e4nge zu wissenschaftlichen Themen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Humboldt-Universit\u00e4t ist die Zusammenarbeit deshalb \u00e4u\u00dferst wertvoll. Sie schafft Raum f\u00fcr Begegnungen, Experimente und Perspektivwechsel und erm\u00f6glicht es, Wissenschaft weit \u00fcber den akademischen Kontext hinaus erlebbar zu machen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h6>Frau Plagemann, das Berlin Museum zeigt im Humboldt Forum die Ausstellung BERLIN GLOBAL. Welche Themen und Formate haben hier besonders gut funktioniert, um neue oder bislang unterrepr\u00e4sentierte Zielgruppen anzusprechen?<\/h6>\n<p><strong>Sophie Plagemann:<\/strong> Als Berlin Museum verstehen wir uns als Beziehungshersteller zwischen Berlin und dem Humboldt Forum, und Br\u00fccke zwischen der Stadt und der Welt. Unser Ziel in BERLIN GLOBAL ist es, Berliner Geschichten in globale Zusammenh\u00e4nge einzuordnen und f\u00fcr ein breites Publikum erfahrbar zu machen.<\/p>\n<p>Die Ausstellung BERLIN GLOBAL erz\u00e4hlt die Geschichte der Stadt interaktiv, spricht besonders junge Menschen an und macht zugleich die internationalen Verflechtungen Berlins sichtbar.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus entwickeln wir die Ausstellung kontinuierlich weiter. In den vergangenen f\u00fcnf Jahren haben wir gemeinsam mit Vereinen, Initiativen, K\u00fcnstler*innen und weiteren Akteur*innen der Stadtgesellschaft neun sogenannte Freifl\u00e4chenprojekte realisiert. Dabei wurden aktuelle Fragen des urbanen Zusammenlebens aufgegriffen und gemeinsam in Ausstellungsformate \u00fcbersetzt. So setzen wir unseren Anspruch um, mit der Stadtgesellschaft f\u00fcr die Stadtgesellschaft zu arbeiten und vielf\u00e4ltigen Perspektiven und Themen einen Platz im Humboldt Forum zu geben.<\/p>\n<p>Besonders wichtig ist uns dabei die Nachhaltigkeit. Aus einzelnen Projekten sind langfristige Kooperationen und regelm\u00e4\u00dfige Veranstaltungsformate entstanden, etwa mit der inklusiven Kunstwerkstatt Kreuzberg. Auf diese Weise schaffen wir dauerhafte Beziehungen und machen die vielf\u00e4ltigen Stimmen der Stadtgesellschaft im Humboldt Forum sichtbar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h6>Frau von Blumenthal, wie gelingt der Wissenschaft hier im Humboldt Forum der Dialog mit den B\u00fcrger*innen der Stadtgesellschaft?<\/h6>\n<p><strong>Julia von Blumenthal:<\/strong> Ein gutes Beispiel ist unsere aktuelle Ausstellung <em>On Water. WasserWissen in Berlin, <\/em>die Forschungen der gesamten Berlin University Alliance zusammenf\u00fchrt, also der Humboldt-Universit\u00e4t, der Freien Universit\u00e4t, der Technischen Universit\u00e4t und der Charit\u00e9 \u2013 Universit\u00e4tsmedizin Berlin.<\/p>\n<p>Dabei beschr\u00e4nken wir uns nicht auf die Ausstellung selbst. Ein wichtiger Teil unseres Konzepts ist es, die Themen in den Stadtraum zu tragen und direkt erfahrbar zu machen. So bieten wir etwa Wasserspazierg\u00e4nge rund um die Spreeinsel an, die Fragen nachhaltiger Stadtentwicklung, \u00f6ffentlicher Infrastruktur und unseres Umgangs mit Wasser aufgreifen.<\/p>\n<p>Unser Ziel ist es, Wissenschaft niedrigschwellig und lebensnah zu vermitteln. Wir m\u00f6chten Menschen dort erreichen, wo sie sich bewegen, und sie zum Mitdenken und Mitdiskutieren einladen. Gerade auf diese Weise kommen wir mit Menschen ins Gespr\u00e4ch, die vermutlich keinen klassischen wissenschaftlichen Vortrag besuchen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Die positiven R\u00fcckmeldungen zeigen, dass durch unsere Formate Wissenschaft nahbar wird und neue Zielgruppen erschlossen werden. Genau darin sehen wir eine wichtige Aufgabe des Humboldt Forums: Wissenschaft in den gesellschaftlichen Dialog einzubringen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h6>Herr Dorgerloh, die kollaborative Zusammenarbeit mit internationalen Partner*innen und Communitys liegt in der DNA des Humboldt Forums. Wo steht das Haus heute bei diesem Thema? Was wurde erreicht?<\/h6>\n<p><strong>Hartmut Dorgerloh:<\/strong> Kooperation und Kollaboration geh\u00f6ren zum Selbstverst\u00e4ndnis des Humboldt Forums. Wir arbeiten praktisch nie allein, sondern gemeinsam mit nationalen und internationalen Partner*innen aus Kultur, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Ko-Kuration, Dialog und gemeinsames Lernen pr\u00e4gen unsere Arbeit.<\/p>\n<p>Das zeigt sich in unterschiedlichen Projekten: Wir laden etwa Ch\u00f6re aus der Stadt ein, die an einem Wochenende das gesamte Haus mit Musik erf\u00fcllen, oder entwickeln gemeinsam mit dem National Museum of Tanzania und dem Ethnologischen Museum Ausstellungen zur Geschichte Tansanias. Auch Formate wie die <em>Transkontinentale<\/em> oder das Resident Music Collective entstehen in enger Zusammenarbeit mit internationalen Akteur*innen aus Film, Performance und Musik.<\/p>\n<p>Das Humboldt Forum versteht sich als demokratischer Ort, an dem unterschiedliche Perspektiven und Lebensrealit\u00e4ten sichtbar werden und miteinander ins Gespr\u00e4ch kommen. Die Ergebnisse dieser Zusammenarbeit einem breiten Publikum zug\u00e4nglich zu machen, ist ein Kernprinzip des Hauses.<\/p>\n<p>Gleichzeitig erleben wir, dass das Humboldt Forum international gro\u00dfe Wertsch\u00e4tzung genie\u00dft. Viele unserer Partner*innen sehen es als bedeutenden Ort, an dem ihre Themen und Geschichten sichtbar werden. Auch j\u00fcngere Besucher*innen nutzen das Haus als Lernort f\u00fcr Fragen von Kolonialismus, globalen Verflechtungen und gesellschaftlichem Wandel. Zugleich spielt die Architektur eine gr\u00f6\u00dfere Rolle, als wir zun\u00e4chst erwartet hatten: In sozialen Medien wird das Humboldt Forum von vielen jungen Menschen auch als visuell attraktiver Ort wahrgenommen. Das zeigt, dass es ganz unterschiedliche Zug\u00e4nge zu diesem Haus geben kann, die nebeneinander bestehen.<\/p>\n<p>Unsere internationale Zusammenarbeit zeigt immer wieder, dass Geschichte und Kultur aus sehr unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden. Genau dieser Austausch verschiedener Sichtweisen ist f\u00fcr uns ein gro\u00dfer Gewinn und ein wesentlicher Teil dessen, was das Humboldt Forum ausmacht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h6>Frau Ackermann, wie haben die Diskurse um Provenienz und Restitution die Ausstellungsarbeit konkret ver\u00e4ndert?<\/h6>\n<p><strong>Marion Ackermann:<\/strong> Das Humboldt Forum hatte durch seine hohe nationale und internationale Sichtbarkeit einen Booster-Effekt, es hat die Debatten \u00fcber Provenienzforschung und Restitution beschleunigt und st\u00e4rker ins \u00f6ffentliche Bewusstsein ger\u00fcckt. Das war wichtig, denn diese Themen betreffen die grundlegende Verantwortung von Museen im Umgang mit ihren Sammlungen.<\/p>\n<p>In den vergangenen Jahren haben wir dabei viele Erfahrungen gesammelt und viel gelernt. Ein entscheidender Punkt: Mit einer Restitution endet ein Prozess nicht, vielmehr beginnt oft ein neuer. Die R\u00fcckgabe von Objekten er\u00f6ffnet die M\u00f6glichkeit weiterer Zusammenarbeit, gemeinsamer Forschung und neuen Formen kultureller Partnerschaft. Das zeigt sich beispielsweise bei den \u201eBenin-Bronzen\u201c, wo wir mit den unterschiedlichen Akteur*innen in Nigeria sowohl auf fachlicher Ebene als auch im kulturdiplomatischen Austausch neue gemeinsame Wege suchen.<\/p>\n<p>Wir haben auch gelernt, wie wichtig Transparenz ist \u2013 f\u00fcr uns mittlerweile ein zentrales Prinzip. Es geht darum, Best\u00e4nde sichtbar zu machen, ihre Herkunft nachvollziehbar zu dokumentieren und Zug\u00e4nglichkeit zu erm\u00f6glichen. Auch der Umgang mit \u201eHuman Remains\u201c ist ein anderer als noch vor 10 Jahren, wir wissen, wie wichtig Re-Humanisierung ist.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund widmet sich das Humboldt Forum in den kommenden Jahren dem Thema Eigentum und Erbe. Dabei wollen wir Fragen von Herkunft, Besitz, Verantwortung und kulturellem Erbe aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten. Denn mittlerweile ist deutlich geworden, dass Restitution nur eine von mehreren m\u00f6glichen Antworten sein kann. Oft stehen Kooperation, gemeinsames Forschen oder geteilte Verantwortung im Mittelpunkt. Insgesamt verstehen wir diese Themen heute deutlich differenzierter und vielschichtiger als noch vor einigen Jahren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h6>Frau Plagemann, wir haben viel auf die vergangenen f\u00fcnf Jahre geblickt. Richten wir den Blick nach vorn: Wie lange wird BERLIN GLOBAL noch im Humboldt Forum zu sehen sein, und gibt es ein Projekt, das Ihnen besonders am Herzen liegt?<\/h6>\n<p><strong>Sophie Plagemann:<\/strong> Nach unserer derzeitigen Planung wird BERLIN GLOBAL als Er\u00f6ffnungsausstellung des Landes Berlin noch bis Anfang 2028 im Humboldt Forum zu sehen sein. Das gibt uns die M\u00f6glichkeit, die Ausstellung \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum weiterzuentwickeln und uns anschlie\u00dfend st\u00e4rker auf den neuen Standort des Berlin Museums am K\u00f6llnischen Park mit dem M\u00e4rkischen Museum und dem Marinehaus zu konzentrieren.<\/p>\n<p>Bis dahin haben wir noch einiges vor. Besonders freuen wir uns auf die k\u00fcnftigen Jahresthemen des Humboldt Forums, die zeigen, wie produktiv die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteur*innen im Haus sein kann.<\/p>\n<p>F\u00fcr das kommende Thema Eigentum und Erbe planen wir unter anderem eine Film- und Diskussionsreihe. Dabei wollen wir Fragen von Erinnerungskultur und historischem Erbe anhand von Dokumentarfilmen und Gespr\u00e4chen beleuchten. Im Mittelpunkt stehen dabei Themen wie das NS- und das DDR-Erbe sowie ihre Bedeutung f\u00fcr die Gegenwart. Unser Ziel ist es, den Dialog \u00fcber die Geschichte Berlins und ihre Auswirkungen bis heute weiterzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h6>Herr Dorgerloh, es gibt verschiedene Ideen f\u00fcr die k\u00fcnftige Nutzung der Berlin-Fl\u00e4chen im Humboldt Forum. Was w\u00e4re aus Ihrer Sicht das \u00fcberzeugendste Konzept?<\/h6>\n<p><strong>Hartmut Dorgerloh:<\/strong> Daf\u00fcr gibt es bei uns einen einfachen Grundsatz: \u201eDon\u2019t talk about us without us \u2013 otherwise it\u2019s against us.\u201c Das gilt auch f\u00fcr die Debatten \u00fcber das Humboldt Forum. Wir verfolgen die zahlreichen Ideen und Vorschl\u00e4ge zur Zukunft des Hauses mit Interesse. Zugleich sind wir \u00fcberzeugt, dass diese Diskussion gemeinsam mit den Partner*innen gef\u00fchrt werden sollte, die Verantwortung f\u00fcr diesen Ort tragen.<\/p>\n<p>Nach f\u00fcnf Jahren verf\u00fcgen wir \u00fcber wertvolle Erfahrungen mit unserem Publikum, mit internationalen Partner*innen und mit den unterschiedlichen Akteurinnen im Haus. Sie zeigen, dass das Humboldt Forum immer dann besonders erfolgreich ist, wenn die Kernidee eines Forums einl\u00f6st: ein Ort der Begegnung, des Austauschs und der Vielfalt zu sein.<\/p>\n<p>Aus meiner Sicht geht es deshalb weniger darum, zus\u00e4tzliche Sammlungspr\u00e4sentationen zu schaffen. Wichtiger ist es, die Zusammenarbeit zwischen den Partner*innen weiter auszubauen und das Humboldt Forum noch st\u00e4rker als Raum f\u00fcr Dialog und unterschiedliche Perspektiven zu profilieren.<\/p>\n<p>Welche Nutzung die Berliner Fl\u00e4chen k\u00fcnftig erhalten, entscheidet das Land Berlin. Wir werden unsere Erfahrungen in diese Diskussion einbringen und sind offen f\u00fcr verschiedene Entwicklungen. Entscheidend ist, dass sie die besondere Idee des Humboldt Forums als Ort des Austauschs und der Begegnung st\u00e4rken.<\/p>\n<p><strong>Marion Ackermann:<\/strong> Uns ist ein Konzept der Verdichtung und damit auch der Intensivierung wichtig, und zu \u00fcberdenken, wie wir die Themen des Museums Europ\u00e4ischer Kulturen, das in Dahlem ausstellt, integrieren k\u00f6nnen. Die europ\u00e4ische Perspektive sollte nicht separiert sein. Gerade an den Bruchstellen der Kontinente und Kulturen ereignet sich unglaublich viel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h6>Herr Dorgerloh, die Hausleitungen haben zum f\u00fcnften Jubil\u00e4um ein <a href=\"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/ueber-uns\/gemeinsames-verstaendnis-und-ziele\/\">aktualisiertes Leitbildverst\u00e4ndnis<\/a> verabschiedet. Warum war das notwendig und worin unterscheidet es sich vom vorherigen?<\/h6>\n<p><strong>Hartmut Dorgerloh:<\/strong> Die Aktualisierung war wichtig, weil sich das Humboldt Forum in den vergangenen f\u00fcnf Jahren weiterentwickelt hat. Hinzu kommt, dass ich inzwischen als Einziger noch zu denjenigen geh\u00f6re, die vor f\u00fcnf Jahren das erste gemeinsame Selbstverst\u00e4ndnis formuliert haben. Deshalb war es wichtig, mit den Kolleginnen noch einmal intensiv dar\u00fcber zu sprechen, welche Ziele uns heute verbinden und welches gemeinsame Verst\u00e4ndnis wir von diesem Ort haben.<\/p>\n<p>Mit den Erfahrungen aus dem t\u00e4glichen Betrieb, den Begegnungen mit unserem Publikum und der Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Partner*innen hat sich dieses Verst\u00e4ndnis weiter gesch\u00e4rft. Das neue Leitbild ist deshalb keine grunds\u00e4tzliche Neuausrichtung. Es baut auf den bisherigen \u00dcberzeugungen auf, pr\u00e4zisiert sie jedoch und reagiert auf ver\u00e4nderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen. Dazu geh\u00f6ren Entwicklungen in der Museums- und Wissenschaftslandschaft ebenso wie aktuelle politische und gesellschaftliche Herausforderungen.<\/p>\n<p>Besonders wichtig war uns, das Humboldt Forum noch klarer als einen Ort des demokratischen Miteinanders zu beschreiben. Kunst-, Wissenschafts- und Meinungsfreiheit bilden daf\u00fcr eine zentrale Grundlage. Zugleich verstehen wir das Haus als Raum, in dem unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen, kontroverse Fragen diskutiert und gesellschaftliche Debatten offen gef\u00fchrt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das aktualisierte Leitbild spiegelt damit wider, was wir in den vergangenen Jahren gelernt haben, und beschreibt, wof\u00fcr das Humboldt Forum heute steht: f\u00fcr Austausch, Vielfalt und den respektvollen Dialog in einer offenen Gesellschaft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h6>Ein Blick in die nahe Zukunft und in die etwas fernere: Was ist zum f\u00fcnften Jubil\u00e4um geplant, und worauf k\u00f6nnen wir uns im zweiten Halbjahr 2026 besonders freuen?<\/h6>\n<p><strong>Hartmut Dorgerloh:<\/strong> Das f\u00fcnfte Jubil\u00e4um feiern wir mit f\u00fcnf besonderen Angeboten f\u00fcr unser Publikum. Alle Partner*innen beteiligen sich mit eigenen Programmen \u2013 von Aktionstagen und Konzerten bis hin zu besonderen Formaten in den Ausstellungen. Dazu geh\u00f6ren auch beliebte Blicke hinter die Kulissen, die Einblicke in den Betrieb dieses technisch komplexen Hauses erm\u00f6glichen und die Arbeit der vielen Mitarbeitenden sichtbar machen, die das Humboldt Forum tragen.<\/p>\n<p>Im Mittelpunkt des zweiten Halbjahrs 2026 steht dann das neue gemeinsame Schwerpunktthema <em>Mein, Dein, Unser!?.<\/em> \u00dcber zwei Jahre hinweg werden wir uns mit Fragen von Eigentum, Erbe, Verantwortung und Zugeh\u00f6rigkeit besch\u00e4ftigen \u2013 Themen, die weit \u00fcber den Kulturbereich hinausreichen und alle Partner*innen im Haus verbinden.<\/p>\n<p>Gemeinsam mit dem K\u00e4te Hamburger Kolleg \u201eHeritage in Transformation\u201c (inherit), dem Goethe-Institut und internationalen Partner*innen aus verschiedenen Weltregionen bringen wir globale Perspektiven in die Diskussion ein. Dabei geht es um Fragen wie: Wem geh\u00f6rt die Stadt? Wem geh\u00f6ren Ressourcen, Traditionen oder kulturelles Erbe?<\/p>\n<p>Eine wichtige Rolle wird dabei die zeitgen\u00f6ssische Kunst spielen. Den Auftakt bilden mehrere internationale Ausstellungen und Projekte, die sich mit diesen Fragen auseinandersetzen. Einen ersten Vorgeschmack liefert bereits die Ausstellung <em>AGUA \u2013 Kunst und Kosmologien des Wassers<\/em>, die im November er\u00f6ffnet und zugleich den Bogen zum neuen Jahresthema schl\u00e4gt.<\/p>\n<p>So wird sich das Humboldt Forum in den kommenden Jahren mit einer der zentralen Fragen unserer Zeit besch\u00e4ftigen: Wie gehen wir mit dem um, was wir besitzen, nutzen, teilen, bewahren oder an kommende Generationen weitergeben m\u00f6chten?<\/p>\n<p><em>Pressegespr\u00e4ch (leicht gek\u00fcrzte Fassung) zum Start der Jubil\u00e4ums \u201eF\u00fcnf Jahre offen\u201c am 24. Juni 2026, Moderation: Nina Mayrhofer, Pressesprecherin der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss<\/em><\/p>\n<\/div>\n                <\/div>\n            <\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t    <\/div>\n<\/section>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"featured_media":169821,"template":"","magazine-topic":[],"magazine-format":[765],"magazine-author":[1995,1996,1997,1998],"class_list":["post-169833","magazine-article","type-magazine-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","magazine-format-talk","magazine-author-hartmut-dorgerloh-2-en","magazine-author-julia-von-blumenthal-en","magazine-author-marion-ackermann-en","magazine-author-sophie-plagemann-en"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-article\/169833","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/magazine-article"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-article\/169833\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":169846,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-article\/169833\/revisions\/169846"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/169821"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=169833"}],"wp:term":[{"taxonomy":"magazine-topic","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-topic?post=169833"},{"taxonomy":"magazine-format","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-format?post=169833"},{"taxonomy":"magazine-author","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humboldtforum.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/magazine-author?post=169833"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}