Die mitochondriale Eva
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| kostenfrei |
| ab 6 Jahre |
| Englisch |
| Foyer, Treppenhalle, 3. OG |
| Gehört zu: Schicksal oder Wahl? |
„Mitochondriale Eva“ wird in der Forschung des Globalen Nordens die jüngste gemeinsame weibliche Vorfahrin aller heute lebenden Menschen genannt. Sie lebte vor schätzungsweise 150.000 bis 200.000 Jahren, vermutlich in Äthiopien. Über ihre mitochondriale DNA (mtDNA), die ausschließlich von der Mutter an Kinder weitergegeben wird, ist sie genetisch mit der gesamten heutigen Menschheit verbunden.
Im Humboldt Forum, umgeben von den Blicken der Ahnengalerie der Kurfürsten und der unlängst mit KI dazu generierten Kurfürstinnen im 3. Obergeschoss, entfaltet die auf den Philippinen geborene und in Dänemark lebende Lilibeth Cuenca Rasmussen ihre Performance über Mutterschaft, Wahlfreiheit sowie die körperliche und emotionale Auseinandersetzung mit Babys und Kindern. In einem weißen, skulpturalen Kostüm – inspiriert von Kai Nielsens Skulptur “Mother of Water” und überwachsen mit Babyfiguren – begleitet von Vojta Drnek’s Akkordeon sowie Text und interaktiven Momenten, zeigt sie, wie Kinder den Körper der Mutter beanspruchen, fordern und formen – und wie sich darin Ambivalenz, Erschöpfung, Nähe und Selbstbestimmung verweben.
Die Performance lädt das Publikum ein, die Intimität und Kraft von Fürsorge zu erleben: vom Geben des eigenen Körpers über Mutterschaft in der Tierwelt und geteilte Rituale bis hin zu Momenten, in denen auch das „Nicht-Mutter-Sein“ Raum erhält. Das private, körperliche Erleben trifft auf den historischen Blick der gleichzeitig ausgestellten Skulpturen von Frauen und Männern aus Herrscherfamilien des ehemaligen Berliner Schlosses – eine Reflexion über Nähe, Verantwortung, Wahlfreiheit und den Kreislauf des Lebens.
Lilibeth Cuenca Rasmussen sagt in ihrer Performance:
„Manchmal bin ich nichts – manchmal bin ich alles
Ein hüpfender Ball – eine feste Wand
Unsichtbar – verantwortlich
Ein Schweizer Taschenmesser – ohne Sexualleben
Ein Sündenbock – ein Rettungsboot
Eine Organisatorin – eine Geisha
Manchmal bin ich nichts – manchmal bin ich alles.“
Ein sinnliches, nachdenkliches Werk, das Mutterschaft in all ihren Facetten erfahrbar macht – zwischen körperlicher Präsenz, emotionaler Intensität und dem Dialog mit Geschichte und Öffentlichkeit.
Beteiligte
Lilibeth Cuenca Rasmussen (geboren 1970 in Manila) ist eine dänisch‑philippinische, international anerkannte Performancekünstlerin, die international Ausstellungen und Performances realisiert hat. Ihre Praxis basiert auf Performancekunst, die sie zudem in verschiedene Materialien und Medien wie Video, Fotografie, Skulptur und Installationen übersetzt.
Sie hat am KIASMA Art Museum,
Helsinki; dem Brooklyn Museum, New York; der Tate Modern, London; Performa (Performancefestival), New York; der Biennale von Venedig; der Thessaloniki Biennale; der Busan Biennale; The Drawing Room Manila; Röda Sten, Göteborg; dem AROS Kunstmuseum, Aarhus; der National Gallery, Singapur; sowie in Kopenhagen im SMK/National Gallery Denmark, Nikolaj Kunsthal und Copenhagen Contemporary ausgestellt und performt.
Cuencas Arbeiten involvieren den Körper, geskriptete Texte, Songs, komponierte Musik sowie komplexe visuelle Elemente wie Kostüme, die als Bühnenbild fungieren. Sie sammelt, adaptiert und universalisiert ihre Narrative mit einem sowohl kritischen als auch humorvollen Ansatz in Bezug auf Themen wie Identität, Kultur, Religion, Geschlecht und soziale Beziehungen.
Vojta Drnek ist ein tschechischer Jazz-Akkordeonist, der die Ausdrucksmöglichkeiten seines Instruments beständig erweitert. Für seine Vielseitigkeit und harmonische Sensibilität bekannt, leitet er das gefeierte Kammerjazz‑Trio Treetop und bringt die unerforschten Klangräume des Akkordeons in die zeitgenössische Musik ein. Er trat bei bedeutenden Festivals wie dem Jazzfest Berlin und JazzFest Brno sowie an renommierten Orten wie Jazz Dock, Opus Jazz Club und Donau115 auf.
Drnek spielt seit seinem sechsten Lebensjahr Akkordeon und hat einen Masterabschluss der Janáček Academy of Music and Performing Arts, ergänzt durch Studien an der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz. Er arbeitete mit Musiker*innen wie John Hollenbeck, Phil Donkin, Aidin Esen und vielen weiteren zusammen. Zudem ist er Mitbegründer von Ma Records, arbeitet im Marketingteam des Festivals Jazz Goes to Town und als musikalischer Editor und Assistent bei Kurt Rosenwinkels Label Heartcore Records.