Rekonstruktion
Barock heute
Der Deutsche Bundestag beschloss 2002, das im Zweiten Weltkrieg stark beschädigte und 1950 gesprengte Berliner Schloss wieder aufzubauen. Drei der barocken Außenfassaden samt der Kuppel und drei der Fassaden des historischen Schlüterhofes sollten detailgetreu rekonstruiert werden, um das historische Stadtbild wiederherzustellen und die herausragende künstlerische Gestaltung des barocken Baumeisters Andreas Schlüter (1659–1714) zu würdigen.
Handwerkliche Präzision
Bei der Rekonstruktion der barocken Fassaden, die durch ein breites zivilgesellschaftliches Engagement, allein durch Spenden, ermöglicht wurde, erbrachten Bildhauer*innen, Gipsformer*innen und Stuckateur*innen eine wahre Meisterleistung: Sie schufen über 2.800 Figuren und rund 23.000 Sandsteinelemente.
Erhaltene originale Fassadenfragmente und historische Unterlagen sowie Fotografien ermöglichen eine originalgetreue Rekonstruktion des Schlüter’schen Barock.
Vom Steinbruch zur Skulptur
5,80 Meter hoch, 7,30 Meter breit, rund 56 Tonnen schwer – die große Eckkartusche ist wohl das künstlerisch und bildhauerisch anspruchsvollste der rekonstruierten Schmuckelemente. Die Fertigstellung der Kartusche hat insgesamt fünf Jahre gedauert und steht beispielhaft für die Anfertigung der Sandstein-Elemente der rekonstruierten Barockfassaden.
Die ganze Entstehungsgeschichte der Eckkartusche können Sie in unserem Bildband Barock in Arbeit. Die Kunst der Rekonstruktion nachlesen.
Die Schlossbauhütte
Zentrum der Rekonstruktion der barocken Fassade ist die 2011 gegründete Schlossbauhütte in Berlin-Spandau. Stück für Stück haben hier Bildhauer*innen, Gipsformer*innen und Stuckateur*innen die teils kolossalen Schmuckelemente modelliert, als Gipsabguss hergestellt und anschließend im traditionellen Punktierverfahren in Sandstein gehauen.
Im Sommer 2011 gründetet die Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss die Schlossbauhütte mit der Struktur einer klassischen Bauhütte. Den hierfür nötigen Raum fand man in einer ehemaligen KFZ-Reparaturhalle der Alliierten in Berlin-Spandau.
Expertenkommission
Gemeinsam mit den Bildhauern begutachtet eine Expertenkommission aus Kunsthistorikern und anderen Fachleuten die fertiggestellten Modell- und Steinbildhauerarbeiten.
Moderne Handwerkstechnik
Neben den traditionellen Handwerkstechniken finden auch moderne Verfahren und Materialien bei der Modellerstellung Anwendung. So wurden beispielsweise die Teile des am Staatsratsgebäude erhaltenen Portals IV für die Duplizierung mittels 3D-Printing als Modell für die Steinbildhauer gefertigt. Außerdem arbeiten Restauratoren die noch erhaltenen Skulpturen und Fragmente wieder auf, die in die Fassaden eingebaut oder später im Skulpturensaal des Humboldt Forums ausgestellt werden.