Kulturtechniken des Schweigens als Formen der Sorge
{{ time.start_TS | TS2dateFormat('MMM') }}
{{ time.start_TS | TS2dateFormat('YYYY') }}
| kostenlos |
| Dauer: 120 min |
| Deutsch |
| Saal 3, EG |
| Teil von: Ringvorlesung Beziehungsweise Familie |
Der Vortrag nimmt mit Bezug auf Literatur des 20. Jahrhunderts verschiedene Kulturtechniken des Schweigens in den Blick und untersucht sie hinsichtlich ihrer Formen der (Selbst-)Sorge. Selbstbestimmtes, souveränes Schweigen wahrt Geheimnisse und bietet geschützte Räume für die Ausbildung neuer Haltungen. Nur ist nicht jedes Schweigen selbstbestimmt, nicht jedes Schweigen souverän. Neben dem souveränen Schweigen stehen Formen des Schweigens, die Selbstleugnung oder einen Abbruch der Kommunikation bedeuten. Beispielsweise schreibt die Autorin Audre Lorde von dem Begehren, die eigene Angst im richtigen Verhältnis zu sehen und Schweigen in Sprache übersetzen zu können. Dabei spricht Lorde nicht über ein Leben ohne Angst, sondern von einem Verhältnis zur Angst, das abhängig von den Weisen des Schweigens ist. Es hieße, Schweigen nicht in Tyrannei, in die Katastrophe, übergehen zu lassen, sondern ein Maß zwischen Reden und Schweigen zu finden, in dem Schweigen auch als »mode of resistance to power« (Wendy Brown, 2005) wirken kann.
Die Vortragsreihe findet im Rahmen einer Kooperation des Institutionsverbunds im Humboldt Forum statt.
Programmatische Leitung des institutionsübergreifenden Clusters: Dr. Laura Goldenbaum
Beteiligte
Dr. Lotte Warnsholdt, Medienwissenschaftlerin und Mitwirkende am Museum am Rothenbaum – Kulturen und Künste der Welt.
Prof. Dr. Daniel Tyradellis (Humboldt-Universität zu Berlin)
Dr. Alia Rayyan (Humboldt-Universität zu Berlin)
Dr. Laura Goldenbaum (Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss)
Lotte Warnsholdt ist Kultur- und Medienwissenschaftlerin in Hamburg. Sie studierte Europäische Ethnologie in Kopenhagen, Philosophie und Rechtswissenschaft in Hamburg und schloss ihren Master sowie ihre Promotion in Kultur- und Medienwissenschaften an der Leuphana Universität Lüneburg ab. Sie arbeitet am Museum am Rothenbaum, Kulturen und Künste der Welt und ist dort u.a. Co-Kuratorin der Sonderausstellung KATZEN! (Laufzeit 2025-2026).
Schwerpunkte sind Sorgeformen und -praktiken in Institutionen des Wissens. Sie schreibt zur Materialität und Gewalt der Archive, die in situ als auch digital begriffen werden. In ihrem Buch Im Schatten des Schweigens (transcript 2024) untersucht sie die Bedeutung von Schweigen und Geheimhaltung für soziale und historische Prozesse.