© Na Chainkua Reindorf

In den vergangenen fünf Jahren hat Na Chainkua Reindorf eine persönliche Mythologie erschaffen, die in einer sich ständig weiterentwickelnden alternativen Welt angesiedelt ist und ihr künstlerisches Schaffen leitet. Inspiriert von der reichen Geschichte westafrikanischer Erzähltraditionen, der Vodún-Religion und der griechischen Mythologie erfand Reindorf ein Pantheon aus sieben übernatürlichen Wesen, die sie „Skins“ nennt. Jedes von ihnen ist einzigartig allegorisch, selbstbewusst und dazu bestimmt, jenen beizustehen, die sie anrufen. Diese Skins eröffnen grenzenlose Möglichkeiten des Selbstausdrucks – als Mittlerinnen von Handlungsfreiheit. Reindorf baut ihre Welt durch die Perspektiven dieser Wesen auf und definiert sie durch eigenständige Ästhetiken und Materialien.

Als eine Art Übersetzerin überträgt Reindorf die Botschaften, Wünsche und Legenden der Skins in immersive Installationen, großformatige Gemälde und Mixed-Media-Tapisserien. Diese Arbeiten laden das Publikum ein, physisch wie emotional in ihre Welt einzutreten – dargestellt in prismatischen, vielschichtigen Kompositionen aus Farbe, Pastell, Papier, Textilien und rituell aufgeladenen Materialien wie Perlen, gefärbten Fäden und gefranstem Bast. Diese Stoffe erinnern an die Materialien, die in Ritualhandlungen und beim Bau von Schreinen verwendet werden, und schaffen eine taktile, sinnliche Resonanz. In diesen Räumen lösen sich die Grenzen unserer Wirklichkeiten auf – sie laden zu Berührung, Nachdenken und Staunen ein.

Reindorf möchte alternative Realitäten entwerfen, in denen freie Selbstentfaltung selbstverständlich ist – und kein radikaler Akt. Sie erkundet die Spannung zwischen der Auseinandersetzung mit realen Problemen, die Frauen betreffen – geschlechtsspezifische Gewalt, Objektifizierung und Scham – und der Suche nach Antworten jenseits unserer Realität, wie sie afrikanische Erzählungen und Glaubenssysteme seit jeher bieten. Reindorf fasziniert die Kraft des Geschichtenerzählens, das Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verbindet, Staunen und Hoffnung stiftet und dabei die Grenzen zwischen dem Realen und dem Surrealen verwischt. Dieses Verwischen wird zu einem Mittel, das Alltägliche mit dem Außergewöhnlichen zu durchdringen – und unterdrückende Normen herauszufordern, während neue Räume der Befreiung denkbar werden.

Na Chainkua Reindorf

Na Chainkua Reindorf (geb. 1991, Ghana) ist eine multidisziplinäre Künstlerin, die durch die Erschaffung einer alternativen Welt ihre eigene Mythologie entwickelt. Inspiriert von westafrikanischen Volkserzählungen, der Vodún-Religion und der griechischen Mythologie umfasst Reindorfs Werk immersive Installationen, großformatige Gemälde und Mixed-Media-Tapisserien. Durch die Verbindung von Farbe, Pastell, Papier und Textilien mit rituellen Materialien wie Glas, Bast, Perlen und gefärbten Fäden erschafft Reindorf ein visuelles Vokabular, das Befreiung durch Geschichten neu imaginiert.

Reindorf hat einen Master of Fine Arts der Cornell University und erlangte internationale Anerkennung für ihre innovative Erzählweise. 2022 war sie eine von drei Künstler*innen, die Ghana auf der Biennale di Venezia vertraten. Ihre Arbeiten wurden weltweit ausgestellt, unter anderem im Nubuke Foundation, (Accra), Kindl – Zentrum für zeitgenössische Kunst (Berlin), im Frac MÉCA (Bordeaux, Frankreich) und in der Fondation H (Antananarivo, Madagaskar).

gehört zu

Blick in das Foyer, November 2019.
© Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss / David von Becker
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