"Der Krüppel in der Vergangenheit", Tuschzeichnung von Elisabeth Buzek, 1927 (1. Ausgabe einer Ansichtskartenserie der "Ersten Österreichischen Krüppelarbeitsgemeinschaft")
© Sammlung Hans Würtz im Bestand der Medizinischen Nationalbibliothek Prag (CZE)
Tipp
Eine Jahrmarktszene unter wolkigem Himmel, an dem links eine Baumkrone anschließt. Auf einer Zeltbühne am linken Bildrand sind drei Menschen mit Behinderungen zu sehen: Zwei Frauen, von denen die eine kleinwüchsig und die andere armlos ist, sowie ein kleinwüchsiger Mann, der Geige spielt. Links neben der Bühne hockt ein kahlköpfiger Mann ohne Beine, der in Bettlerpose einen Hut im Schoß hält. Drei nichtbehinderte Menschen, darunter eine Frau, stehen in der Bildmitte vor der Bühne und bekommen von einem weiteren nichtbehinderten Mann die Gruppe behinderter Menschen als Attraktion vorgestellt. Rechts sind vor einem Zeltrand vier Männer mit ähnlichen Behinderungen zu sehen, darunter zwei Bettler. Im Hintergrund zeichnen sich die Konturen einer Menschenmenge, mehrerer Zeltdächer und einer weiteren Zeltbühne ab.
Tipp
Bild 1:
"Der Krüppel in der Vergangenheit", Tuschzeichnung von Elisabeth Buzek, 1927 (1. Ausgabe einer Ansichtskartenserie der "Ersten Österreichischen Krüppelarbeitsgemeinschaft")
© Sammlung Hans Würtz im Bestand der Medizinischen Nationalbibliothek Prag (CZE)
„Die Figurationen der Behinderung sind aus Anstalten, Heimen und Hospitälern ausgezogen, um sich in Galerien, Museen und in der Öffentlichkeit niederzulassen.“

Diese Worte des amerikanischen Kulturwissenschaftlers Tobin Siebers klingen auf widersprüchliche Weise bereits in der ein Jahrhundert zuvor erstellten Sammlung von Hans Würtz (1875-1958) an. Inmitten der politischen Wirren und kulturellen Produktivität der Weimarer Republik trug der damalige Erziehungsdirektor des Oskar-Helene-Heims in Berlin die wohl umfangreichste Bilder- und Kunstsammlung von Darstellungen behinderter Menschen zusammen.

Im Rahmen eines internationalen Forschungsprojekts wurde die im Prager Exil archivierte Sammlung digitalisiert und erschlossen. Die Ausstellung im Humboldt Labor gibt einen Einblick in diese außergewöhnliche Sammlung, die schon bei ihrer Entstehung vornehmlich – aber nicht ausschließlich – aus Reproduktionen bestand. Ohne die kritikwürdigen Konzepte zu übergehen, die der Sammler zu Behinderung entwickelte, zeigt die Ausstellung ausgewählte Bilder und Statuetten und präsentiert sie in neuen Zusammenhängen.

Die Intervention befindet sich im Seminarraum der Humboldt-Universität zu Berlin, hinter der Ausstellung „Nach der Natur“ im 1. OG des Humboldt Forums.

 

Eröffnung der Ausstellung am Mittwoch, 19. März 2025

11:00 Uhr: Begrüßung und Einführung (Dr. Sebastian Pampuch, Prof. Dr. Oliver Musenberg, Prof. Dr. Simon Mckeown)

11:30 Uhr: „Wir sehen, was wir denken“ (Udo Sierck, Bibliothekar, Dozent und Publizist)

12:00 Uhr: Impuls (Dr. Inga Scharf da Silva, Künstlerin und Kulturanthropologin)

In Anwesenheit des Künstlers Tim Petersen (Thikwa Werkstatt)

 

Kostenlose Kuratorenführungen

Donnerstag, 27.03.2025, 13:00 Uhr: Kuratorenführung mit Prof. Dr. Oliver Musenberg

Samstag, 29.03.2025, 15:00 Uhr: Kuratorenführung mit Dr. Sebastian Pampuch

Die Führungen sind kostenlos, ein Ticket wird nicht benötigt. Treffpunkt: Vor dem Humboldt Labor, 1. OG im Humboldt Forum.

 

Parallel zum Ausstellungsprojekt ist der Podcast „Der Entkrüppler: Die Behinderten-Bilder des Hans Würtz“ entstanden. In ihm sprechen Oliver Musenberg, Ausstellungskurator und Professor für Rehabilitationswissenschaften an der HU, und der Journalist Timo Grampes über den Pädagogen Hans Würtz und seine außergewöhnliche Sammlung.

Der Podcast kann hier angehört werden.

Eine Ausstellung des Instituts für Rehabilitationswissenschaften, Lehrstuhl Prof. Dr. Oliver Musenberg unter Mitarbeit von Dr. Sebastian Pampuch, in Kooperation mit Prof. Dr. Simon McKeown von der Teesside-University in Middlesbrough, England, sowie der Medizinischen Nationalbibliothek und des Jedlička Instituts in Prag, Tschechische Republik.

Die Ausstellung ist Teil des internationalen Forschungsprojekts „Bilder und Imaginationen von ‚Schädigung‘ und Behinderung in der „Hans-Würtz-Sammlung“ (2021-2025), finanziert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft und den britischen Arts and Humanities Research Council. Projektleitung: Prof. Dr. Oliver Musenberg (Humboldt-Universität zu Berlin) und Prof. Dr. Simon McKeown (Teesside-University, Großbritannien).

gehört zu

Blick in das Foyer, November 2019.
© Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss / David von Becker

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