Der goldene Faden: Verwobene Identitäten und afrofuturistische Visionen
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| Ticket für die Lange Nacht der Museen erforderlich |
| Foyer |
| Gehört zu: Lange Nacht der Museen 2026 |
In vielen afrikanischen Kulturen ist Gold weit mehr als ein kostbares Metall. Es gilt als irdische Manifestation der Sonne, als Symbol für Lebenskraft und als Ausdruck der fortdauernden Würde eines globalen Erbes. Historisch diente Gold als Brücke zwischen dem Spirituellen und dem Physischen: Es legitimierte Führung, bewahrte das Wissen der Ahnen und trug es durch die Zeiten.
The Golden Thread greift dieses Vermächtnis auf und übersetzt es in eine immersive Installation. Ein physischer goldener Faden zieht sich durch den kreisförmigen Raum und verwebt — im wörtlichen wie im übertragenen Sinne — die Arbeiten verschiedener Künstler*innen der afrikanischen Diaspora. Indem unterschiedliche Ausdrucksformen miteinander verbunden werden, macht die Ausstellung jene kostbare Frequenz sichtbar, die Schwarze Gemeinschaften weltweit miteinander in Resonanz bringt.
The Golden Thread ist eine Feier von Herkunft, Verbindung und Erinnerung — und zugleich eine lebendige Karte einer gemeinsamen Zukunft. Wir sind viele Stimmen, viele Wege und viele Geschichten. Und doch bleiben wir für immer verbunden durch einen einzigen, unzerbrechlichen, goldenen Faden.
Die Pop-up-Ausstellung ist am 29. August 2026 im Rahmen der Langen Nacht der Museen im Humboldt Forum Berlin zu sehen. Das Humboldt Forum arbeitet bereits seit mehreren Jahren im Rahmen von Box Office mit The Nigerian Community e.V. zusammen. Neben künstlerischen Werken werden in diesem Jahr auch Arbeiten präsentiert, die im Rahmen eines Ferienworkshops in der Akademie des Humboldt Forums entstanden sind.
Beteiligte Künstler*innen
Zeitgenössische bildende Künstlerin & Kunsttherapeutin (sie/ihr)
„Meine Arbeit ist eine Hommage an die Vielschichtigkeit der afrodiasporischen Erfahrung und zugleich ein Akt des Widerstands gegen die globale Vorherrschaft eurozentrischer Schönheitsideale.“
Charlene Davis ist eine zeitgenössische bildende Künstlerin mit Schwarzer US-amerikanischer und deutscher Herkunft. In ihrer Arbeit setzt sie sich intensiv mit Schwarzer Identität, Widerstand und afrozentrischer Schönheit auseinander. Ihre künstlerische Praxis fängt Blicke ein, die komplexe Geschichten erzählen, und eröffnet durch die eindringliche Präsenz Schwarzer Menschen, die sie bewusst ins Zentrum ihrer Gemälde rückt, neue Welten. Dabei konzentriert sie sich auf die Augen als unmittelbarstes Mittel der Kommunikation. In ihnen wird ein besonderes, über Generationen weitergegebenes Wissen sichtbar. Auf diese Weise schafft Davis eine kraftvolle und selbstbestimmte Verbindung zwischen den dargestellten Personen, der Künstlerin und den Betrachter*innen. Sie stellt sicher, dass die einzigartige Vielschichtigkeit der afrodiasporischen Erfahrung weder vereinfacht noch ausgelöscht wird.
Ihre künstlerische Auseinandersetzung steht in unmittelbarer Verbindung zum zentralen Ausstellungstitel THE GOLDEN THREAD. In diesem Kontext versteht sie den goldenen Faden nicht lediglich als ästhetisches Element, sondern als widerstandsfähigen, unsichtbaren Strom der Kontinuität, der Generationen und diasporische Gemeinschaften über Zeit und Raum hinweg miteinander verbindet. Für Davis verkörpert dieser Faden ein kostbares gemeinsames Vermächtnis aus Geist, künstlerischem Ausdruck und kollektiver Widerstandskraft. Er manifestiert sich in einer verbindenden „MelanEssence“ – zugleich der Titel ihrer ersten Einzelausstellung im Jahr 2025 – sowie in einem entschlossenen Streben nach Selbstbestimmung, das die globale Schwarze Erfahrung verankert. Indem ihre Kunst diesem besonderen Strom folgt, verwandelt sie visuelle Sprache in ein kraftvolles Zeichen der Sichtbarkeit.
Aus dieser Perspektive heraus weist Davis eurozentrische und patriarchale Geschichtsbilder entschieden zurück, die marginalisierten Körpern und Erfahrungen über lange Zeit nicht gerecht wurden. Ihr künstlerisches Schaffen versteht sich daher nicht nur als Feier von Identität, sondern auch als politischer Widerstand gegen die globale Vorherrschaft bestimmter ästhetischer Normen. In ihren sorgfältig komponierten Arbeiten verbinden sich tiefe Emotionalität, Sinnlichkeit und eine unverwechselbare Bildsprache. So schreibt Davis zeitgenössische Repräsentation neu: jenseits begrenzender Stereotype und hin zu einer radikalen, selbstbestimmten Bestätigung Schwarzer Identität und Erfahrung.
Bildender Künstler (er/ihm)
“Mein Stil ist „Spirituelle Majestät“. Ich kombiniere zeitgenössische Malerei mit der tiefen Symbolik afrikanischen Erbes. Meine Kunst ist kein bloßes Abbild, sondern ein ritueller Prozess, der die verborgene Würde und das Licht der schwarzen Seele sichtbar macht.“
Josephate Leon ist ein zeitgenössischer bildender Künstler, dessen künstlerisches Schaffen die sakralen Wurzeln Schwarzer Identität wiederentdeckt, hervorhebt und beleuchtet. Leon definiert seinen einzigartigen künstlerischen Stil als „Spiritual Majesty“ (Spirituelle Majestät) und verbindet moderne Maltechniken mit der bedeutungsvollen, überlieferten Symbolik des afrikanischen Erbes. Für ihn geht der Akt des Schaffens über die bloße visuelle Darstellung hinaus; es ist ein sorgfältiger ritueller Prozess, der darauf abzielt, die innewohnende Würde und den strahlenden Geist der schwarzen Seele aufzudecken und zum Ausdruck zu bringen. In seinen Gemälden setzt er sich mit einer zentralen, treibenden Frage auseinander: „Wie können wir die gestohlene Würde und spirituelle Kraft unserer Vorfahren in unsere moderne Identität zurückbringen?“
Geboren in der Demokratischen Republik Kongo (Kinshasa), trägt Leon die spirituellen Rhythmen und die historische Tiefe seiner Heimat in seinem kreativen Bewusstsein. Seit siebzehn Jahren lebt und arbeitet er in Berlin, einer Stadt, deren pulsierende, urbane Energie direkt mit den majestätischen Traditionen des Kongo kollidiert und verschmilzt. Sein Weg als Künstler verlief jedoch selten geradlinig. In Zeiten intensiver Selbstzweifel, zermürbender harter Arbeit und tiefer Momente der Orientierungslosigkeit nutzte Leon seine Kunst als unverzichtbaren Anker, während er sein Leben in Berlin aufbaute. Diese Reise der Resilienz prägte ihn mit unerschütterlicher Disziplin und einer zentralen philosophischen Überzeugung: dass jeder Schatten seinen rechtmäßigen Platz im Licht verdient.
Leon arbeitet vorwiegend mit Acrylfarben auf Leinwand und nutzt die Freiheit der Mischtechnik, um Texturen und eine beeindruckende kompositorische Tiefe zu schaffen. Ein charakteristisches Merkmal seines Schaffens ist der bewusste Einsatz goldener Akzente, die als kraftvolle Metapher für die Läuterung und Veredelung menschlichen Leidens sowie als Spiegelbild göttlicher Gnade dienen. Häufig experimentiert er mit organischen, erdverbundenen Materialien, die eine buchstäbliche, physische Verbindung zu seinen angestammten Wurzeln herstellen. In seinem Schaffen sind Materialien niemals willkürlich gewählt; sie werden bewusst ausgewählt, um die übergreifende Erzählung zu würdigen und der spirituellen Erhabenheit sowie der Würde des Themas zu dienen.
Eine tiefgreifende innere Wandlung in diesem Jahr markierte einen Wendepunkt in Leons Leben und Karriere, als er die bewusste Entscheidung traf, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und seine Verantwortung als Mensch und Schöpfer voll und ganz anzunehmen. Dieser entscheidende Wandel spiegelt sich direkt in seinem bahnbrechenden Kunstwerk „Shadow King“ wider und beweist, dass jede Erfahrung des Verlusts letztendlich seine künstlerische Vision geschärft und seine Hand entschlossener gemacht hat. Für Leon steht „The Golden Thread“ für eine ununterbrochene, göttliche spirituelle Verbindung zurück nach Afrika – ein Leitstern, der ihn dazu anleitet, die gestohlene oder missverstandene Großartigkeit der afrikanischen Kunst wiederherzustellen. Durch sein Werk lädt er die Betrachter (insbesondere das Schwarze Publikum) dazu ein, ihre eigene majestätische Abstammung anzuerkennen, und erinnert die Welt daran, dass afrikanische Kunst nicht durch ihr Trauma definiert wird, sondern durch eine uralte, heilige und triumphale Schönheit.
Bildende Künstlerin & Performancekünstlerin (sie/ihr)
„Meine künstlerische Praxis ist ein inneres Erwachen. Eine Sichtweise, die durch Berührung vermittelt wird. Ein Bild, das dort spricht, wo Sprache versagt. Als deutsch-kongolesische Künstlerin bewege ich mich durch Schichten der Erinnerung, durch Räume, die sich zugleich fremd und vertraut anfühlen.“
Nadege Aurélie ist eine zeitgenössische deutsch-kongolesische bildende Künstlerin, deren zutiefst intuitive und emotionale Praxis als Landschaft des inneren Erwachens fungiert. Angetrieben von dem grundlegenden Bedürfnis, komplexe Gefühle zu materialisieren, für die verbale Sprache oft nicht ausreicht, nutzt Aurélie ihre Kunstwerke als heiligen Raum der Selbsterforschung und tiefgreifenden Wiederverbindung. Für sie wird Identität nicht durch einen festen geografischen Ort definiert, sondern als ein fortwährender, fließender Strom erlebt, der von Verlust, Sehnsucht und dem beständigen Wunsch, sichtbar zu werden, geprägt ist. Ihr kreativer Weg hat sich zu einem durch und durch emotionalen Prozess entwickelt, der ihre tiefen persönlichen Erfahrungen in universelle Erkundungen der menschlichen Innenwelt verwandelt.
Aurélies Gemälde basieren nicht auf einer linearen Erzählweise; vielmehr fungieren sie als kraftvolle Verdichtungen von Erinnerung und unverfälschten Gefühlen. Durch die Arbeit mit Farbe, strukturierten Oberflächen und einem offenen Mixed-Media-Ansatz lässt sie sich bei der Materialwahl organisch von dem leiten, was sich im flüchtigen Moment des Schaffens vollkommen richtig anfühlt. Durch stark taktile Schichten untersucht sie in ihren Arbeiten, wie historisches Erbe und die Herkunft der Vorfahren weiterhin aktiv lebendig sind und sich direkt in physische Körper und individuelle Biografien einschreiben. Ihre Kunst dient als großzügiger, uneingeschränkter Zufluchtsort, an dem das Unsichtbare und das Unausgesprochene sich endlich offen offenbaren dürfen.
Als Künstlerin mit unterschiedlicher Herkunft, die sich in den Räumen zwischen Deutschland und der Demokratischen Republik Kongo bewegt, erforscht Aurélie kontinuierlich die psychologische Erfahrung des Daseins zwischen getrennten Welten. Ihre Beziehung zu Afrika ist zutiefst emotional, persönlich und fragmentiert und weigert sich, sich auf eine einzige kulturelle Schublade festlegen zu lassen. In ihrer künstlerischen Praxis wird „Blackness“ nicht als starres soziales Etikett verstanden, sondern als reichhaltige, gelebte Erfahrung, die fortwährend durch das Gedächtnis der Vorfahren, kollektiven Widerstand, tiefgründige Schönheit und vielfältige globale Einflüsse geprägt wird. Sie erforscht aktiv die flüchtigen „Zwischenräume“ der Diaspora und untersucht, wie Familiengeschichten, unausgesprochene Traumata und emotionales Erbe heutige, vielschichtige Identitäten prägen.
Ihr konzeptioneller Rahmen ist eng mit dem Thema „THE GOLDEN THREAD“ verflochten, das sie sich als eine lebenswichtige, unsichtbare Verbindung vorstellt, die Generationen, persönliche Erzählungen, physische Körper und tiefe innere Wunden miteinander verknüpft. Für Aurélie ist dieser Faden eine widerstandsfähige Rettungsleine, die den Einzelnen auch in verheerenden Momenten kultureller oder persönlicher Zerrissenheit weiterhin verankert und trägt. Ihre künstlerische Praxis wurde maßgeblich von persönlichen Erfahrungen mit Verlust und Zerrissenheit geprägt, ebenso wie von entscheidenden, bestärkenden Begegnungen mit anderen Schwarzen Künstlern und Perspektiven der Diaspora, die unverfälschte Verletzlichkeit würdigen. Letztendlich möchte Aurélie ihre Betrachter emotional berühren und sie dazu einladen, über das analytische Verständnis hinaus in den Bereich des reinen Gefühls vorzudringen. Sie bietet einen transformativen Raum, in dem der Einzelne seine eigenen Schatten erkennen und sich ein wenig weniger allein fühlen kann.
Zeitgenössische Multimedia- und Glaskünstlerin (sie/they)
„Meine Arbeit erkundet den Raum zwischen der Verbindung zu meinen Vorfahr*innen und queerer Existenz. Sie fragt danach, was es bedeutet, das Wissen jener in sich zu tragen, die vor uns kamen, und zugleich in einem Körper und mit einer Identität zu leben, die innerhalb eben dieser Abstammungslinie häufig unsichtbar gemacht wurden.“
Naomi Boima ist eine in Berlin geborene zeitgenössische bildende Künstlerin und Performancekünstlerin. Ihre multidisziplinäre Praxis bewegt sich an der bedeutenden Schnittstelle von Schwarzem Feminismus, der queeren Wiederaneignung von Archiven und der Erinnerung an ihre Vorfahr*innen. Verwurzelt in ihrer afrodiasporischen Identität und ihrem sierra-leonischen Erbe, nutzt Boima ihren Körper und sorgfältig ausgewählte Materialien als aktive Medien, um das Wissen, die Trauer und den fortwährenden Widerstand zu würdigen, die über Generationen hinweg weitergegeben wurden. Ihr künstlerischer Antrieb entspringt dem tiefen Bedürfnis, in einem beständigen Dialog mit den Menschen vor ihr zu bleiben. Dabei bringt sie deren verborgene Vermächtnisse zum Vorschein und setzt sich zugleich mit den ineinandergreifenden institutionellen Machtstrukturen auseinander, die versucht haben, diese auszulöschen.
Boimas eigenständige Materialsprache umfasst Glas, Illustration, Skulptur und Performance und bewegt sich bewusst zwischen dem Physischen und dem Metaphysischen. Besonders das Material Glas fasziniert sie aufgrund seiner poetischen Widersprüche: Es ist zugleich zerbrechlich und widerstandsfähig, transparent und doch zu tiefgreifender Verzerrung fähig. Ihre Arbeit mit diesem anspruchsvollen Material wurde entscheidend weiterentwickelt, als sie 2025 das renommierte Glasstipendium der Alexander Tutsek-Stiftung erhielt. Dadurch entstand eine leuchtende und sich stetig weiterentwickelnde Materialsprache. In ihren Illustrationen dokumentiert und interpretiert Boima Figuren und Symbole neu. So schafft sie ein greifbares physisches Archiv, das fragmentierte und unausgesprochene spirituelle Geschichten auf Papier überträgt.
Ein zentraler Ausgangspunkt ihrer Praxis ist die kritische Auseinandersetzung mit der Verbindung von ancestralem Erbe und queerer Existenz. Boima untersucht, wie ein Schwarzer queerer Körper sowohl historische Brüche als auch generationenübergreifende Kontinuität in sich trägt. Damit bringt sie eine queere Perspektive in Räume ein, in denen diese Identitäten lange Zeit unsichtbar gemacht wurden. Ihre künstlerische Entwicklung wurde maßgeblich durch internationale Erfahrungen und gemeinschaftsorientiertes Engagement geprägt. Austauschsemester in London und Buenos Aires eröffneten ihr vergleichende Perspektiven auf Erfahrungen von Vertreibung und Entwurzelung im Globalen Süden. Von 2020 bis 2023 leitete sie zudem die antirassistische mobile Bibliothek Audream, wodurch Zugänglichkeit und gemeinschaftliche Fürsorge zu festen Bestandteilen ihrer künstlerischen Praxis wurden. Ihre Teilnahme an der Queer Artist Residency „Mirror of Creation“ im Jahr 2023 stellte einen weiteren Wendepunkt dar und rückte queere Perspektiven ausdrücklich ins Zentrum ihrer Arbeit.
Innerhalb dieses vielschichtigen Bezugsrahmens versteht Boima THE GOLDEN THREAD als einen lebendigen Strom des Wissens ihrer Vorfahr*innen: als kollektive Weisheit, Fürsorge und Widerstandskraft, die systematische Vertreibung überdauern und durch den Kolonialismus niemals vollständig unterbrochen werden konnten.
Mit ihrer Arbeit möchte Boima einen transformativen Raum der Bestätigung schaffen, in dem sich Schwarze und queere Betrachterinnen in ihrer Vielschichtigkeit gesehen fühlen. Zugleich hinterfragt sie bewusst herkömmliche historische Gewissheiten und macht sichtbar, dass die Präsenz der Vorfahrinnen keine statische Vergangenheit ist, sondern eine lebendige und wirksame Kraft.
Zeitgenössische bildende Künstlerin (sie/ihr)
„Ich hoffe, dass meine Kunst Wahrheiten offenlegt, die wir über uns selbst nicht wussten – oder vielmehr bewusst ignoriert haben. Ich hoffe, ihr seht es.“
Olachi Opara ist eine autodidaktische, vielseitige Künstlerin, deren Schaffen Acryl, Graphit, Fluid-Painting, Textilarbeiten und Mischtechniken umfasst. Geleitet von Intuition, Schmerz, Rebellion und persönlicher Erfahrung schafft ihr Werk Raum für Ehrlichkeit, Spannung und Wahrheit.
Ihre Kunst beschäftigt sich mit Weiblichkeit, Identität, Schmerz und Kontrolle. Sie ist geprägt von einer lebenslangen Berufung, der sie seit ihrem fünften Lebensjahr folgt, sowie von einer jahrzehntelangen Reise der Selbstfindung, die zunächst von ihrer Cousine, der renommierten Künstlerin Obieze Osuagwu, gefördert wurde.
Seit ihrem Umzug von Nigeria nach Deutschland im Jahr 2018 haben Opara’s Werke eine neue Tiefe gewonnen, geprägt von den vielschichtigen Erfahrungen der Migration und der stillen Stärke, die im Widerstand gegen gesellschaftliche Erwartungen wächst. Sie schafft am Rande der Zugehörigkeit und im Zentrum des Selbst und fertigt Werke, die nicht mit Lautstärke, sondern mit unerschütterlicher Klarheit sprechen.
Während ihre frühen Arbeiten den Betrachtenden einen Einblick durch ihre eigenen Augen gewährten, öffnet ihr aktuelles Schaffen eine Tür anderer Art – einen Raum, in dem jeder Mensch sich selbst klarer erkennen kann, jenseits von Interpretation und Erklärung.
Olachi Opara’s Werke für die Ausstellung „THE GOLDEN THREAD“ sind selbst eine Art Migration: ein Selbst, das über Grenzen hinweggetragen, entwirrt und zu etwas Neuem verwoben wird, das noch im Werden begriffen ist. Zugehörigkeit war für sie nie ein fester Ort, sondern ein Faden, dem sie von Nigeria nach Deutschland folgen musste, vom Rand zweier Identitäten zum Zentrum ihrer eigenen – der goldene Faden, der ihre eigenen Wege nach Hause nachzeichnet. Ihre Kunst löst weder den Schmerz noch das Werden auf; sie benennt sie lediglich und vertraut darauf, dass diese Benennung ausreicht, um von jedem gespürt zu werden, der denselben Weg geht.
Olachis Werk verlangt nicht danach, verstanden zu werden, es besteht einfach darauf, zu sein, und lässt das, was lange vergraben war, an die Oberfläche kommen, sichtbar werden und vielleicht endlich benannt werden.
Zeitgenössisch tätige Person in den Bereichen bildende Kunst und Performancekunst
„Alles beginnt mit dem Sammeln alltäglich genutzter, kritischer Materialien – etwa gebrauchter Kaffeekapseln – und der Inspiration, die daraus entsteht. Aus der Nähe sieht man die Kapseln; aus der Entfernung erscheint plötzlich etwas Neues. So wird das Publikum auf einen anderen Weg geführt und dazu angeregt, über Dinge, Kunst, Konsum und Kommunikation neu nachzudenken.“
Philip Hudgson Dorrel ist ein innovativer karibischer bildender Künstler und Performancekünstler, dessen einzigartige Mosaikpraxis die Grenzen zeitgenössischer Materialität und kultureller Erinnerung auslotet. Er wurde 1968 auf der kulturell vielfältigen Insel San Andrés geboren und wuchs in einem reichen kulturellen Erbe auf, das von den Rhythmen von Salsa, Merengue, Reggae und Calypso geprägt war. Bereits in jungen Jahren wirkte er an preisgekrönten Kulturprojekten mit. 1994 zog Dorrel nach Berlin und begann dort seine autodidaktische künstlerische Laufbahn. Er setzte sich intensiv mit Museumssammlungen auseinander, erweiterte seine Praxis um Malerei und Tanz und entwickelte eine unverwechselbare künstlerische Handschrift. Heute befinden sich seine grenzüberschreitenden Arbeiten in renommierten Privatsammlungen in New York, Athen, Berlin und Kolumbien.
Im Zentrum seiner eigenständigen Praxis steht die Verwandlung gewöhnlicher Konsumabfälle in eindrucksvolle Werke der bildenden Kunst. Dorrel arbeitet vor allem mit metallischen Kaffeekapseln, die er auf Leinwänden befestigt und wie eine selbst gewählte Farbpalette einsetzt. Indem er die Kapseln nebeneinander anordnet und ihre ursprünglichen Farben sowie ihre zusammengedrückten Formen bewahrt, erzeugt er eine starke optische Wirkung. Aus der Nähe werden die Betrachter*innen mit dem unverarbeiteten Konsumprodukt konfrontiert. Aus der Distanz jedoch fügen sich die einzelnen Bestandteile zu erkennbaren, ikonischen Motiven aus Kunstgeschichte und Film sowie zu Porträts von Familienmitgliedern zusammen. Dieser bewusste Perspektivwechsel eröffnet kritische Räume für den Dialog und fordert das Publikum dazu auf, das menschliche Verhältnis zu Konsum, Massenkommunikation und Umwelt neu zu betrachten.
Eine zentrale Rolle in seiner Auseinandersetzung spielt das Konzept von THE GOLDEN THREAD. Dorrel versteht den goldenen Faden als unzerreißbare ancestrale Nabelschnur, die die karibische Diaspora unmittelbar mit Afrika verbindet. Schwarzsein und Herkunft sind für ihn keine abstrakten politischen Zuschreibungen, sondern ein allgegenwärtiges Erbe, das im Alltag weitergetragen wird und sich in Sprache, Essen, Tanz und kollektivem Gedächtnis zeigt. Seine Kunst fungiert als ein wichtiger Akt des Erinnerns und trägt dazu bei, dass die Verbindung zu den Vorfahr*innen niemals abreißt. In seinen sorgfältig komponierten Arbeiten rückt Dorrel Schwarze Schönheit und familiäre Intimität bewusst ins Zentrum. Die schimmernden und reflektierenden Eigenschaften der metallischen Materialien nutzt er, um Gemeinschaften und Geschichten zum Leuchten zu bringen, die historisch marginalisiert wurden.
Angetrieben von dem beständigen Wunsch, die Grenzen menschlicher Vorstellungskraft zu überschreiten, fragt Dorrel immer wieder, welches weitere Potenzial sich aus gewöhnlichen Materialien gewinnen lässt, um etwas radikal Neues zu schaffen. Dieser offene Ansatz mündete zuletzt in einer eindrucksvollen Kunstperformance mit selbst entworfener, tragbarer Kunst, durch die seine strukturellen Kompositionen unmittelbar in eine dreidimensionale Bewegung überführt wurden.
Letztlich hofft Dorrel, dass die Betrachter*innen nicht nur die Schönheit der Werke in ihrer Gesamtwirkung wahrnehmen, sondern zugleich die Botschaft erkennen, die in jeder einzelnen Kapsel steckt. So wird seine künstlerische Praxis zu einem lebendigen Medium gesellschaftlicher Reflexion und transkultureller Verständigung.
Bildende Künstlerin (sie/ihr)
„Im Mittelpunkt meiner künstlerischen Arbeit steht die Stärkung von Frauen, wobei mein besonderes Augenmerk auf Frauen in Afrika, insbesondere in Südafrika, liegt. Als ägyptische Künstlerin lasse ich mich zutiefst von der Stärke, der Widerstandsfähigkeit, der Schönheit und der kulturellen Identität afrikanischer Frauen inspirieren.“
Shaima Dief ist eine zeitgenössische bildende Künstlerin aus Ägypten, deren ausdrucksstarke Arbeit als wirkungsvolles Instrument für die Stärkung von Frauen, die Rückeroberung kultureller Identität und künstlerischen Widerstand dient. Tief bewegt von der Stärke, der Widerstandsfähigkeit und der komplexen Identität von Frauen auf dem gesamten afrikanischen Kontinent, setzt sich Dief mit Themen wie Weiblichkeit, kulturellem Erbe und Selbstausdruck auseinander. Ihr kreativer Werdegang ist geprägt von der Notwendigkeit, die Stimmen von Frauen in Bereichen sichtbar zu machen, in denen sie regelmäßig an den Rand gedrängt oder zum Schweigen gebracht werden. Nach ihrem Umzug von Ägypten nach Deutschland war ihre Entwicklung geprägt von der beharrlichen Weigerung, Kompromisse bei ihrer Botschaft einzugehen. Frühe künstlerische Zensur und Kritik wurde ihr Antrieb für eine engagierte Auseinandersetzung mit persönlicher und kollektiver weiblicher Souveränität.
Diefs akademische und berufliche Entwicklung erhielt während ihres Kunststudiums an der Bauhaus-Universität Weimar erheblichen Auftrieb; dort bot sich ihr erstmals die Gelegenheit, in einem internationalen künstlerischen Umfeld auszustellen, und es entwickelte sich eine selbstbewusste, analytische Auseinandersetzung mit Fragen der Darstellung. Später, als sie in Leipzig ausstellte, sah sie sich institutionellem und gesellschaftlichem Druck ausgesetzt, der versuchte, sie eng gefasst als „die afrikanische Künstlerin“ zu etikettieren, in der Erwartung, dass ihre Arbeiten stereotype Erzählungen von Schwäche oder Leid reproduzieren würden. Diesen äußeren Erwartungen trotzend entschied sich Dief bewusst dafür, eine Gegenerzählung zu konstruieren, indem sie afrikanische Frauen als beeindruckende, souveräne und fast gottinnenhafte Figuren darstellte und damit moderne Wahrnehmungen marginalisierter Körper neu definierte.
Dief arbeitet vorwiegend mit Acrylfarbe, Ölstiften, Tinte, goldenem Papier und Mischtechniken auf Leinwand und setzt kontrastierende Texturen ein, um vielschichtige, ausdrucksstarke Kompositionen zu schaffen, die die psychologische Tiefe ihrer Motive widerspiegeln. Ihre künstlerische Auseinandersetzung schlägt eine direkte historische Brücke und stellt moderne gesellschaftliche Einschränkungen den kraftvollen Darstellungen von Frauen in alten afrikanischen Zivilisationen gegenüber, insbesondere in der altägyptischen Mythologie. Indem sie die historische Wahrheit über Frauen als verehrte Symbole der Weisheit, des Schutzes und der Schöpfung wiederbelebt, bricht sie aktiv mit zeitgenössischen Stereotypen, um die angeborene Erhabenheit, die „Soft Power“ und den historischen Einfluss wiederherzustellen, die afrikanische Frauen seit jeher verkörpern.
In diesem Rahmen begreift Dief „The Golden Thread“ als eine wesentliche Verbindungslinie, als unsichtbares Band, das die Vergangenheit mit der Gegenwart, Afrika mit seiner Diaspora und die Geschichte mit der zeitgenössischen Identität verbindet. Für eine ägyptische Künstlerin, die im Ausland lebt und arbeitet, dient dieser Faden als wichtiger Anker zu ihren Wurzeln, während sie sich in Deutschland mit Themen wie Erinnerung und Zugehörigkeit auseinandersetzt. Indem sie diese vielschichtigen inneren Landschaften offenlegt, hofft Dief, einen interkulturellen Dialog anzuregen, der die Betrachter dazu inspiriert, eurozentrische und patriarchalische Geschichtsdarstellungen zu hinterfragen. Letztendlich sind ihre Gemälde eine tiefgreifende Einladung an Frauen überall auf der Welt, ihre eigene heilige Kraft zu erkennen, und schaffen einen transformativen Raum, in dem sie nicht nur gesehen, sondern zutiefst anerkannt und gestärkt werden.
Person aus den Bereichen bildende Kunst, Medizin und Kunsttherapie
„Wie gehen wir mit dem um, was uns mitgegeben wird? Wie bringen wir zum Ausdruck, was so tief in uns verborgen liegt? In einigen meiner Arbeiten habe ich untersucht, wie Krankheiten, intensive Gefühle und die Beziehung zu meinem Selbst mein Dasein beeinflussen.“
Thuli Wolf ist eine autodidaktische deutsch-simbabwische bildende Künstlerin, Ärztin und Kunsttherapeutin. Ihre Arbeit bewegt sich an der tiefgreifenden Schnittstelle von kreativem Ausdruck und Heilung. Aufgewachsen in einer überwiegend weißen Kleinstadt in Ostdeutschland, begann Wolf bereits in früher Kindheit künstlerisch zu arbeiten. Die Kunst wurde für sie zu einem wichtigen Schutzraum, in dem sie mit tiefen Gefühlen von Einsamkeit und Angst umgehen konnte. Obwohl ihr kreatives Talent von Pädagog*innen stark gefördert wurde, folgte Wolf zunächst dem familiären Weg in die Medizin und stellte die Kunst vorübergehend zurück. Erst während einer persönlichen Krise kehrte sie zur Leinwand zurück. Die Malerei wurde zu einem Rettungsanker und machte ihr schließlich bewusst, dass ihre eigentliche Berufung in der heilenden Kraft der Kunst lag. Dies führte zu ihrem Wechsel in die Kunsttherapie und zur Gründung einer eigenen Praxis.
Wolf arbeitet vor allem mit Acrylfarben, Tusche und Ölpastellkreiden auf Leinwand. Ihre abstrakten Kompositionen entstehen intuitiv und erkunden in vielschichtigen Überlagerungen innere Landschaften, in denen frühere Spuren wie Erinnerungen durch einen Nebel hindurchschimmern. Die Künstlerin untersucht, wie Kunst unsere Wahrnehmung der Welt verändern kann. Ihre Arbeiten fragen danach, was es bedeutet, Raum einzunehmen in einer Welt, die von marginalisierten Menschen immer wieder verlangt, sich kleiner zu machen.
Ein entscheidender Wendepunkt in Wolfs Entwicklung war die Ausstellung von Zanele Muholi im Berliner Gropius Bau. Angesichts von Muholis kompromisslosen und mutigen Porträts fand Wolf den Mut, sich der eigenen inneren Welt zuzuwenden, ihre Identität als afrikanische und queere Frau anzunehmen und ihr Schwarzsein nach Jahren des Versuchs, sich an die weiße deutsche Gesellschaft anzupassen, vollständig zu bejahen. Diese innere Veränderung wurde durch zahlreiche Reisen auf dem afrikanischen Kontinent sowie durch die spätere Verbindung mit der Schwarzen Community in Berlin vertieft. Diese Erfahrung veränderte Wolfs Verständnis des Ausstellungsthemas THE GOLDEN THREAD grundlegend.
Für Wolf zeigt sich dieser Faden nicht in materiellem Reichtum, sondern in der unzerstörbaren Verbindung einer gemeinsamen diasporischen Zugehörigkeit. Die Begegnung mit dieser Gemeinschaft beschreibt sie als etwas, das „kostbarer ist, als Gold es jemals sein könnte“: als einen transformativen Raum, in dem sie sich erstmals vollkommen verstanden, ernst genommen und bestärkt fühlte. Diese Verbindung bildet ihren persönlichen goldenen Faden. Sie vermittelt ein tiefes Gefühl von Sicherheit und ein radikales Willkommen, das kein Staat, keine Regierung und kein geografischer Ort jemals bieten könnte.