Foto aus Brigitte Schiffers Dissertation "Die Oase Siwa und ihre Musik" (1936)
© Brigitte Schiffer
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Ein Gespräch zwischen der Künstlerin Netta Weiser und dem Musikwissenschaftler Dr. Matthias Pasdzierny über Leben und Werk der jüdisch-deutschen Komponistin Brigitte Schiffer (1909–1986). Gemeinsam sprechen sie über Schiffers Exiljahre in Ägypten, queere Spuren im Archiv sowie über Praktiken des Zuhörens über Zeiten und Kulturen hinweg.

Brigitte Schiffer studierte Anfang der 1930er Jahre Komposition und Musikwissenschaft in Berlin. Im Rahmen ihrer Promotion führte sie Feldforschungen in der Oase Siwa durch, einer abgelegenen Oase im Westen Ägyptens. Mit einem Phonographen dokumentierte sie eine Vielzahl vokaler Praktiken der dort lebenden Amazigh-Gemeinschaft. Zu ihren Aufnahmen gehören seltene Klangdokumente, darunter ein Trauergesang eines Kinderchors sowie eine Sammlung von Liebesliedern mit queeren Untertönen, die von Landarbeitern in den Gärten der Oase gesungen wurden.

Nach Abschluss ihrer Dissertation floh Schiffer 1935 infolge der Machtübernahme der Nationalsozialisten aus Deutschland und ging ins Exil nach Ägypten, wo sie die folgenden 30 Jahre lebte und zu einer der zentralen Figuren des Musiklebens im kosmopolitische Kairo wurde.

Schiffers Aufnahmen aus Siwa haben sich im Phonogramm-Archiv erhalten – einer Institution, die historisch in koloniale Wissensproduktion eingebunden war und heute Teil des Ethnologischen Museums Berlin ist. Die Künstlerin Netta Weiser aktiviert Schiffers Archiv in ihrer Klangausstellung fuga, die derzeit im Hörraum des Humboldt Forums zu erleben ist.

Im Rahmen der Gästezimmer-Reihe spricht Netta Weiser mit dem Musikwissenschaftler Dr. Matthias Pasdzierny, der seit über zehn Jahren zu Leben und Werk Brigitte Schiffers forscht. Im Dialog zwischen künstlerischer und wissenschaftlicher Forschung reflektieren sie koloniale Klangarchive, die Herausforderungen transkultureller Forschung sowie das politische Potenzial eines anderen Zuhörens.

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