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Quartett. Ein Krankenhausbett. Eine Frau. Ein Mann (ihr Pfleger). Ein Kartenspiel. Die fehlenden Karten zu suchen – mögliche Aufgabe und Spielanordnung. Und eine Inszenierung im Theater im Palast, 1989, vor 35 Jahren, die zu denken aufgibt. – Die Machtkämpfe von gestern sind ausgetragen, privat wie politisch, keine Sieger in Sicht, nur die Erinnerungen gehen noch um, die Sätze im Kopf, Klopfzeichen in der Kanalisation, dem eigenen Körper. „Jetzt sind wir allein / Krebs mein Geliebter“.

Heiner Müllers bekanntestes Stück Quartett in einer szenischen Versuchsanordnung mit Corinna Harfouch und Oscar Olivo.

Heiner Müllers „Quartett“ (1981) wurde 1982 unter der Regie von B. K. Tragelehn in Bochum uraufgeführt – seitdem ist es auch international Müllers meistgespieltes und bekanntestes Theaterstück.

Choderlos de Laclos‘ Briefroman „Gefährliche Liebschaften“ (1782) bildete die Vorlage für den Text, Müllers Intention beim Schreiben war es, „die Struktur von Geschlechterbeziehungen freizulegen“ und „Verdrängungen zu zerstören“. Er selbst bezeichnete „Quartett“, „Zeitraum: Salon vor der Französischen Revolution / Bunker nach dem dritten Weltkrieg“, als Komödie.

In der DDR konnte das Stück erst im April 1989 im „theater im palast“ unter der Regie von Bernd Peschke aufgeführt werden. Ein halbes Jahr später, Anfang Oktober 1989, steht Heiner Müller selbst auf der Bühne des „tip“ und liest die Rolle des Valmont, denn Regisseur und Hauptdarsteller hatten die DDR über Ungarn in Richtung Bundesrepublik verlassen.

„QUARTETT ist ein Reflex auf das Problem des Terrorismus, mit einem Stoff, mit einem Material, das oberflächlich nichts damit zu tun hat. Die Vorlage, Laclos’ ‚Gefährliche Liebschaften‘, habe ich nie ganz gelesen. Meine wesentliche Quelle war das Vorwort von Heinrich Mann zu seiner Übersetzung. Das Hauptproblem beim Schreiben von QUARTETT war, eine Dramaturgie zu finden für den Briefroman, und das ging schließlich nur über das Spiel, zwei spielen vier. Der Plan existierte seit den 50er Jahren. Nach MAUSER konnte ich es dann schreiben, beziehungsweise nach der MAUSER-Inszenierung von Christof Nel 1980 in Köln […].

Ich saß da in einer Villa bei Rom im obersten Stock. Angefangen hatte ich vorher schon, aber das letzte Drittel oder die zweite Hälfte ist da geschrieben worden, zum ersten Mal auf einer elektrischen Schreibmaschine. Das hatte Folgen für den Text. Er ist mehr ein Uhrwerk als andere Texte vorher. In den unteren Räumen wohnte meine Frau mit einem anderen Mann, der heftig in sie verliebt war. Sicher ging davon eine Energie aus. Ich hatte ein kleines Radio bei mir, im dritten Programm lief gerade eine Schubert-Serie. Und ich erinnere mich an ein Lied, das da in der Nacht besonders eindrucksvoll war, aus der ‚Schönen Müllerin‘, wo der Bach den Knaben zum Selbstmord einlädt. ‚Und die Sterne da oben, wie sind sie so weit.‘“

(in: Heiner Müller: Krieg ohne Schlacht. Leben in zwei Diktaturen. Eine Autobiographie = Werke 9. Hg. von Frank Hörnigk, Frankfurt am Main 2005 S. 248-249)

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Beteiligte

Es spielen: Corinna Harfouch und Oscar Olivo

Sound: Hannes Gwisdek

Video: Roman Kuskowski

Regie: Marcel Kohler / Corinna Harfouch

Dramaturgie: Kristin Schulz

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