Highlight

Geliebt und verhasst, bewundert und geschmäht, verschwunden und erinnert: Wo sich heute das Humboldt Forum befindet stand einst der Palast der Republik, Repräsentationsbau politischer Macht in der DDR. Mit dem Programm Hin und weg. Der Palast der Republik ist Gegenwart widmet das Humboldt Forum diesem verschwundenen Ort einen Jahresschwerpunkt und reflektiert damit die eigene Existenz und Vorgeschichte sowie die öffentlich diskutierte Frage, warum der Palast der Republik abgerissen und an seiner Stelle das Humboldt Forum errichtet wurde – in der Anmutung des barocken Schlosses und in Teilen über der im Untergrund original erhaltenen Betonfundamentierung des Palastes.

Einladung zum Diskurs

Warum der Titel „Der Palast der Republik ist Gegenwart“? Weil die Fragen, die der Bau, der Betrieb und der Abriss des Palasts aufwarfen, auch heute noch viele Menschen bewegen. Das Programm thematisiert Verlust, Unterdrückung, Freiräume, Teilhabe und Transformation und umfasst eine große Sonderausstellung, eine Theaterproduktion, vielfältige Veranstaltungen, Workshops und digitale Angebote sowie eine umfangreiche Buchpublikation.

Sonderausstellung

Die Ausstellung Hin und weg. Der Palast der Republik ist Gegenwart macht ab Mai 2024 auf 1.300 Quadratmetern Geschichte und Gegenwart des Palastes erlebbar. Zu sehen sind Objekte aus und zum Palast, Zeichnungen, Fotografien und Plakate, Audio- und Videointerviews aus dem Projekt „Erinnerungsarbeit im Humboldt Forum“ und partizipative Angebote.

Die Ausstellung widmet sich den verschiedenen Phasen des Gebäudes: von seiner Planung und Errichtung (1973-1976) über seine Nutzung als politisch-kulturelles Mehrzweckgebäude der DDR, seine Bedeutung als Sitz der ersten frei gewählten Volkskammer bis hin zur Zwischennutzung und dem 2008 vollendeten Abriss in der Bundesrepublik Deutschland. Zahlreiche Kunstwerke, Entwürfe und Ausstattungsstücke aus dem Palast der Republik veranschaulichen die verschiedenen Nutzungen des Hauses, darunter Fragmente der Skulptur Gläserne Blume sowie das Gemälde Die Rote Fahne von Willi Sitte.

Programm

Ausgangspunkt ist die Begegnung mit dem verschwundenen Ort, der noch als Leerstelle für viele Menschen ein bildmächtiges Symbol für das Ende der DDR ist. Der Abriss des Palastes steht für viele Menschen stellvertretend für den Umgang der Bundesrepublik mit dem DDR-Erbe und seinen Menschen, die Verlusterfahrungen genauso wie Ab- und Entwertung der eigenen Biografie erlebten. Für andere wird der Abriss als ein Akt der Befreiung vom Staat DDR und seinem diktatorischen Wirken gesehen, manche stehen dem Abriss gleichgültig gegenüber. Die Ausstellung zeigt via zahlreicher Interviews die Perspektiven von Menschen, die im Palast gearbeitet haben, die ihn besucht oder bewusst gemieden haben. Dabei kommen prominente und bislang ungehörte Stimmen zu Wort.

Familien mit Kindern ab 4 Jahren können mit einem Kinderheft auf spielerische Art und Weise die Themen der Ausstellung erkunden. Anhand von einfachen Erläuterungen, Such- und Kreativaufgaben lenkt es die Aufmerksamkeit gezielt auf Exponate. Mit dem Kreativbogen können sie eine Erinnerungsbox gestalten, die sie anschließend mit nach Hause nehmen.

Veranstaltungen, Führungen und Workshops

Im Rahmen des Jahresschwerpunktes erwartet Sie ein vielfältiges Veranstaltungs- und Vermittlungsprogramm. Führungen und Workshops stellen die Geschichte und Bedeutung des Palastes der Republik vor, geben Einblicke in verschiedene Sichtweisen und laden zum Austausch ein. Performances, Filme, Konzerte, Vorträge und Diskussionen geben Gelegenheit, die verschiedenen Facetten des Palastes der Republik kennenzulernen. Der Palast-Treff bringt Expert*innen und Besucher*innen am runden Tisch zum Gespräch zusammen. Die Virtual-Reality-Installation Palast der Erinnerung ist ein begehbares Kunstwerk, das das Raumgefühl des Palastes erlebbar macht.

Buchpublikation

Die Publikation Hin und weg. Der Palast der Republik ist Gegenwart positioniert den Palast der Republik als gesamtdeutsches Thema und beleuchtet ihn in seiner ganzen Breite, mit Themen wie Architektur, Baugeschichte, künstlerische Positionen, Forschung und Erfahrungswissen. Herzstück sind zahlreiche Perspektiven unterschiedlichster Menschen auf den Palast und seine Geschichte, Diskurse öffnen das Thema für ein breites Publikum.
Mit Textbeiträgen u. a. von Victoria Helene Bergemann, Aron Boks, Gesine Danckwart, Hanno Hochmuth, Dagmar Hovestädt, Zsófia Kelm, Ilko-Sascha Kowalczuk, Yevheniia Moliar, Chen Shuyu, Gülşah Stapel, Oliver Sukrow, Bruno Torres, Uljana Wolf sowie Kurator*innen der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss. Mit Fotoarbeiten von Tobias Kruse, Grafiken von graphicrecording.cool (Johanna Benz, Tiziana Beck).
Hin und weg. Der Palast der Republik ist Gegenwart, Hardcover,  248 Seiten, 34,90 €
Erhältlich im Shop des Humboldt Forums und im Buchhandel.

Kultur- und Medienpartner

ARTE
Märkische Oderzeitung MOZ
MitVergnügen
Monopol
radioeins
radiodrei
Sächsische Zeitung
Tagesspiegel
Geschichte des Ortes im Humboldt Forum

Der Bereich Geschichte des Ortes hat seit Anfang 2014 Forschungen durchgeführt, Film-, Fernseh- und Fotomaterial erschlossen und digitalisiert, Objekte und Archivalien recherchiert und gesammelt, Ausstellungen und Veranstaltungen sowie vielfältige Gespräche und Publikationen zum Palast der Republik verantwortet. Zwölf „Spuren“ mit Objekten oder Dokumenten zum Palast der Republik  sind im Humboldt Forum dauerhaft installiert und können virtuell im Medienguide erkundet werden. Auch im „Videopanorama“ spielt der Palast der Republik eine prominente Rolle.

Unter pdr.humboldtforum.org macht ein Blog seit November 2022 die Ergebnisse der Programmarbeit sichtbar und öffnet den Blick hinter die Kulissen. Erfahren Sie mehr über die Recherchen zum Palast der Republik, die Sammlungstätigkeit, Erinnerungsarbeit, Netzwerke und Methoden und nicht zuletzt Näheres zur Vorbereitung der großen Sonderausstellung und Theaterproduktion in 2024.

Schon seit 2022 finden im Humboldt Forum Veranstaltungen zum Palast der Republik stattDer Schwerpunkt Der Palast der Republik ist Gegenwart startete im Mai 2022 mit einem Themenwochenende, Ende 2023 fokussierten Diskussionen, Lesungen und andere künstlerische Formate Kulturpaläste insbesondere Mittel-, Ost- und Südosteuropa, wo einige bis heute aus der Zeit vor 1990 erhalten sind.

Der Palast der Republik ist Gegenwart

Vergangenes Programm

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