LAGOS is a R.A.V.E.
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| 20 EUR / ermäßigt 10 EUR, 16 EUR für Tanzcard-Inhaber*innen |
| Bitte buchen Sie Ihr Ticket vorab online oder an der Kasse im Foyer. |
| Künstler*innengespräch im Anschluss an die Vorstellung am 04.10. |
| ab 12 Jahre |
| Keine Sprachkenntnisse erforderlich |
| Sonderausstellung 2, EG |
| Gehört zu: Transkontinentale 2026 |
LAGOS is a R.A.V.E. (Radical Audio Visual Experience) heißt das neue Werk für elf Tänzer von Nigerias führendem zeitgenössischen Choreografen Qudus Onikeku und seiner QDance Company. Es untersucht die Megastadt Lagos als lebendiges choreografisches System.
LAGOS is a R.A.V.E.
Radical Audio Visual Experience
Zehn Wochen lang waren wir zu zwölft im Studio und haben versucht, dieser Megacity mit mehr als 20 Millionen Einwohnern auf eine andere Weise zuzuhören. Wenn man Lagos betritt, geschieht etwas: Der Körper weiß plötzlich etwas, das der Geist noch nicht verstanden hat.
Lagos verlangt von den Menschen, die hier leben, eine besondere Form von Intelligenz. Pläne brechen zusammen, Wege verschwinden. Der Strom fällt aus, Generatoren springen an. Der Verkehr ordnet die Zeit neu. Preise ändern sich über Nacht. Irgendwie geht das Leben weiter.
Jede Unterbrechung erzeugt einen neuen Rhythmus.
Während ich für meinen Blog den Text Afrobeats Has Reached the End of Innocence schrieb (qudusonikeku.com/blog), kehrte ich immer wieder zu Felas Confusion und Confusion Break Bone zurück, zwei Reflexionen über Lagos, die Jahrzehnte voneinander entfernt entstanden sind. Mich begann zu interessieren, was geschieht, wenn Verwirrung aufhört, eine Unterbrechung zu sein, und zu einer Atmosphäre wird – zu einem Zustand, in dem man lernt zu leben.
Welche Art von Körper bringt Verwirrung hervor?
Vielleicht ist Improvisation hier mehr als eine künstlerische Methode. Sie ist eine Technologie des Lebens: die Fähigkeit des Körpers zuzuhören, zu verhandeln, den Weg neu zu finden, zu erfinden und weiterzumachen, wenn Gewissheit verschwindet. Dies wurde zu einem der Ausgangspunkte für LAGOS is a R.A.V.E.
Aber Lagos ist niemals nur das, was unmittelbar sichtbar ist. Mehrere Zeiten und Realitäten bewohnen dieselbe Geografie: ancestral und hypermodern, heilig und profan, Straßenökonomie und digitale Ökonomie, eine Nachtwache in der Kirche neben dem Nachtleben, Maskerade und Algorithmus. Menschen teilen die Stadt mit Vorfahren, Geistern, Tieren, Maschinen, Ritualen, Objekten und Erinnerungen.
Sie alle sind am Lagosieren.
Die Stadt wird zu einer Choreografie ohne einen einzelnen Choreografen – Millionen von Verhandlungen, Kollisionen, Unterbrechungen und Wiederherstellungen komponieren und re-komponieren sie unaufhörlich.
Die elf jungen Künstlerinnen, die gemeinsam mit mir diese Arbeit entwickeln, sind alle Absolventinnen der The QSchool. Sie gehören zu einer Generation, für die Lagos weder eine Idee noch ein exotisches Spektakel ist. Es ist gelebtes Wissen. Die Stadt wird in jedem ihrer Körper anders getragen: in Sprache, Gestik, Humor, Mode, Spiritualität, Musik, Hustle, Frustration, Lust, Erinnerung und Begehren.
Auch sie einfach als Tänzer*innen zu bezeichnen, würde sie nicht ganz beschreiben. Sie bewegen sich frei zwischen Tanz, Musik, Performance, Sound, Mode, visueller Kultur und den Sprachen der zeitgenössischen Jugend von Lagos. Die Arbeit ist ihrer Vielgestaltigkeit gefolgt.
Irgendwo zwischen wütendem Tanzen, elektronischer Live-Musik, Soundscape, Archiv, Mode, Ritual, Rave-Kultur und kollektiver Euphorie versuchen wir, etwas zu schaffen, das Lagos nicht so sehr repräsentiert, sondern sich wie Lagos verhält.
Für mich lässt sich Lagos zunehmend schwer von der Frage trennen, wer ich geworden bin. Ich wurde hier geboren, ging fort, verbrachte Jahre damit, anderswo Arbeiten zu entwickeln, und kehrte schließlich zurück. Seitdem habe ich versucht, innerhalb der Stadt etwas aufzubauen – Arbeiten, Gemeinschaften, Institutionen, Möglichkeiten –, während die Stadt ihrerseits weiter an mir gearbeitet hat.
Ich habe gelagost. Und ich bin gelagost worden.
Vielleicht liegt in dieser Wechselseitigkeit das Herzstück der Arbeit.
LAGOS is a R.A.V.E. entfaltet sich als Reise durch einen Tag in Lagos, beginnend um 4:30 Uhr morgens und sich bis 3 Uhr nachts bewegend. Doch Zeit ist hier niemals vollständig linear. Die Stunden verschieben sich zwischen aktuellen Ereignissen, historischen Geschehnissen, jüngster Erinnerung und Dingen, die vielleicht noch gar nicht geschehen sind. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sickern immer wieder ineinander, so wie sie es auch in der Stadt selbst tun.
Es ist zugleich eine Hommage, eine Reflexion und eine Postkarte aus Lagos. Die Arbeit versucht nicht, die Widersprüche der Stadt aufzulösen. Sie bleibt lange genug in ihnen, um nach ihren Mustern zu lauschen – um zu fragen, ob unter dem, was als Unordnung erscheint, vielleicht eine andere Intelligenz, ein anderer Rhythmus, eine andere Choreografie verborgen liegt.
Und vielleicht beginnt genau hier der R.A.V.E.
Qudus Onikeku, Berlin, Oktober 2026
Das Stück vereint Tanz, Klanglandschaft, Mode, Archivmaterial und elektronische Musik und untersucht, wie mehr als zwanzig Millionen Menschen gemeinsam Raum, Zeit, Kulturerbe, Sehnsüchte, Wirtschaft und Überleben im Wechsel von Hoffnung, Spannung, Überforderung, Konflikt, Entlastung und erneuter Hoffnung bewältigen. Anstatt sich Lagos über die bekannten Narrative von Chaos oder Dysfunktion zu nähern, stellt das Werk die Stadt als eine lebendige Intelligenz dar, deren informelle Netzwerke sich jenseits institutioneller Strukturen ständig neu organisieren. Hier wird Bewegung zu einer sozialen Technologie, durch die Gemeinschaften neue Formen des Zusammenlebens, des Austauschs, der Spiritualität, des Vergnügens und des Widerstands erfinden.
Das Stück schöpft aus der Yorùbá-Kosmologie, der Geschichte der nigerianischen Gesellschaften, Afrobeats, der Rave-Kultur, der Jugendkultur und der Straßenwirtschaft. LAGOS is a R.A.V.E. ist ein Projekt, das die Stadt als Choreografie untersucht und die Frage stellt, wie sich Geschichte weiterhin durch Körper bewegt, die das Nachleben von Kolonialismus, Militärdiktatur, Migration, Ölwirtschaft, religiöser Ekstase und der unerbittlichen Erfindung neuer Zukünfte in sich tragen. Humor, Konfrontation, Feier, Erschöpfung und kollektive Trance treten als miteinander verbundene Zustände im Stoffwechsel der Stadt zutage.
Besetzung
Tanz: Joshua Tervar Anum, Evangel Austin, Bright Bassey, Emmanuel David, Abok Ezekiel, Ruth Felix, Vessy Igben, Matthew Ilione, Tijese Jatto, Lizinmwa Man, Angela Okolo
Choreographie: Qudus Onikeku
Licht: Michel Abdallah
Sound: Anum Joshua Tervar
Produktion: Hajarat Alli
The QDance Center, Lagos
Besuchshinweise
Kurzbeschreibung in Einfacher Sprache
”LAGOS is a R.A.V.E.“ ist ein neues Tanz-Stück von dem Tänzer Qudus Onikeku aus Nigeria. Elf Tänzerinnen und Tänzer zeigen das Stück in einem Ausstellungsraum im Erdgeschoss. Sie tanzen, bewegen sich und feiern zu lauter Musik aus Nigeria. Dabei tragen sie bunte Kleidung aus Westafrika. Im Hintergrund sind Videos zu sehen. Das Stück geht eine Stunde und es gibt keine Pause. Am Ende ist das Publikum eingeladen, noch zu bleiben und mitzutanzen.
Das Stück zeigt das Leben in der Stadt Lagos in Nigeria. Dort leben mehr als 20 Millionen Menschen. In dem Stück geht es um Freude und Hoffnung, aber auch um täglichen Stress, Streit und Erschöpfung.
Die Tänzerinnen und Tänzer zeigen, wie Menschen gemeinsam neue Wege finden können. Sie können sich gegenseitig helfen. Und sie können gemeinsam für ihre Rechte kämpfen. Die Geschichte und die Kultur der Menschen in Lagos spielen eine wichtige Rolle.
Sensorische Reize
Es gibt Passagen mit plötzlichen Lichtwechseln und Blicklicht. Es gibt Passagen, während denen es ganz dunkel ist. Auf der Bühne gibt es grelle Farben und laute Musik. Außerdem gibt es unerwartete und sich wiederholende Geräusche. Die Personen auf der Bühne bewegen sich zeitweise schnell. Es wird mit Projektionen gearbeitet.
Atmosphäre
Das Licht ist gedimmt oder ganz aus. Es gibt Passagen, in denen es laut ist.
Barrierefreiheit
Es gibt Plätze für Rollstuhlfahrende, eine barrierefreie Toilette und eine Toilette für alle. Bei Bedarf kann jemand Sie zu Ihrem Platz begleiten.
Content Notes
In dem Stück zeigen die Tänzerinnen und Tänzer starke Emotionen. Während des Stücks ziehen sich Menschen auf der Bühne um, dabei kann es zu teilweiser Nacktheit kommen.
In der zweiten Hälfe des Stücks wird das Publikum auf die Bühne eingeladen, um bei dem Rave mitzutanzen. Die Teilnahme ist freiwillig.