Familiengeheimnisse als (Stil)Mittel im Film
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| kostenfrei |
| Dauer: 120 min |
| Deutsch |
| Saal 3, EG |
| Teil von: Ringvorlesung Beziehungsweise Familie |
„Familiengeheimnisse“
Geheimnisse sind von großem gesellschaftlichem Wert – von der ärztlichen Schweigepflicht bis hin zum Schweigerecht des Beklagten vor Gericht. Artikel 16 der UN-Kinderrechtskonvention „Schutz von Privatsphäre und Ehre“ gesteht Kindern das Recht zu, Geheimnisse zu haben. Hinter Privatgeheimnissen verbergen sich meist Familiengeheimnisse. Sie sind weit mehr als gehütete Informationen. In ihnen offenbart sich das Bedürfnis, die eigene Integrität und Privatsphäre und damit auch andere zu schützen, Intimität zu bewahren. Familiengeheimnisse können Ausdruck von Scham, der Angst vor Blöße sein, sie zeugen aber auch von dem Wunsch nach sozialer Integration unter dem Druck gesellschaftlicher Konventionen und Moralvorstellungen. Sie sind Teil der biografischen Erfahrung eines jeden Menschen und fast jeder Familie, und sie wirken individuell sehr unterschiedlich nach.
Erzählen und Verschweigen von Geheimnissen machen sichtbar, wie Individuen Einfluss auf ihre Lebensgeschichten nehmen, emotionale Beziehungen gestalten und gesellschaftliche Normen verhandeln. Zugleich zeigt die kultur- und sozialwissenschaftliche Forschung, dass Geheimnisse weit über das Private hinausreichen: Sie erfüllen grundlegende gesellschaftliche Funktionen, indem sie Grenzen markieren, Zugehörigkeiten stiften und soziale Ordnungen stabilisieren.
In den ersten Terminen dieser Ringvorlesung wenden wir uns daher den vielfältigen Facetten und Funktionen des Geheimnisses zu – von kulturellen Techniken des Verbergens über rechtliche Fragen des Schutzes von Privatheit, insbesondere bei Kindern, bis hin zur Verhandlung und Inszenierung von Familiengeheimnissen in filmischen oder theatralen Inszenierungen.
So entsteht ein Panorama, das die Bedeutung des Geheimen – als verbindende und stabilisierende wie zugleich trennende und destabilisierende Kraft – in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen sichtbar macht und seine kulturelle und soziale Wirkmacht in unterschiedlichen Kontexten nachvollziehbar werden lässt.
Beteiligte
Bert Rebhandl ist ein Kulturjournalist, Autor und Filmkritiker.
Prof. Dr. Daniel Tyradellis (Humboldt-Universität zu Berlin)
Dr. Alia Rayyan (Humboldt-Universität zu Berlin)
Dr. Laura Goldenbaum (Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss)
Bert Rebhandl ist ein Journalist, Autor und Filmkritiker. Er arbeitet als freier Kulturjournalist und schreibt regelmäßig für große deutschsprachige Medien wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung, Der Standard und tip Berlin. Zudem ist er Mitbegründer und Mitherausgeber der Zeitschrift CARGO Film Medien Kultur, die sich auf Film- und Medienkritik spezialisiert hat. Er lebt und arbeitet in Berlin.
Rebhandl gilt als profunder Kenner der internationalen Filmgeschichte und schreibt sowohl über Klassiker als auch über aktuelle Produktionen.
Seine Beschäftigung mit Film zeigt sich auch in mehreren Monografien, die er veröffentlicht hat. Mit Orson Welles. Genie im Labyrinth widmete er sich einem der bedeutendsten Regisseure des 20. Jahrhunderts, während er in Jean-Luc Godard. Der permanente Revolutionär das Werk des französischen Avantgarde-Filmemachers analysierte. Darüber hinaus legte er mit Der dritte Mann. Die Neuentdeckung eines Filmklassikers eine Neubetrachtung des berühmten Nachkriegsfilms vor. Neben diesen Arbeiten veröffentlichte er auch Studien zu Fernseh- und Serienkultur, etwa zu Seinfeld, und beschäftigte sich mit Genrefragen wie dem Western.
Damit verbindet Rebhandl journalistische Kritik mit wissenschaftlicher Reflexion und gilt als eine Stimme, die Filmgeschichte und Gegenwartskultur gleichermaßen beleuchtet.