Lange Nacht der Wissenschaften
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| kostenfrei |
| Deutsch, Englisch |
| Humboldt Labor, 1. OG |
| Teil von: Über Wasser |
| Gehört zu: On Water |
Die Luft enthält mehr als zehnmal so viel Wasser wie alle Flüsse der Erde. Phänomene wie Nebel, Wolken und Tau faszinieren ganz unterschiedliche Disziplinen. An welchen neuen Ansätzen zur Gewinnung von Wasser aus Wüstenluft forscht die Naturwissenschaft? Wie arbeiten Designer:innen mit Nebel? Und welche Bedeutung haben Wolken in der Literatur?
Diesen Fragen widmen sich Vorträge, Gespräche und eine Lesung im Rahmen der Langen Nacht der Wissenschaften. In Workshops werden sie zudem praktisch erprobt.
Programm
Die Kuratorin der Ausstellung „On Water. WasserWissen in Berlin“ führt in das Thema der Langen Nacht der Wissenschaften ein und nimmt das Publikum mit zu den Bereichen der Ausstellung, die sich mit Wolken, Nebel und neuen Formen der Wasserernte beschäftigen. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Rolle atmosphärisches Wasser im globalen Wasserkreislauf spielt – und welche wissenschaftlichen und gestalterischen Ansätze heute entwickelt werden, um Wasser aus der Luft zu gewinnen.
kurzer Input Dimitra Almpani-Lekka (englisch)
Wasser ernten: Design für den städtischen Wasserkreislauf
Ausgangspunkt dieses offenen Drop-in-Formats ist die Installation „Cheimarros“ der Designerin Dimitra Almpani-Lekka in der Ausstellung “On Water. WasserWissen in Berlin”. Die keramischen Formen der Arbeit untersuchen, wie Regenwasser in urbanen Umgebungen gesammelt und geleitet werden kann. Unter Anleitung der Designerin können Besucher:innen selbst mit Ton experimentieren, Formen der Wasserernte erproben und ein kleines Objekt gestalten, das sie anschließend mit nach Hause nehmen können.
Moderation: Anna-Lisa Dieter
Wolken, Nebel, Dunst sind Erscheinungen, die keinen festen Ort haben und zwischen Himmel und Erde schweben. In seinem Essay Meteor. Versuch über das Schwebende nimmt der Literatur- und Kulturwissenschaftler Joseph Vogl solche Phänomene zum Ausgangspunkt, um über das Schwebende nachzudenken: über Erscheinungen, die sichtbar sind, sich aber nicht eindeutig fassen lassen. Ausgehend von Texten aus der Literatur, Philosophie und Wissenschaft zeigt er, wie gerade diese flüchtigen Erscheinungen das Denken herausfordern – und eine andere Aufmerksamkeit für die Welt eröffnen.
Wie lässt sich Trinkwasser direkt aus der Luft gewinnen? Metall-organische Gerüstmaterialien (MOFs) sind hochporöse Materialien, die Wassermoleküle aus der Atmosphäre aufnehmen und als Trinkwasser nutzbar machen können. Valerii Karpov, Doktorand der Physikalischen Chemie an der Humboldt-Universität zu Berlin, zeigt, wie Wasser durch die winzigen Poren dieser Materialien wandert und wie Simulationen helfen, diese Prozesse auf atomarer Ebene zu verstehen und neue Materialien zu entwickeln. Ein besonderes Highlight des Abends ist eine Live-Schaltung nach Berkeley zu Omar M. Yaghi, Chemie-Nobelpreisträger 2025 und Pionier der MOF-Forschung.
Wolken spielen eine zentrale Rolle im Klimasystem der Erde: Sie beeinflussen die Strahlungsbilanz der Atmosphäre und damit die Temperatur der Erdoberfläche. Gleichzeitig verändern steigende Temperaturen wiederum die Bildung und Eigenschaften von Wolken. Es entsteht ein komplexer Rückkopplungsprozess. Die Mathematikerin Annette Rudolph zeigt, wie Methoden der künstlichen Intelligenz helfen können, diese Wechselwirkungen besser zu verstehen und in Klimamodelle zu integrieren – in einem partizipativen Vortrag mit einem kleinen Mitmach-Wolkenexperiment.
Wolken erscheinen flüchtig und ungreifbar – doch sie lassen sich auch gestalten. Der Designer und Forscher Clemens Winkler arbeitet mit Wasserdampf, Nebel und Mikroklimata als Material. Seine Arbeiten bewegen sich zwischen Design, Kunst und Wissenschaft und untersuchen, wie atmosphärische Phänomene Räume verändern und unsere Wahrnehmung prägen. In einer kurzen performativen Präsentation zeigt er Beispiele seiner Arbeit und entwickelt eine kleine atmosphärische Situation direkt im Ausstellungsraum.
Beteiligte
Valerii Karpov ist Doktorand der Theoretischen Chemie an der Humboldt-Universität zu Berlin und arbeitet in der Forschungsgruppe von Prof. Joachim Sauer. Seine Forschung konzentriert sich auf die atomistische Modellierung poröser Materialien, insbesondere von metallorganischen Gerüstverbindungen (Metal-Organic Frameworks), mit einem Schwerpunkt auf Adsorptions- und Diffusionsprozessen. Ein besonderer Fokus liegt auf Materialien, die Wasser aus der Luft gewinnen können.
Joseph Vogl ist Literatur- und Kulturwissenschaftler und zählt zu den prägenden öffentlichen Intellektuellen in Deutschland. Von 2006 bis 2023 war er Professor für Literatur- und Kulturwissenschaft / Medien am Institut für deutsche Literatur der Humboldt-Universität zu Berlin und ist seit 2007 regulärer Gastprofessor an der Princeton University.
Seine Arbeiten verbinden Literaturwissenschaft, Philosophie und Ökonomie und widmen sich unter anderem der Geschichte des Wissens, der Theorie des Geldes und den Dynamiken moderner Finanzmärkte. Zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen zählen „Das Gespenst des Kapitals“ (2010), „Kapital und Ressentiment. Eine kurze Theorie der Gegenwart“ (2021) sowie zuletzt „Meteor. Versuch über das Schwebende“ (2025).
Clemens Winkler ist Forscher, Designer und Künstler. Er ist Designforscher am Exzellenzcluster „Matters of Activity“ an der Humboldt-Universität zu Berlin und war Gastprofessor an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. Zuvor lehrte er unter anderem an der Zürcher Hochschule der Künste, am Sandberg Institute Amsterdam und am Central Saint Martins in London. In seinen Arbeiten erforscht er mit Mitteln des Designs Phänomene wie Wolken und befragt deren Materialität. Seine Arbeiten wurden international ausgestellt, u. a. im Victoria and Albert Museum London, im Museum für Gestaltung Zürich und im Kiasma Museum Helsinki.
Annette Rudolph studierte Mathematik (Diplom) mit Nebenfach Physik an der Technischen Universität Berlin. Anschließend promovierte sie am Institut für Meteorologie der Freien Universität Berlin im Bereich der geophysikalischen Fluiddynamik. Getrieben von ihrem theoretischen Verständnis atmosphärischer Prozesse und den wachsenden Möglichkeiten der Auswertung großer Datenmengen, untersuchte sie Niederschlagsprozesse und Wolkenveränderungen im Kontext des Klimawandels. Seit dem Sommersemester 2023 leitet sie das Fachgebiet „KI und Landnutzungswandel” am Institut für Landschaftsarchitektur und Umweltplanung der TU Berlin. Mithilfe künstlicher Intelligenz untersucht sie den Einfluss von klimabedingten Veränderungen auf die Umwelt.
Dimitra Almpani-Lekka ist Architektin und Forscherin im Bereich Architekturdesign. Seit einigen Jahren arbeitet sie als Landschaftsarchitektin bei Kokomo Landschaft & Stadtraum in Berlin, wo sie sich auf städtische Biodiversität und städtisches Wassermanagement konzentriert. Sie ist Forscherin beim Exzellenzcluster „Matters of Activity” an der Humboldt-Universität zu Berlin und Doktorandin an der Fakultät für Architektur der Universität Ioannina, wo sie sich mit lebenden Materialien und deren potenzieller Rolle in der Architektur sowie mit Methoden zur Gestaltung der bebauten Umwelt in Synergie mit Wasser zur Förderung des biologischen Wachstums und der städtischen Biodiversität beschäftigt.