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Dschingis Lab

Musiktraditionen der multiethnischen Mongolei des 13. und 14. Jahrhunderts treffen im DSCHINGIS LAB auf europäische Musik des Mittelalters im Übergang zur frühen Renaissance, begleitet von zeitgenössischer mongolischer Poesie und Videokunst. Gibt es rekonstruierbare wechselseitige Kulturtransfers aus der Zeit der Seidenstraße, die bis heute fortwirken? Wie verhalten sich alte nomadische Traditionen und von der Steppe geprägte Lebensweisen zum digitalen Nomadentum der Gegenwart? Welches Wissen ist in Instrumenten wie der Altai Yatga (mongolische Zither), in der Limbe (mongolische Flöte), im Ever Buree (mongolisches Horn) oder in den Khuur-Streichinstrumenten gespeichert? Und wie korrespondieren die mongolische Kunst des Khöömii (Obertongesangs) mit europäischen Vokaltechniken wie dem Jodeln?

Das Projekt entwickelt die Berliner lautten compagney im engen Austausch mit dem Ensemble Tenger Ayalguu, einer renommierten Formation für mongolische Musik. Es wird begleitet von den Dichter*innen Gun-Aajav Ayurzana und Luvsandori Ulziitugs, die in ihren literarischen Arbeiten alte Traditionen mit brennenden ökologischen Fragen der Gegenwart verbinden: „Vorbei das Nationalfest / das Gras war ausgetreten. / Wind kam auf, und / alle Herzen schmerzten. / Die Pferde, außer sich / galoppierten wieder gen Horizont / Ich spähte in Richtung / all der verschwimmenden Pferde.“ Die bildende Künstlerin und Kuratorin Bolormaa Algaa erweitert den Raum mit zeitgenössischer Videokunst. Das musikalische Programm entsteht in Kooperation mit dem französischen Musikethnologen, Komponisten und Sänger Johanni Curtet, der seit Jahren zur Musikgeschichte der Mongolei forscht. Im begleitenden Gespräch wenden die Musiker*innen gemeinsam einen postkolonialen, von alten mongolischen Traditionen geformten Blick auf die musikalische Praxis des europäischen Klassik- und Museumsbetriebs und vergleichen, verhandeln und erweitern den Horizont der jeweiligen Spiel- und Produktionsweisen.

Seit 2023 sucht die lautten compagney, eines der renommiertesten Ensembles für historische Aufführungspraxis, im Humboldt Forum nach den Möglichkeiten einer Musik jenseits des kolonialen Kanons. In der Reihe MUSICAL BELONGINGS wird gemeinsam mit Musiker*innen und Komponist*innen diverser Kulturen die Möglichkeit einer transkulturellen Praxis erforscht. Wie lassen sich neue Töne und hybride Formen finden, die sich dem Label der „Weltmusik“ entziehen? Welche Gemeinsamkeiten gibt es zwischen internationalen indigenen Musikkulturen und der europäischen Alten Musik des vorindustriellen Zeitalters mit ihrer historischen Aufführungspraxis?

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