Luftmasse
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| 20 EUR / ermäßigt 10 EUR |
| Bitte buchen Sie Ihr Ticket vorab online oder an der Kasse im Foyer. |
| Nachgespräch im Anschluss an die Vorstellung am 01.10. |
| Englisch, Deutsch, Mandarin mit deutschen und englischen Übertiteln |
| Saal 1, EG, Schlüterhof |
| Gehört zu: Transkontinentale 2026 |
Die Jetztzeit scheint im Schwebezustand. Der Aufstieg Chinas definiert Asien neu, damit auch Europa. Ist er Bedrohung für die westlich dominierte Weltordnung? Wird ein Konflikt in Eurasien der „letzte große Krieg“ dieser Welt sein? Vor 100 Jahren hat Alfred Döblin in seinem Zukunftsroman Berge Meere und Giganten diesen Zustand bereits literarisch als „Tatsachenfantasie“ beschrieben: als unablässig aneinandergereihte Kette von Klimakatastrophen und Kontinentaldrift, Pandemien und Weltwirtschaftskrise. 1924 entwarf Döblin die Vision eines Krieges zwischen Europa und Asien und einer großen Fluchtbewegung der Europäer nach Grönland.
Jetzt hat das chinesisch-deutsche Paper Tiger Theater Studio diesen Stoff für die Bühne entdeckt. Die Performance, koproduziert mit dem Festival Theater der Welt 2026 in Chemnitz, schafft eine Bilder- und Tonwelt mit viel Bewegung und verblüffend einfachen wie auch sinnlichen Mitteln. Das visuelle Konzept stammt vom berühmtesten Gegenwartskünstler Chinas, Ai Weiwei. Fünf Tänzer*innen, Performer*innen und Sänger*innen aus China und Deutschland arbeiten mit Videografie und Raumgestaltung. Ihre Körper, von unterschiedlichen kulturellen Hintergründen und zeitgenössischen Diskursen geprägt, verkörpern die widersprüchlichen Emotionen zwischen düsteren Zukunftsvisionen und der Realität der Gegenwart. Chinesisch, Deutsch, Englisch und andere Sprachen verschiedener Kulturen verweben sich zu einem vielschichtigen Klangteppich.
Das Künstler*innen-Ensemble Paper Tiger Theater Studio existiert zwischen den Welten. Seine Produktionen entstehen in stetem Austausch zwischen deutscher und chinesischer Geschichte und Geschichten. In Berlin zeigte es zuletzt sein Restaurant-Projekt 10.000 Nudeln für Kafka und als Auftragsproduktion des Humboldt Forums Revolution. Stachel im Fleisch.
Beteiligte
Mit Bechter Elena, Wang Yanan, Sheyang Sibo, Li Jingwen, Fu-Hsuan Shih
Regie, Text: Tian Gebing
Choreografie, Producer: Wang Yanan
Dramaturgie: Lepschy Christoph
Musik: Kurek Piotr
Regieassistenz, Übersetzung: Li Jingwen, Xie Yuchen
Lichtdesign: Zhao Tong, Vogel Bastian
Szenografie, Kostüm: Paper Tiger Theater Studio
Unterstützung Szenografie: Wang Tiange
Video: Tong Xin
Projektassistenz: Feng Wanqi
Visuelles Konzept: Ai Weiwei
Unterstützt durch
Zhong Ben Zhi
AWW Germany GmbH
Shenzhen Ming Culture Communication Co. LTD
Koproduktion
Festival THEATER DER WELT Chemnitz 2026
Humboldt Forum Berlin
Paper Tiger Theater Studio
Aufführungsrechte für die Textausschnitte aus Alfred Döblins „Berge Meere und Giganten“ bei Gustav Kiepenheuer Bühnenvertriebs GmbH, Berlin
Mit freundlicher Unterstützung von: Zhong Ben Zhi, AWW Germany GmbH, Shenzhen Ming Culture Communication Co. LTD
Koproduktion: Festival Theater der Welt Chemnitz 2026, Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, Paper Tiger Theater Studio
Besetzung
Elena Bechter ist Initiatorin, Geschäftsführerin und Co-Künstlerische Leiterin der Company ART // 2020 und der Festspiele Bregenzerwald, des Festivals BeClose sowie Projektleiterin des Laboratoriums für neues Musiktheater. Seit 2020 arbeitet sie mit dem Paper Tiger Collective zusammen. Als Sängerin, Performerin und Dramaturgin bewegt sie sich zwischen traditionellem und zeitgenössischem Musiktheater, Kammermusik, experimentellem Tanz- und Bewegungstheater sowie multidisziplinärer darstellender Kunst und brachte bereits einige eigene Werke auf die Bühne. Sie ist Akademistin und Stipendiatin von TONALi sowie Preisträgerin des Internationalen Gesangswettbewerbs der Accademia Belcanto in Graz. Engagements führten sie u. a. an die Elbphilharmonie, das Theater der Welt Chemnitz, das Nationaltheater Mannheim, das Theater Brandenburg a. d. Havel, sowie zu Liedstadt, zum TONALi Festival und zum International Chamber Festival Capo di Leuca nach Italien.
Elena Bechter – Soprano/Performer
Der Künstler lebt in Berlin. Sein Schaffen wechselt fließend zwischen Tanz, Theater, Performancekunst, Modenschau, Choreografie und Tanzfilm.
Seine Arbeit ist geprägt von dem Interesse daran, wie der Körper Erinnerungen, Emotionen und Vorstellungskraft in sich trägt. Dabei lotet er die Grenze zwischen Realität und Fiktion aus und macht innere Landschaften durch Bewegung wahrnehmbar.
Piotr Kurek lebt in Warschau und ist Musiker, Multiinstrumentalist und Komponist. Er ist bekannt für seine Arbeit als Solokünstler und in verschiedenen Kooperationen und hat Musik bei Edições CN, Mondoj, Hands In The Dark, Black Sweat Records, Dunno, Sangoplasmo und anderen Labels veröffentlicht. Kurek ist regelmäßig auf der Bühne zu sehen und präsentiert seine Werke auf zahlreichen Musikfestivals wie Unsound, CTM, OFF, TodaysArt und UH Fest sowie auf umfangreichen Tourneen in Polen und im Ausland. Er ist Absolvent des OneBeat-Programms von „Found Sound Nation“ von Bang on a Can. In den letzten Jahren wurde er außerdem zu Residenzen am EMS in Stockholm, Schweden, und am Gyeonggi Creation Center in Ansan, Südkorea. Seit 2016 hat er mit dem Paper Tiger Theater Studio an fünf Werken zusammengearbeitet.
about
Christoph Lepschy, Dramaturg und Professor für Dramaturgie, studierte Literatur- und Theaterwissenschaften in München und Dublin, arbeitete seit 1996 als Dramaturg mit vielen namhaften Regisseur*innen an verschiedenen Stadt- und Staatstheatern sowie in zahlreichen internationalen Projekten, u.a. an der Schauburg München, am Theater Freiburg, am Düsseldorfer Schauspielhaus, am Staatsschauspiel Stuttgart, an den Münchner Kammerspielen und bei den Salzburger Festspielen. Im Oktober 2009 wurde er auf die Professur für Dramaturgie an der Universität Mozarteum Salzburg berufen. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Entwicklung internationaler und transkultureller Ansätze und Projekte für das Studium der darstellenden Künste. Seit 2005 beschäftigt er sich intensiv mit dem chinesischen Gegenwartstheater und hat mit mehreren chinesischen Theatermacher*innen zusammengearbeitet. Seit 2012 ist er Dramaturg des Paper Tiger Theater Studios. Festivals, Konferenzen, Vorträge und Workshops, u.a. zur Dramaturgie und zur transkulturellen Theaterarbeit führten ihn in zahlreiche Orte Chinas sowie nach Hongkong und Taiwan. Zudem veröffentlichte er diverse Publikationen in Fachzeitschriften und Büchern. Seit 2019 ist er Vorsitzender des Senats der Universität Mozarteum Salzburg.
Li Jingwen ist Wissenschaftlerin und Theaterpraktikerin und lebt in Berlin. Derzeit schließt sie ihre Promotion in Medienwissenschaft an der Universität Potsdam ab, wo sie sich in ihrer Dissertation „The Dispositif of the Virtual“ mit der Ontologie generativer KI-Systeme auseinandersetzt. Vor ihrem Studium in Potsdam studierte sie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Neben ihrer wissenschaftlichen Arbeit ist sie seit mehreren Jahren in der Theater- und Performancepraxis tätig und arbeitet mit dem Paper Tiger Theater Studio sowohl auf der Bühne als auch hinter den Kulissen, unter anderem an der Produktion „Revolution: Stachel im Fleisch“ des Humboldt-Forums. Ihr Interesse am Theater entspringt derselben Quelle wie ihre Forschung: der Neugier darauf, wie Räume, Körper und technische Systeme gemeinsam Bedeutung erzeugen.
Jingwen Li — virtuality, media theory, digital art practice
SheYang Sibo (Pronomen: es/sein), geboren 1996, ist ein Nachkomme der Hengduan-Berge. Seine Mutter stammt aus dem Liangshan-Gebirge, sein Vater aus dem Wumeng-Gebirge. Es stammt vom Volk der Nuosu (Yi) aus Wumeng ab, einem Zweig der alten südwestlichen Yi-Ethnie, und gehört zur 58. Generation der Zi-mo-Linie. Schon von klein auf widmete es sich der Malerei und bewegte sich zwischen hohen Bergen, Schluchten und städtischen Wolkenkratzern hin und her, wobei es sich durch Aktionen, Veranstaltungen, Videos, Poesie, Installationen, Klang und andere Mittel mit der Realität auseinandersetzte.
Sheyang Sibo
Tian Gebing, Theaterregisseur und Produzent, ist seit den 1990er Jahren eine führende Persönlichkeit der unabhängigen Theaterszene Chinas.
1997 gründete er das „Paper Tiger Theatre Studio“, eine Plattform, die Schauspieler, Tänzer, Autoren, Musiker, bildende Künstler und Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund zusammenbringt, um gemeinsam an kreativen Projekten zu arbeiten. Viele seiner Werke wurden international aufgeführt.
Seit 2010 widmet er sich zunehmend der interkulturellen Theaterpraxis. Zu seinen wichtigsten Werken zählen „Totally Happy“ (2014, München–Peking), eine Koproduktion mit den Münchner Kammerspielen, gefolgt von „Dekalog“ (2016, Stary Teatr, Krakau) und „500 Metres: Kafka, die Chinesische Mauer, Bilder einer illusorischen Welt und Heldentum im Alltag“ (2017, Thalia Theater Hamburg / Theater der Welt 2017).
Seit 2019 lebt und arbeitet er zwischen Berlin und Peking und tritt unter dem Manifest „Theatre Between Worlds“ in eine neue Phase seiner künstlerischen Praxis ein. Zu seinen Werken aus dieser Zeit zählen „Infection“, „State of Emergency“ und „Beethoven“ (2020, Shenzhen–Berlin), „Heart Chamber Fragments“ (2021, Münchner Kammerspiele), „Aufhebung“ (2021, Berlin), „Her Face“ (2022, Berlin), „Revolution. The Foe Of An Arrow Wound (2023, Humboldt-Forum, Berlin) sowie 10.000 Noodles for Kafka (2024, Berlin).
Wang Yanan absolvierte ihr Studium an der Tanzakademie Peking und war Solotänzerin beim China National Song and Dance Ensemble. Sie wurde mit dem Wenhua-Preis, Chinas höchster nationaler Auszeichnung für darstellende Künste, sowie mit dem ZKB-Preis am Zürcher Theater Spektakel ausgezeichnet.
Im Jahr 2004 gründete sie das Le Se Dance Studio. Ihre choreografischen Arbeiten waren international auf Tournee. Im Mittelpunkt ihrer künstlerischen Praxis steht der Körper, wobei sie die Beziehungen zwischen Individuum, Gesellschaft und technologischen Umgebungen erforscht.
Seit 2001 wirkt sie als Choreografin, Tänzerin und Produzentin an den künstlerischen Projekten des Paper Tiger Theatre Studio mit. Zu ihren Werken zählen „Iron Horse“ (2014, Hong Kong Arts Festival), „Totally Happy“ (2014, Münchner Kammerspiele), „Dekalog“ (2016, Stary Teatr, Krakau), „500 Metres“ (2017, Thalia Theater Hamburg / Wuzhen Theatre Festival), „Infection, State of Emergency and Beethoven“ (2020, Berlin–Shenzhen), „Disengage“ (2021, Berlin), „Her Face“ (2022, Berlin), „Revolution. Der Feind einer Pfeilwunde (2023, Humboldt-Forum, Berlin), 10.000 Nudeln für Kafka (2024, Berlin) und Luftmasse (2026, Theater der Welt Chemnitz / Humboldt-Forum, Berlin).
Yuchen ist ein in Berlin lebender Tänzer und Choreograf. Er studierte Tanz und Choreografie an der Universität der Künste Berlin / HZT Berlin. Als Darsteller war er in Werken der Choreografin Hannah Schillinger sowie der Regisseure Mehran Sherkat Naderi und Dora Yueming Cheng zu sehen. Seit 2023 ist er beim Paper Tiger Theater Studio in verschiedenen Bereichen der Theaterpraxis tätig. Sowohl auf der Bühne als auch hinter den Kulissen hat er zu Produktionen wie „Her Face“, „10.000 Noodles for Kafka“ und „Revolution. The Foe Of An Arrow Wound“ im Humboldt-Forum in Berlin beigetragen. Außerdem arbeitet er an der Schnittstelle von Tanz und bildender Kunst. Im Jahr 2024 arbeitete er gemeinsam mit der Künstlerin Zhenru Liang an dem Installationsprojekt „Temporary Theater“, das in mehreren europäischen Städten präsentiert wurde. Bevor er eine Karriere im Tanz einschlug, studierte Yuchen Kommunikationsdesign und arbeitete im renommierten Atelier Brückner in Stuttgart, wo er an zahlreichen Ausstellungsgestaltungsprojekten mitwirkte.