Musical Belongings VII: Bach und Balafon
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| Bitte buchen Sie Ihr Ticket vorab online oder an der Kasse im Foyer. |
| Musikalische Einführung jeweils um 18 Uhr in der Mechanischen Arena im Foyer. Publikumsgespräch ab ca. 20:30 Uhr in Saal 2. |
| Deutsch |
| Saal 2, EG |
| Teil von: Musical Belongings |
BACH UND BALAFON
Die lautten compagney BERLIN fragt mit ihrem Kamerun-Projekt nach den Möglichkeiten einer Musik jenseits des kolonialen Kanons. Dabei stehen zwei musikalische Traditionslinien im Mittelpunkt: Die reiche Musiktradition des Balafon, ein Idiophon, das im westafrikanischen Raum bereits seit dem 13. Jahrhundert gespielt wird, trifft auf Musik von Johann Sebastian Bach, gespielt auf historischen Instrumenten des 17. Jahrhunderts. Das Balafon gilt als Erfindung der Sosso, dessen König Soumaoro Kantè ein Balafon mit magischen Kräften besessen habe soll. Das Ethnologische Museum bewahrt in seiner Sammlung mehrere Exemplare.
Zu den Musiker*innen, die das reiche Erbe des Balafon lebendig halten und für die Gegenwart neu interpretieren, gehört der in Kamerun geborene Percussionist und Komponist Ba Banga Nyeck. Auf der Grundlage des traditionellen Fünfton-Balafons hat er vor zehn Jahren ein neues chromatisches Balafon mit zwölf Tönen entwickelt, um auch Bachs Musik auf dem Instrument spielen zu können. An seiner Seite steht der Ausnahme-Perkussionist Boni Gnahoré aus der Elfenbeinküste, der die Klänge polyrhythmisch kontrapunktiert.
Wie klingt es, wenn dieser balafone Bach mit dem historischen Barocksound ins Gespräch kommt? Und wie lassen sich die hypnotischen Patterns mit kontrapunktischen Fugen fusionieren? Solche Klang-Experimente sind bei dieser Ausgabe der MUSICAL BELONGINGS im Humboldt-Forum zu erwarten. Auf visueller Ebene wird der kamerunische Bildende Künstler und Komponist Tanka Fonta das Projekt mit seinen mythopoetischen Bilderzählungen begleiten. Er ist in Berlin und international für seine Wandarbeit im Sylvia Wynter Foyer des Hauses der Kulturen der Welt bekannt.
PROGRAMM
I. ORIGINS
Caducée
J.S. Bach — Jesu, meine Freude BWV 610
Jolou — Traditionelle Musik der Bambara (Mali)
II. HYBRIDS
J.S. Bach — Ach wie nichtig, ach wie flüchtig BWV 644
Pierre Charvet / Ba Banga Nyeck — Come away
J.S. Bach — Duetto Nr. 4 BWV 805
Mangambeu — Traditionelle Musik der Bamileke (Kamerun)
J.S. Bach / Ba Banga Nyeck — Toccata & Impro
J.S. Bach — Andante aus der Sonate D-Dur BWV 1028
J.S. Bach — Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen BWV 12
III. FUSIONS
Le Tamanoix — Improvisation für sechsköpfige Percussion (Elfenbeinküste)
J.S. Bach — Adagio BWV 1042
J.S. Bach — Wachet auf, ruft uns die Stimme BWV 645
Korodoua — Traditionelle Musik der Sembla (Burkina Faso)
Ba Banga Nyeck — Come Bach to Africa
nach einem Thema von J.S. Bach — aus dem Violinkonzert Nr. 2 BWV 1042
Mitwirkende
Ba Banga Nyeck ist ein Musiker aus Kamerun und Erfinder eines innovativen chromatischen Balafon-Modells, das er auf internationalen Bühnen präsentiert. Mit seinem Schaffen zeigt er, dass das Balafon – ein traditionelles afrikanisches Xylophon – mit klassischer, zeitgenössischer, Jazz- und moderner Musik in Dialog treten und sich nahtlos in Orchesterformationen auf der ganzen Welt einfügen kann.
Für sein Projekt zur Entwicklung einer Kulturindustrie rund um das Balafon in der Elfenbeinküste wurde er 2012 von der UNESCO ausgezeichnet; zudem wurde er von den World Masters of Arts and Culture (Südkorea) geehrt und von der Organisation Africaine de la Propriété Intellectuelle (OAPI) für die Erfindung seines Instruments unterstützt. Er ist außerdem Gewinner des Hauptpreises des Wettbewerbs „Triangle du Balafon“ in Mali.
Er trat in ganz Afrika, Asien, den Vereinigten Staaten und Frankreich auf, insbesondere im Théâtre de la Ville in Paris und in der Philharmonie de Paris als Gastsolist mit dem Orchester Les Siècles unter der Leitung von François-Xavier Roth. Er ist zudem Mitglied der Instrumentalisten-Gemeinschaft des Musée de la Musique – Philharmonie de Paris.
Er stand bereits mit bedeutenden Künstlern wie Mory Kanté und Richard Bona auf der Bühne und hat in Zusammenarbeit mit Manu Dibango Platten aufgenommen.
Ba Banga Nyeck ist Autor von „Balafon chromatique ou le manifeste du balafoniste universel“ (Éditions Baudelaire, 2023), er ist außerdem Kulturunternehmer, Mitglied der SACEM und des Bureau Ivoirien des Droits d’Auteur (BURIDA) sowie Gründer des Internationalen Balafon-Festivals (FestiBalafons) in Abidjan und von „Folk & Fusion“ im Elsass.
Boni Gnahoré ist einer der herausragendsten Künstler der afrikanischen Szene. Seine künstlerische Erfahrung hat er im Dorf Ki-yi Mbock in Abidjan, Elfenbeinküste, gesammelt, einem panafrikanischen Zentrum für Künstlerresidenzen und künstlerische Ausbildung in verschiedenen Disziplinen, zu dessen Mitbegründern er zählt.
Von 1985 bis 1997 arbeitete Boni an allen bedeutenden Produktionen dieses Zentrums mit und wirkte dabei als Schauspieler, Perkussionist, Sänger sowie als Songwriter und Komponist. 1989 wurde Boni Gnahoré gebeten, die Musik für das Schattentheaterstück „Sundjata“ – ein Mandingo-Epos – mit der Theatergruppe „Amoros et Augustin“ aus Straßburg zu komponieren; er trat dabei als Perkussionist und Sänger auf und ging auf Tournee durch Frankreich, Südafrika und die Vereinigten Staaten. 1992 wirkte er an der Entstehung der Oper „Un toureg s’est marié à une pygmée“ aus dem Dorf Kiyi mit. Er komponierte mehrere Titel und übernahm die Leitung der Percussion und des Gesangs unter der Leitung von Ray Léma, dem musikalischen Leiter des Projekts; Tourneen führten in die Elfenbeinküste, nach Dänemark und Japan. 1994 wurde Boni von der Compagnie „Les Deux Mondes“ aus Montreal (Kanada) für eine musikalische Umsetzung des Theaterstücks „Les nuages de terre“ engagiert, mit dem Tourneen in Kanada und Frankreich stattfanden.
1997 gründete Boni Gnahoré eine Gruppe für Kinder im Alter von 8 bis 13 Jahren, die die Schule abgebrochen hatten, um ihnen eine künstlerische Ausbildung in Percussion, Gesang und Tanz zu ermöglichen und ihnen so eine Grundlage zu vermitteln. Am Ende dieser Ausbildung inszenierten sie ein Musikstück mit dem Titel „Le Passeur“. Im selben Jahr, inspiriert von der Trommel „Tématé“ aus dem Westen der Elfenbeinküste, erfindet er ein melodiöses Perkussionsinstrument mit sechs Köpfen (Le Tamanoix).
1998 versammelt Boni alle Perkussionisten und Musiker der Gruppe Ki-Yi, um eine Musikgruppe zu gründen, die er „Boni Gnahoré und der Chœur Attoungblan“ – den Trommelchor – nennt. Diese Gruppe veröffentlichte 1998 ihr erstes Album („Pédou“). Dieses Album verhalf der Gruppe zum Durchbruch. Boni Gnahoré und sein „Chœur Attoungblan“ tourten durch die Elfenbeinküste, Frankreich und Italien.
In den Jahren 2000–2001 erhielt Boni mit seiner Gruppe eine Einladung zu einer Tournee durch Frankreich, wurde anschließend für das „Masa In“ in der Elfenbeinküste angefragt und erhielt einen Tourneeauftrag in Italien (Mailand). Im Jahr 2003 wurde Boni von der Association Française des Actions Artistiques (AFAA) als Preisträger 2003 des Programms „Villa Médicis Hors les Murs“ für künstlerische Forschung ausgezeichnet. Im Jahr 2004 kreierte er eine große Musikshow („Africa non stop“) und veröffentlichte ein gleichnamiges Album. Er begab sich auf eine einmonatige Tournee durch die Niederlande. Im Jahr 2005 ließ sich Boni im Elsass in Frankreich nieder, um dort Forschungen, Fortbildungen und kulturelle Begegnungen zu verfolgen, die es ihm ermöglichten, seine künstlerischen Aktivitäten – darstellende Künste, Konzerte – fortzusetzen und als Musiklehrer und Animator im schulischen Umfeld zu unterrichten.
Im Jahr 2008 wurde er von der Compagnie Dounia in Rennes gebeten, die musikalische Leitung zu übernehmen und als Percussionist und Sänger bei der Uraufführung von „Afro Breizh“ mitzuwirken. Mit dieser Produktion „Afro Breizh“ tourte er durch die gesamte Bretagne und andere Regionen Frankreichs. 2013 veröffentlichte Boni sein sechstes Album mit 8 bis 12 Titeln, „Kumbélé Kumbélé“, und ging im Elsass auf Tournee.
Im Jahr 2016 stellte Boni Gnahoré sein neues Projekt zur Gründung eines Zentrums für künstlerische Ausbildung und eines Musikkonservatoriums (TAMANOIX INSTITUT) vor. Im Jahr 2018 gründet Boni sein Percussion-Festival, das „Festi Tamanoix“ mit Sitz im Elsass (Straßburg). Im Jahr 2023 veröffentlicht Boni Gnahoré sein siebtes Musikalbum mit acht Titeln („Wabléssa“), eine Produktion, die der Kultur seines Heimatlandes, der Elfenbeinküste, Tribut zollt.
Diskografie:
1 – „Carnet“ mit KI-YI
2 – „Le Tourareg“ (Carnet B) mit KI-YI
3 – „Le Pedou“
4 – „Attegbono“
5 – „Africa Non Stop“
6 – „Kumbélé Kumbélé“
7 – „Wabléssa“
Der Künstler Tanka Fonta, geboren 1966 in Buea, Kamerun, lebt und arbeitet in Berlin. Als multidisziplinärer Bildender Künstler, Komponist, Dichter, Schriftsteller, Instrumentalist und Philosoph umfasst sein Schaffen Wandmalerei, Installationen, Orchesterkompositionen und philosophische Texte. In seinen Arbeiten beschäftigt er sich mit dem menschlichen Bewusstsein, der Wahrnehmungspsychologie und den Beziehungen zwischen Denken, Sprache, Klang und visueller Form. Er hat bedeutende Projekte international präsentiert, unter anderem auf der Biennale von São Paulo 2025, im Haus der Kulturen der Welt 2023 und im Kunstverein Hannover, und hat mit Institutionen wie dem Goethe-Institut zusammengearbeitet. Seine Orchester- und Hörwerke wurden international in Auftrag gegeben und aufgeführt, und seine Partituren befinden sich in über 700 Bibliotheksbeständen weltweit, darunter an der Harvard University, der Yale University, der Columbia University und dem Massachusetts Institute of Technology.
Von Haus aus Lautenist, gründete Wolfgang Katschner 1984 zusammen mit Hans-Werner Apel die lautten compagney BERLIN, Herzstück seines vielfältigen Wirkens als Musiker, Organisator und Forscher in den Klangwelten der „Alten Musik“.
Auf CDs präsentiert sich Wolfgang Katschner mit seinem Ensemble als Grenzgänger; neben Weltersteinspielungen von Opern wie „Didone abbandonata“ stehen ungewöhnliche Kombinationen von Komponisten: Philipp Glass und Tarquinio Merula („Timeless“), Heinrich Schütz und Friedrich Hollaender („War & Peace“) und Heinrich Ignaz Franz Biber und Astor Piazzolla („Misterio“). Jedes dieser Programme steht für die Überzeugung, dass »Alte« Musik genauso modern ist wie die später geschriebene Musik und sich, tritt man einmal aus der selbstgewählten Isolation als Musiker „Alter“ Musik, für Musiker*innen wie Publikum äußerst gewinnbringend mit modernerem Repertoire verbinden lässt.
Seit einigen Jahren tritt Wolfgang Katschner auch erfolgreich als Gastdirigent an deutschen Opernhäusern hervor. So war er 2012–2016 musikalischer Leiter des Winter in Schwetzingen; nach Gastspielen in Bonn (Händels „Rinaldo« und „Giulio Cesare“) und Oldenburg (Hasses „Siroe“) verantwortete er mehrere Opernproduktionen am Staatstheater Nürnberg: „Il ritorno d’Ulisse in patria“, „Serse“, „La Calisto“ sowie „Bajazet“. Zuletzt dirigierte Katschner Monteverdis „L’Orfeo“ an der Semperoper Dresden und Antonio Cestis “L’Orontea” am Theater an der Wien.
Verstärkt engagiert sich Wolfgang Katschner zudem in der Ausbildung des künstlerischen Nachwuchses. Er war Gastprofessor an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin, beim Sing-Fest in Hongkong, Artist in Residence bei BarockVokal in Mainz und arbeitete 2018 und 2019 mit Sänger*innen an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar.
Christian Filips ist Dichter, Musikdramaturg, Regisseur und Übersetzer. Er studierte Philosophie, Literatur und Musikwissenschaft in Wien und Berlin. Seit 2006 ist er freiberuflich als Autor, als Regisseur und Musikdramaturg tätig, u. a. für die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, für die lautten compagney BERLIN und für die Sing-Akademie zu Berlin. Als Musikdramaturg ist er spezialisiert auf hybride Formate, in denen sich Alte und Zeitgenössische Musik, Literatur, Performance- und Aktionskunst verbinden. Als Theatermacher hat er gemeinsam mit Partner*innen in Mumbai und Nairobi immersive Inszenierungen für den Stadtraum entwickelt. Als Übersetzer kollaborierte er mit dem arabisch-deutschen Kollektiv WIESE (Wie es ist) / مرج (u. a. für den Hamburger Bahnhof). Derzeit arbeitet Filips mit den Dichter*innen Logan February (Nigeria) und Lionel Fogarty (Australien) an dem Projekt POESIE DEKOLONIE im Engeler Verlag, als erster Band erschien „Mental Voodoo: Gedichte“ von Logan February. Im April 2023 kuratierte er das Festival für Weltliteratur POETICA 8 an der Universität Köln. Im August 2023 erhielt er den Erlanger Literaturpreis für Poesie als Übersetzung. Zuletzt erschien der Gedichtband Im Traum die Auskunft sagt: Hier! Ausgewählte Gedichte 1996–2022 im Engeler Verlag.
lautten compagney BERLIN
Die lautten compagney BERLIN unter der Leitung von Wolfgang Katschner zählt zu den renommiertesten Orchestern der Alten Musik. In den letzten 39 Jahren seit ihrer Gründung 1984 begeisterte sie Musikliebhaber*innen auf der ganzen Welt. Im Herbst 2019 wurde sie mit dem OPUS Klassik als Ensemble des Jahres ausgezeichnet. Mit Konzerten, Opernaufführungen und Cross over Projekten setzt sie einzigartige musikalische Akzente. Das Ensemble gehört zu den wenigen freien Produzenten von Musiktheaterprojekten in Deutschland. Für seine ungewöhnlichen und innovativen Programme wird es vom Publikum wie von nationalen und internationalen Feuilletons gleichermaßen geschätzt. Neben ihren Auftritten in Berlin tourt die lautten compagney mit ca. 100 Konzerten pro Jahr durch die Bundesrepublik, Europa und die Welt. Die letzten großen, außereuropäischen Tourneen führten im Jahr 2019 durch zehn Städte Chinas und im Herbst 2021 nach Bogotá in Kolumbien. An der Dresdner Semperoper feierte die lautten compagney kürzlich als erstes Gastensemble in der jüngeren Geschichte des Hauses die umjubelte Premiere von Monteverdis „L’Orfeo“.
Die lautten compagney pflegt als wichtigen Teil ihres Programmspektrums mit großen Repertoirewerken musikalische Traditionen. Wolfgang Katschner und sein Ensemble sind nicht nur neugierig auf Musik, sondern auch auf neue Wege ihrer konzertanten Darstellung. Ihre eigene, individuelle Plattform für Experimente hat die lautten compagney u. a. mit dem Format der :lounge gefunden. Hier zeigt sie, dass Alte Musik und Zeitgenössisches sehr wohl kombinierbar sind. In der :lounge bereichern Live-Sampling und -Sounds die Klangfarben der barocken Instrumente und bieten Raum für überraschende Improvisationen. Wenn alte Werke so von neuen Ideen inspiriert werden, verschwinden musikalische Grenzen.
lautten compagney BERLIN – YouTube