Porträt von der Professorin Dr. Silke van Dyk
© Anne Günther
Bild 1:
Porträt von der Professorin Dr. Silke van Dyk
© Anne Günther
Vergangene Termine
{{ time.start_TS | TS2dateFormat('DD') }}
{{ time.start_TS | TS2dateFormat('MMM') }}
{{ time.start_TS | TS2dateFormat('YYYY') }}

Persönliches Eigentum wird oft selbst genutzt: das heiß geliebte Rennrad, das Häuschen am Stadtrand oder die wertvolle Plattensammlung. In diesem Impuls geht es aber um Privateigentum, das als Kapital eingesetzt wird. Mit ihm lassen sich Gewinne erzielen (etwa in Unternehmen), Einkommen ohne eigene Arbeit beziehen (etwa durch Mieten) und Kosten auf andere abwälzen (etwa ökologische Schäden). Dieses Privateigentum ist real und zugleich eine wirkmächtige Fiktion. Denn es verdeckt, dass sein Wert auf dem Beitrag vieler Menschen beruht, auch auf dem, früherer Generationen.

Tatsächlich erleben wir eine alltägliche Umverteilung von unten nach oben und eine enorme Konzentration von Vermögen. Die reichsten zehn Prozent besitzen in Deutschland rund zwei Drittel aller Vermögen, die ärmere Hälfte der Bevölkerung dagegen so gut wie nichts. Dabei gehen auch diese Menschen zur Arbeit, pflegen Kranke, kümmern sich um Kinder, gestalten ihre Nachbarschaft, engagieren sich ehrenamtlich, haben gute Ideen oder schreiben Gedichte. Zum gesellschaftlichen Wohlstand tragen viele bei, seine Früchte ernten wenige.

Dass uns das so selbstverständlich erscheint, liegt auch daran, dass viele Beiträge gar nicht als Arbeit zählen. Das gilt für die Menschen, die in den Kolonien und bis heute in vielen Teilen der Welt oft unter Zwang oder ausbeuterischen Bedingungen Rohstoffe und Waren für unseren Wohlstand hergestellt haben und herstellen. Und es gilt für die Sorgearbeit, die vor allem Frauen unbezahlt leisten: im Haushalt, bei der Erziehung, in der Pflege von Angehörigen. Sie wird gern als „Liebesdienst“ verklärt, als sei sie keine Arbeit, sondern einfach Neigung. Auch digitale Aktivitäten in sozialen Medien und auf Plattformen werden vorzugsweise als Hobby, Spiel, Engagement, Partizipation, Sharing oder Kommunikation gerahmt – nur dass damit wenige andere sehr reich werden können.

Beteiligte

Dr. Silke van Dyk ist Professorin für Politische Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und Sprecherin des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Sonderforschungsbereichs „Strukturwandel des Eigentums“ an den Universitäten Jena und Erfurt. Sie forscht zu sozialer Ungleichheit und Eigentumsverhältnissen, zur Soziologie der Sozialpolitik und des Wohlfahrtsstaats, zum Verhältnis von Demokratie und Kapitalismus sowie zu alternativen Ökonomien. Gemeinsam mit Tilman Reitz und Hartmut Rosa hat sie 2024 das Buch „Nach dem Privateigentum? Güter, Infrastrukturen und Weltverhältnisse im Kapitalismus des 21. Jahrhunderts“ veröffentlicht. Ihre Analyse zu „Privateigentum als Privileg“ ist in der Zeitschrift „Aus Politik und Zeitgeschichte“ der Bundeszentrale für Politische Bildung (Jg. 74, No. 21, 2024, S. 28-33) nachzulesen.

Porträt von der Professorin Dr. Silke van Dyk
© Anne Günther
Newsletter

Verpassen Sie keine News und Updates zu unserem Programm!

Jetzt Anmelden